Volkskrankheit Demenz
Symbolbild Alzheimer und Demenz

21.09.2019

Demenzerkrankungen sind eine Geißel der Menschheit "Ich werde immer mehr zu einem leeren Blatt"

Jeden Tag erkranken in Deutschland mehr als 100 Menschen neu an Demenz. Für viele sind Alzheimer und Co. eine Horrorvorstellung. Die Wissenschaft macht Fortschritte, aber der Durchbruch bleibt aus. Eine Analyse am Welt-Alzheimertag.

"Ich werde immer mehr zu einem leeren Blatt. Ich fühle mich zu langsam, ich komme innerlich nicht mehr mit. Mein Leben entgleitet mir, Stück für Stück": So oder so ähnlich beschreiben Demenzkranke das Fortschreiten ihrer Krankheit.

Angst, Trauer, Wut und Überforderung - bereits heute ist Demenz die fünfthäufigste Todesursache in den Industrieländern, eine neue Geißel der Menschheit. Vor dem Welt-Alzheimertag an diesem Samstag werben Bundesregierung, Wissenschaftler, Ärzte und Betroffenenverbände vor allem um Verständnis und die Unterstützung für Erkrankte und Angehörige - aber auch für eine intensivere Forschung.

Netzwerke von Kirchen, Vereinen und Gesundheitseinrichtungen

Bundesweit haben sich inzwischen mehrere Hundert Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz gebildet - Netzwerke von Kirchen, Vereinen und Gesundheitseinrichtungen, die Demenzbegleiter und Angehörige schulen, Cafes für Demenzkranke gründen oder Beratung, Hilfe oder Seelsorge für Betroffene anbieten. Die von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft gegründete Initiative "Demenz Partner" hat nach eigenen Angaben bereits 50.000 Personen, Gruppen und Unternehmen im Umgang mit Erkrankten geschult.

Etwa 1,7 Millionen Menschen leiden in Deutschland an einer Demenz. Weltweit gibt es geschätzte 47 Millionen. Hinter dem Begriff verbergen sich rund 50 unterschiedliche Erkrankungen; die häufigste davon ist Alzheimer. Ohne entscheidende Fortschritte könnte die Zahl der Menschen mit Demenz hierzulande bis 2050 auf rund drei Millionen anwachsen. Die menschlichen, aber auch die finanziellen Belastungen sind erheblich; Kostenschätzungen für Deutschland gehen von 40 bis 50 Milliarden Euro pro Jahr aus.

Ein Wundermittel gegen Demenz ist bislang nicht in Sicht. Bisherige Medikamententests verliefen enttäuschend. Therapien erwartet der Direktor des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), Pierluigi Nicotera, erst in Jahrzehnten. Doch bereits vorher erhofft er sich Fortschritte von besseren Diagnose- und Früherkennungsverfahren. Hoffnung macht, dass das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, zumindest in den westlichen Ländern zurückgeht.

Offenbar spielt der Lebenswandel eine wichtige Rolle. Nichtsdestotrotz nimmt die Gesamtzahl der Erkrankungen - wegen der Alterung der Bevölkerung - weiter zu.

Frank Jessen, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uniklinik Köln, rechnet damit, dass in den kommenden Jahren ein Medikament entwickelt wird, das den Verlauf der Erkrankung verlangsamt. "Ein Medikament, das Alzheimer heilt, werden wir aber wohl alle nicht mehr erleben", warnt der Neurologe vor großen Hoffnungen.

Suche nach Ursachen hat Neues ergeben

Der Bonner Neurologe Michael Heneka vom DZNE betont, Medizin und Wissenschaft hätten in den vergangenen Jahren ein völlig verändertes Verständnis von Alzheimer erarbeitet. Bislang seien die Forscher davon ausgegangen, dass die Erkrankung beginnt, wenn sich erste Anzeichen von Gedächtnisstörungen zeigten. "Mittlerweile wissen wir, dass Demenzen fast 20 oder 30 Jahre früher beginnen - zu einem Zeitpunkt, an dem keiner etwas davon merkt."

Auch die Suche nach den Ursachen hat Neues ergeben: Jahrzehntelang hat sich die Forschung auf die vielbeschriebenen Eiweiß-Ablagerungen im Gehirn konzentriert, die die Nervenzellen schädigen. "Mittlerweile gehen wir aber von einem pathologischen Dreigestirn aus", sagt Heneka: den Ablagerungen außerhalb der Zellen, Eiweißverklumpungen in den Zellen und Fehlfunktionen des Immunsystems. Es sei jetzt wichtig, die frühe Phase der Erkrankung besser zu verstehen, so der Neurologe.

Es müssten unterschiedliche Therapien für die verschiedenen Krankheitsphasen entwickelt werden.

Experten sehen zudem mehrere Faktoren für das Ausbrechen von Demenz: Das größte Risiko ist das Alter. Nach dem 65. Lebensjahr verdoppeln sich Erkrankungen alle fünf Jahre. Nach dem 85. Lebensjahr beträgt das Risiko fast 50 Prozent. Zwei bis fünf Prozent der Erkrankungen seien erblich verursacht, sagt Heneka.

Aber auch der Lebensstil hat Bedeutung: Übergewicht, Bluthochdruck oder Entzündungen im Körper spielen eine Rolle. Regelmäßiger Sport im mittleren Lebensalter senkt das Demenzrisiko, viel psychischer Stress erhöht es.

Christoph Arens
(KNA)

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