Rollstuhlfahrer an einem Bahnsteig
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27.03.2019

10 Jahre Behindertenkonvention: Bistum Essen zieht Bilanz "Es hat sich vieles entwickelt"

Vor zehn Jahren hatte sich Deutschland verpflichtet, mehr für Menschen mit Behinderung zu tun. Wie ist die Bilanz? Darauf antwortet Dorothee Janssen. Die Gemeindereferentin hat ein Büro für Inklusion und Teilhabe gestartet.

DOMRADIO.DE: Zehn Jahre UN-Behindertenrechtskonvention - hat sich etwas getan in der Zeit oder ist das ein Papiertiger?

Dorothee Janssen (Gemeindereferentin im Bistum Essen): Auf jeden Fall haben wir durch dieses Papier schriftlich niedergelegt, dass es die Behinderten-Rechte als Teil der Menschenrechte gibt. Es ist juristisch gut formuliert und eine gute Grundlage, um damit weiterzuarbeiten.

DOMRADIO.DE: Was hat sich mit diesem Gesetz für die Kirchen verändert, die sich ja seit langem für Menschen mit Behinderungen eingesetzt haben?

Janssen: Durch die UN-Behindertenrechtskonvention hat sich vieles entwickelt, auch im Bewusstsein der Menschen. Der Begriff "Inklusion" ist in die Gesellschaft hineingetragen worden. Gerade in Nordrhein-Westfalen ist das Thema Inklusion in den Schulen leider nicht so gut angekommen. Der Begriff an sich hat erstmal einen schlechten Ruf. Das ist schade.

Auf der anderen Seite gibt es viele Organisationen, Unternehmen und Projekte, die viele Chancen für Menschen mit Behinderung bieten und ihnen auf Augenhöhe begegnen. Das sollte man in der Gemeinde - wo es noch ein wenig schwierig ist - auch erleben können. Wir haben in unseren Kirchen in der Regel keine induktiven Höranlagen, aber zunehmend Menschen mit Hörgeräten. Das ist ein ganz praktisches Beispiel, wo wir als Kirche hinten dran hängen.

DOMRADIO.DE: Beim Wort "behindertengerecht" haben wahrscheinlich viele ein Bild von Rollstuhlrampen und entsprechenden Toiletten. Das Feld ist aber viel weiter, oder?

Janssen: Richtig, Inklusion ist mehr eine Haltung, die allen Menschen gilt. Es geht darum, zu schauen, was braucht der andere. Oder darum, Menschen zu ermutigen und zu befähigen, ihre Anliegen zu äußern - gerade auch gegenüber der Kirche. Da kann ich hingehen und sagen, was ich tatsächlich brauche.

Bei uns gab es zum Beispiel folgende Situation: Bei der Anmeldung zur Erstkommunion sagen Eltern eines Kindes mit Behinderung: "Mein Kind ist behindert. Das kann jetzt nicht zur Erstkommunion gehen. Es geht besser in irgendeine Einrichtung." So sollte das nicht sein. Eigentlich sollte das Kind mit allen anderen Kindern gemeinsam in der Gemeinde gehen können. Da sollte man fragen können: Was braucht das Kind, damit das gelingen kann? Das klingt erst einmal nach viel Arbeit. Aber wir haben hier bei uns auch die Erfahrung gemacht, dass eine Inklusionsbewegung viel öffnet und den Horizont erweitern kann.

DOMRADIO.DE: Sie haben in Witten eine Anlaufstelle eröffnet: ein Büro für Inklusion und Teilhabe in der Pfarrei. Wer kommt da mit welchen Anliegen?

Janssen: Es kam zum Beispiel ein Junge, der Autist ist. Wir dachten zunächst, dass das eine Nummer zu groß für uns ist und wir das nicht schaffen. Man muss aber nicht alles über Autismus lernen, weil sowieso jeder Autist anders ist. Wir überlegten, wie man Katecheten oder Eltern für das Thema sensibilisiert. Ich habe mich umgehört und über Twitter die Frage in die Welt hinaus gepustet. Da haben sich ganz viele Menschen gemeldet - darunter auch Autisten. Sie haben geschrieben, was ihnen wichtig ist.

Ich habe die Antworten gesammelt und mit der Kollegin, die die Erstkommunion vorbereitet hat, darüber gesprochen. Und wir haben eine Graphic Novel (Comic im Buchformat, Anm. d. Red.) bestellt, in der eine Autistin ihre Erfahrungen in der Schule, mit anderen Kindern und mit dem Erwachsenwerden beschreibt. Das hat den Katecheten geholfen, die Lebenssituation eines autistischen Menschen zu verstehen.

DOMRADIO.DE: Die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland ist seit zehn Jahren in Kraft. Am 5. Mai gibt es einen Tag der "Aktion Mensch" zum Thema. Wie beteiligen Sie sich daran?

Janssen: Wir werden im Bistum Essen eine barrierefreie Webseite freischalten. Die Bedienung ist relativ einfach. Eine Agentur hilft uns bei der Programmierung und wir testen in einem letzten Schritt mit Beta-Testern, ob auch alles funktioniert.

DOMRADIO.DE: Also, die UN-Behindertenrechtskonvention hat durchaus etwas getan?

Janssen: Ja, aber was noch fehlt ist, dass Menschen mit Behinderung oft viel zu wenig an dem beteiligt werden, was beschlossen oder erarbeitet wird. Das ist noch viel, viel zu wenig.

Das Gespräch führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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