Nicht nur Zaungäste, sondern mittendrin: Auch die Jugend ist beim Jubiläumskongress mit eigenem Programm vertreten
Nicht nur Zaungäste, sondern mittendrin: Auch die Jugend ist beim Jubiläumskongress mit eigenem Programm vertreten

23.04.2019

100-jähriges Bestehen des katholischen Verbands ND "An der Rettung der Welt mitwirken"

Rund 900 Menschen feiern ab diesem Dienstag in Köln das 100-jährige Bestehen des katholischen Verbandes "Bund Neudeutschland". Am Vormittag wurde der Jubiläumskongress von Bundesleiterin Claudia Lücking-Michel eröffnet.

Auf die Herausforderungen der jeweiligen Zeit gute, lebenswerte und lebensförderliche Antworten zu geben – das sei in den letzten 100 Jahren das Anliegen des 1919 in Köln als "Bund Neudeutschland" gegründeten katholischen Verbandes gewesen. Für dieses Ziel hätten sich ganze Generationen in die Pflicht nehmen lassen und immer wieder den Stab weitergetragen. Bis heute. Denn noch immer sei der "ND" – so wird der Zusammenschluss von etwa 4.000 aktiven Christinnen und Christen mittlerweile abgekürzt genannt – für viele Menschen ein fester Bezugspunkt in ihrem Leben. Das stellte Claudia Lücking-Michel, die Bundesleiterin des ND, an diesem Dienstag bei der Eröffnung des ND-Jubiläumskongresses im Erzbischöflichen Berufskolleg an der Berrenrather Straße fest. Hier wollen die Mitglieder des ND – insgesamt sind aus ganz Deutschland mehr als 900 Teilnehmer in Köln eingetroffen – in den nächsten fünf Tagen dieses Jubiläum unter dem Motto "Christsein.Heute" mit prominent besetzten Podien und Foren, aber auch mit einem Festgottesdienst im Kölner Dom feiern.

Eintreten für mündige Christen

Der ND habe immer wieder Gegenwelten geschaffen, aus eigener Überzeugung einfach gehandelt und sei mutig vorangeschritten – ohne auf die Initiative der Amtskirche, ihre Erlaubnis oder Zustimmung zu warten. "Das sollte auch heute unsere Antwort sein", betonte die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken in ihrer Begrüßungsansprache. "Mündige Christen sind die, die Herz und Verstand nicht an der Kirchentüre abgeben, sondern in vorauseilendem Gehorsam Verantwortung übernehmen für das, was sie für richtig erachten – auch und gerade dann, wenn es heute noch verboten und verpönt ist. Wir machen einfach schon mal und gehen voran", sagte Lücking-Michel wörtlich.

Die Gründung des ND vor 100 Jahren sei nicht nur eine Reaktion auf die Kirche ihrer Zeit, sondern auch auf die gesellschaftlichen und historischen Katastrophen gewesen. "Ein neues Deutschland aus christlichem Geist" sei die Antwort der Gründergeneration, die politische Verantwortung übernehmen wollte, gewesen. "Sie hat nicht lange lamentiert, sondern mit Mut, Kraft und Gottvertrauen angefangen." Auch heute sei der ND mit genau dieser Ausrichtung wieder gefragt. Und seine Antworten seien nicht weniger wichtig als zu Beginn der Weimarer Republik. "Wenn damals vor allem Deutschland im Blick war und die Frage, wie wir unser Land aus christlicher Verantwortung neu gestalten können, dann ist inzwischen deutlich: Christen können keine Nationalisten sein. Heute würden wir uns vielleicht ‚Bund Neu-Europa’ nennen", unterstrich die ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete. Sogar die Namensgebung "Bund für eine Neue Welt" sei denkbar.

Nicht "Europa first", sondern weltweite Solidargemeinschaft

"Unser Blick muss in den nächsten 100 Jahre jedenfalls deutlich über unsere eigene Kirchturmspitze hinaus gehen", forderte Lücking-Michel. "Wir sind auf ein geeintes friedliches Europa angewiesen und tragen dafür Verantwortung." Trotzdem gehe es nicht um ein "Europa first", sondern darum, an die allererste Stelle den Menschen zu setzen. "Wir sind eine weltweite Solidargemeinschaft, und nur zusammen werden wir eine gerechtere, friedlichere und bessere Zukunft haben", so die Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH).

Vor 100 Jahren habe kaum jemand zu hoffen gewagt, dass sich dieser Bund so lange bewähren und immer wieder neu herausgefordert sein würde, auf die großen Lebensfragen der Menschen zu antworten. Das sei auch heute wieder der Fall. Angesichts der mangelnden Akzeptanz der Kirche, die die Existenzgrundlage des ND sei, stehe der Verband auch aktuell vor großen Herausforderungen. Doch der ND sei Mittel zum Zweck – nicht Selbstzweck. "Es kommt nicht darauf an, den ND zu retten, sondern im ND gemeinsam an der Rettung der Welt mitzuwirken", gab sich Lücking-Michel überzeugt.

(DR)

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