Evangelischer Pfarrer kritisiert Gysi-Einladung

"Das geht zu weit"

Fehlende historische Sachkenntnis - das unterstellt der evangelische Pfarrer und DDR-Bürgerrechtler Ulrich Kasparick der Leipziger Philharmonie, weil diese den Linken-Politiker Gregor Gysi eingeladen habe.

Gregor Gysi, Vorsitzender der Europäischen Linken / © Oliver Berg (dpa)
Gregor Gysi, Vorsitzender der Europäischen Linken / © Oliver Berg ( dpa )

Gregor Gysi für ein Gedenkkonzert zum 30. Jahrestag der ostdeutschen Revolution in der Leipziger Peterskirche als Festredner einzuladen, sei eine Ungeheuerlichkeit, schreibt der PFarrer und Bürgerrechtler Ulrich Kasparick in einem Gastkommentar für die Mitteldeutsche Kirchenzeitung "Glaube+Heimat" (Ausgabe 7. Juli).

Repräsentant des alten Systems

"Er ist Repräsentant einer Partei, deren Staat wir Bürgerrechtler aktiv bekämpft haben." Es gehe zu weit, dass "ausgerechnet zu diesem Datum, ausgerechnet in Leipzig, ausgerechnet an einem Ort, den die DDR-Regierung abreißen ließ, ein Repräsentant des alten Systems reden soll und nicht ein Bürgerrechtler", so der frühere Parlamentarische Staatssekretär im Bundesbildungsministerium.

In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass Gysi am 9. Oktober bei einem Gedenkkonzert der Leipziger Philharmoniker in der Peterskirche als Redner auftreten soll. In einem Offenen Brief, der vom Archiv Bürgerbewegung Leipzig initiiert wurde, kritisieren dies mittlerweile mehr als 700 Unterzeichner aus Politik, Kunst und Wissenschaft.

Dazu zählen die ehemalige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, sowie der Sänger Wolf Biermann, der wegen seiner DDR-kritischen Lieder in den 1970er Jahren vom SED-Regime ausgebürgert wurde.

Verhältnis Gysis zur DDR ungeklärt 

Am 9. Oktober 1989 demonstrierten über 70.000 Menschen aus der DDR in Leipzig gegen die SED-Herrschaft. Der Massenprotest gilt als wegbereitend für den Fall der Mauer einen Monat später am 9. November 1989.

Die Leipziger Nikolaikirche war das Zentrum der seit Herbst 1988 immer stärker werdenden Bewegung. Gysi war von Ende 1989 bis 1993 letzter Vorsitzender der SED-PDS und ihrer Nachfolgepartei PDS. Auch das berufliche Verhältnis des Rechtsanwalts zum Ministerium für Staatssicherheit der DDR gilt als nicht geklärt.


Quelle:
KNA
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