Immer mehr Deutsche leiden offenbar unter Einsamkeit
Immer mehr Deutsche leiden offenbar unter Einsamkeit

31.05.2019

Mehr Menschen in Deutschland leiden an Einsamkeit Nicht allein, aber einsam

Nicht jeder, der alleine lebt, ist einsam. Doch das Gefühl der Einsamkeit verbreitet sich in Deutschland. Andere Länder gehen gezielt dagegen vor

Immer mehr Deutsche leiden offenbar unter Einsamkeit. Die Quote derer, die sich einsam fühlen, sei bei den 45- bis 84-Jährigen von 2011 bis 2017 um rund 15 Prozent gestiegen, berichtete die "Rheinische Post" unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP.

In einzelnen Altersgruppen sei diese, auf wissenschaftlichen Erhebungen basierende Quote sogar um fast 60 Prozent gestiegen. Probleme gibt es dem Bericht zufolge bereits bei Jugendlichen. Jeder vierte sagte demnach, dass er sich manchmal oder selten einsam fühle. Mädchen äußerten häufiger als Jungen, dass sie einsam seien.

Warum fühlen wir uns einsam?

Mit Verweis auf wissenschaftliche Studien schreibt die Bundesregierung, dass insbesondere soziale Isolation Auftreten und Verlauf chronischer Krankheiten ungünstig beeinflusse.

So zeigten sich Zusammenhänge für Bluthochdruck und andere wichtige Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronisch obstruktive Lungenerkrankungen sowie psychische Erkrankungen und Demenz.

Maßnahmen gegen die Einsamkeit

FDP-Gesundheitsexperte Andrew Ullmann forderte laut dem Bericht eine Strategie zur Bekämpfung der Einsamkeit. Dazu gehörten innovative Wohn- und Mobilitätskonzepte sowie die Förderung von Gesundheitskompetenz, sagte der Facharzt und Würzburger Professor. Auch die Regierung verweist in ihrer Antwort unter anderem auf das Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus, für das bis 2020 jährlich 17,5 Millionen Euro bereit stünden. Insgesamt gebe es in Deutschland rund 540 Mehrgenerationenhäuser, von denen rund 250 gezielte Angebote für einsame Menschen aus allen Altersgruppen machten. Das Bundeslandwirtschaftsministerium fördere im Rahmen der "Integrierten ländlichen Entwicklung" etwa Gemeinschaftseinrichtungen.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte bereits Anfang Mai einen Regierungsbeauftragten gefordert, der sich um das Problem anhaltender Einsamkeit in der Gesellschaft kümmert. In Großbritannien wurde bereits ein Regierungsposten geschaffen, um gegen Probleme infolge von Einsamkeit vorzugehen. Nach Angaben der FDP gehen auch Japan, Dänemark und Australien gezielt gegen Einsamkeit vor.

Kein Problem des Alters

Ein Team um die Psychologin Maike Luhmann von der Ruhr-Uni Bochum, hat 2016 festgestellt, dass Einsamkeit keineswegs ein sich langsam auftürmendes Altersphänomen ist. Zwar hätten die Ältesten am meisten Probleme mit Einsamkeit. Ab 86, wenn körperliche Gebrechen und der Tod von Wegbegleitern oft Realität sind, klage jeder Fünfte darüber.

Aber: Auch Menschen in der Lebensmitte (46-55 Jahre, 14 Prozent) und jüngere Erwachsene (26-35 Jahre, 14,8 Prozent) fühlen sich ihren Angaben zufolge häufig einsam. Am wenigsten betroffen waren in der Studie die jüngeren Alten (66-75 Jahre, 9,9 Prozent)

(epd, dpa)

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