Debatte über Medikamententests an Demenzkranken
Hilfestellung bei Demenz

07.04.2019

Forschungsverbund kämpft seit zehn Jahren gegen Demenz Nicht kleckern, sondern klotzen

Demenz gilt als neue Geißel der Menschheit. Viel Leid und enorme Kosten sind die Folge. Immer mehr Staaten verstärken deshalb ihre Forschung. In Bonn feiert ein bundesweites "Leuchtturmprojekt" zehnjähriges Bestehen.

Nicht kleckern, sondern klotzen: Demenzerkrankungen werden weltweit zu einem riesigen Problem. Bereits heute ist Demenz die fünfthäufigste Todesursache in den Industrieländern. Enormes Leid, aber auch riesige gesellschaftliche und wirtschaftliche Kosten sind die Folge.

Fördergelder zur Erforschung der Krankheit wachsen

Entsprechend wachsen die Investitionen, die Bund und Länder in die Erforschung von Alzheimer und Co. sowie in die Versorgung der Patienten stecken. Am Freitag feierte in Bonn das "Deutsche Zentrum für die Erforschung Neurodegenerativer Erkrankungen" (DZNE) sein zehnjähriges Bestehen. "Ein Leuchtturmprojekt" und "eine der modernsten Forschungseinrichtungen Europas" - so charakterisierte 2017 Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das bundesweite Netzwerk mit zehn Standorten, darunter Berlin, Dresden, Göttingen, Magdeburg, München, Tübingen, Rostock/Greifswald, Ulm und Witten.

Rund 1.100 Mitarbeiter aus 50 Ländern, darunter 600 in der Schaltzentrale in Bonn, versuchen, der Volkskrankheit Demenz das Handwerk zu legen: durch Grundlagenforschung, klinische Forschung und die Suche nach neuen Medikamenten und Therapien. Der Gründungsdirektor und Vorstandsvorsitzende des DZNE, Pierluigi Nicotera, verwies beim Festakt auf die fächerübergreifende Forschungsstrategie und die enge Verzahnung von Grundlagen- und Anwendungsforschung - etwa für medizinische Behandlung und Pflege.

1,7 Millionen Betroffene in Deutschland

In der Bundesrepublik leben gegenwärtig fast 1,7 Millionen Demenzkranke, Tendenz steigend. Laut Prognosen erhöht sich die Zahl der Betroffenen bis 2050 auf rund 3 Millionen. Weltweit gibt es geschätzte 47 Millionen Erkrankte. Nicht zuletzt deshalb haben immer mehr Staaten der Krankheit gezielt den Kampf angesagt: Frankreich war 2008 das erste Land mit einem nationalen Aktionsplan gegen Alzheimer.

Das DZNE kann in Bonn mit zahlreichen Partnern in der Region zusammenarbeiten. In unmittelbarer Nähe befinden sich die Unikliniken für Neurologie und Psychiatrie, die sich im Bereich neurodegenerativer Erkrankungen durch exzellente Forschung und Patientenversorgung auszeichnen. In Köln ergänzen die Parkinson-Forschung und das Max-Planck-Institut für Biologe des Alterns das Wissen. Das Forschungszentrum Jülich hat neue Möglichkeiten der Bildgebung entwickelt, um Gehirnerkrankungen feststellen zu können.

Ein Wundermittel gegen Demenz ist bislang nicht in Sicht. Bisherige Medikamententests verliefen enttäuschend. Therapien erwartet DZNE-Gründungsdirektor Nicotera erst in Jahrzehnten. Doch bereits vorher erhofft er sich Fortschritte von besseren Diagnose- und Früherkennungsverfahren. Hoffnung macht, dass das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, zumindest in den westlichen Ländern zurückgeht. Offenbar spielt der Lebenswandel eine wichtige Rolle. Nichtsdestotrotz nimmt die Gesamtzahl der Erkrankungen - wegen der Alterung der Bevölkerung - weiter zu.

Demenzen beginnen 20 oder 30 Jahre vor der Erkrankung

Der Bonner Neurologe Michael Heneka rechnet damit, dass in den kommenden 20 Jahren ein Medikament entwickelt wird, das Demenzerkrankungen zumindest verlangsamt. Medizin und Wissenschaft hätten in den vergangenen Jahrenein völlig verändertes Verständnis der Erkrankungen erarbeitet, sagt er. "Mittlerweile wissen wir, dass Demenzen fast 20 oder 30 Jahre vor der Hochphase der Erkrankung beginnen - zu einem Zeitpunkt, an dem keiner etwas davon merkt."

Auch die Suche nach den Ursachen hat Neues ergeben: Jahrzehntelang hat sich die Forschung auf die vielbeschriebenen Eiweiß-Ablagerungen im Gehirn konzentriert, die die Nervenzellen schädigen. "Mittlerweile gehen wir aber von einem pathologischen Dreigestirn aus", sagt Heneka: den Ablagerungen außerhalb der Zellen, Eiweißverklumpungen innerhalb der Zellen und Fehlfunktionen des Immunsystems. Diese Faktoren reagieren offenbar über Jahrzehnte miteinander. Deshalb sei es jetzt wichtig, die ganz frühe Phase der Erkrankung besser zu verstehen, fügt Heneka hinzu.

Große Hoffnungen setzen die Wissenschaftler auf neue, leistungsstarke Computer. Sie können innerhalb von Minuten das Genom von Tausenden Menschen vergleichen. "Je mehr Daten von Erkrankten wir sammeln und auswerten, desto besser können wir auch die Krankheit verstehen", sagt Nicotera.

Christoph Arens
(KNA)

Gottesdienste auch auf Facebook und Youtube

DOMRADIO.DE überträgt alle Gottesdienste auch auf Facebook und Youtube und Periscope.

DOMRADIO hören

Laden Sie sich unsere App herunter – kostenlos in den Stores. DOMRADIO hören Sie auch übers Internetradio, Smartspeaker, andere gängige Radio-Apps, in Köln auf UKW 101,7, in Berlin/Brandenburg über DAB+ und natürlich auf DOMRADIO.DE.

Himmelklar Podcast

durchatmen – Der Seelsorge Podcast

Podcast: Der Morgenimpuls von Schwester Katharina

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

WBS-Weggeleit

Messenger-Gemeinde

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

 04.06.2020
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Ergebnisse des Koalitionsgipfels
  • Moraltheologe über digitale Kirche
  • USA: Proteste gegen Rassismus und Ungleichheit
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Die Online-Beichte: Gilt sie auch nach der Corona-Pandemie?
  • "Kirche digital": Netzgemeinde DA_ZWISCHEN:
  • "Brrr" und "Määh": Heute beginnt die Schafskälte
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Die Online-Beichte: Gilt sie auch nach der Corona-Pandemie?
  • "Kirche digital": Netzgemeinde DA_ZWISCHEN:
  • "Brrr" und "Määh": Heute beginnt die Schafskälte
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Hygienekonzept für katholische Kinder- und Jugendchöre vorgestellt
  • Dann eben einmal durch NRW: Marathon-Pater will 111 Kilometer laufen
  • Mit Ticket auf dem Roncalli-Platz: Wie feiert Köln Fronleichnam?
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Hygienekonzept für katholische Kinder- und Jugendchöre vorgestellt
  • Dann eben einmal durch NRW: Marathon-Pater will 111 Kilometer laufen
  • Mit Ticket auf dem Roncalli-Platz: Wie feiert Köln Fronleichnam?
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…