Wohnungsloser vor dem Kölner Dom
Wohnungsloser vor dem Kölner Dom
Schwester Christina ist Wohnungslosen-Seelsorgerin im Erzbistum Köln
Schwester Christina ist Wohnungslosen-Seelsorgerin im Erzbistum Köln
Mit Lothar im Gubbio
Mit Lothar im Gubbio
Beim Kaffeetrinken im Hof
Beim Kaffeetrinken im Hof
Gespräch auf einer Kirchenbank
Gespräch auf einer Kirchenbank

03.09.2019

Wie Schwester Christina Menschen ohne festen Wohnsitz begleitet "Viele auf der Straße bewegt die Frage nach Gott"

Einfach da sein, den Schmerz der Leute teilen, ihn aushalten. Das ist ihre wichtigste Aufgabe als Wohnungslosen-Seelsorgerin im Erzbistum Köln, sagt Schwester Christina. Die Franziskanerin ist seit April im Amt.

"Hallo Schwester, mir geht es nicht gut!" Lothar erzählt, dass ihn Polizisten ziemlich unsanft von seiner Bank geholt und mit aufs Revier genommen haben. Seit 15 Jahren lebt er auf der Straße, mit allen Höhen und Tiefen. Er ist sehr froh, sagt er, dass er in der Wohnungslosenkirche Gubbio an der Kölner Ulrichgasse immer ein offenes Ohr findet. "Mein Handgelenk tut total weh, ich lasse mir das nicht gefallen!" Schwester Christina Klein hört aufmerksam zu, dann schlägt sie vor, gleich mit Lothar seinen Betreuer anzurufen. 

Mit Menschen am Rand der Gesellschaft arbeiten

Die Olper Franziskanerin ist seit April in großen Fußstapfen unterwegs, hat sie doch die Nachfolge der überaus beliebten und im vergangenen Sommer einem Hirntumor erlegenen Schwester Franziska angetreten. "Franziska hat so gute Arbeit geleistet, dass ich daran anknüpfen kann", sagt die 58-Jährige. In der damaligen DDR geboren, machte sie erst eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester, sattelte später im Westen noch eine zur Erzieherin oben drauf und war dann jahrelang in Kitas tätig.

"Was? Du willst zu den Pennern und den Alkis?!", bekam Schwester Christina manches Mal zu hören, wenn sie von der Anfrage erzählte, Kölns neue Wohnungslosenseelsorgerin zu werden. Sie selbst hatte sich schon länger gewünscht, mit Menschen am Rand zu arbeiten – wie ihr Ordensgründer Franziskus, der ganz besonders die Armen und Ausgestoßenen im Blick hatte. Also sagte sie zu, arbeitete sich ein und trat im April die neue Stelle ein.

"Christina ist klasse", findet Josef, der seit vielen Jahren ins Gubbio kommt und gerade im Innenhof Kaffee trinkt. "Wir wollten zwar ihre Vorgängerin Franziska nicht verlieren, aber der Herr hat uns guten Ersatz geschickt."

Tatsächlich mischt sich Christina authentisch unter diejenigen, die an diesem Nachmittag in die Wohnungslosen-Kirche gekommen sind. Sie geht von Tisch zu Tisch, hört zu, fragt nach, kommentiert, sagt ihre Meinung. Zwei Mal in der Woche, immer dienstags und mittwochs, öffnen sie die Türen von Gubbio für alle. Immer gibt es dann Kaffee und Kuchen und die Gelegenheit zum Gespräch, außerdem abwechselnd einen Gottesdienst, Meditationen und Bibelarbeit. "Mich fasziniert, wie offen wir hier über die Texte aus der Bibel sprechen und wie lebendig die Heiligen Messen sind, die wir feiern", sagt die Ordensfrau.

Jeder Tag bringt neue Überraschungen

Überhaupt, erzählt Schwester Christina, bringt jeder Tag als Wohnungslosenseelsorgerin neue Überraschungen. Wenn sie nicht im Gubbio ist, geht sie dahin, wo Menschen auf Bänken und in Hauseingängen übernachten; sie spricht sie an Essensausgaben, Beratungsstellen und Notschlafstellen an, lädt sie ins Gubbio ein.

Gerade das Elend der Leute, die am und um den Hauptbahnhof herum sitzen, schockiert sie immer wieder. Wahrgenommen und wertgeschätzt zu werden: die Sehnsucht der Menschen auf der Straße danach ist groß. Schwester Christina liebt die Begegnungen mit den Menschen und tut, was sie kann. "Es ist wichtig, dass ich die einzelnen beim Namen kenne und morgen noch weiß, was sie mir gestern erzählt haben." Dass sie in Ordenstracht unterwegs ist, glaubt Christina, bringt ihr bei den meisten einen Vertrauensvorschuss. Anfängliche Berührungsängste hat sie längst abgelegt. Was dagegen manchmal schwerfällt ist, die eigene Ohnmacht zu ertragen.

Kommt ein neuer Kollege dazu?

Schließlich sind fast alle, die in Deutschland auf der Straße leben, in einem Teufelskreis aus Alkohol, Drogen und psychischen Erkrankungen gefangen. Den zu durchbrechen, gelingt auch Wohnungslosenseelsorgern sehr oft nicht. Schwester Christina sieht ihre Aufgabe darin, einfach dazu zu sein und zuzuhören: "Was sie mir erzählen, trage ich im Gebet vor Gott."

Tatsächlich, so Schwester Christinas bisherige Erfahrung, denken viele Menschen auf der Straße viel über Gott nach, berichten etwa davon, wie er ihnen geholfen hat. Oft fragen sie auch, warum Gott so viel Leid und Ungerechtigkeit zulässt und erzählen von ihrem ganz persönlichen Elend. Dann versucht die Wohnungslosenseelsorgerin, den Schmerz jedes Einzelnen zu teilen – und auszuhalten. Weil das im Duo so viel leichter ist und weil obdachlose Männer auch einen Mann als Ansprechpartner brauchen, wünscht sich Schwester Christina jetzt, dass sie bald einen neuen Kollegen bekommt. Bruder Markus, der jahrelang Wohnungslosenseelsorger war, wechselt in die Provinzleitung seines Ordens nach München.

Hilde Regeniter
(DR)

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