Sogenannte "Kinderspeisung" an einer Neuköllner Schule (1924)
Sogenannte "Kinderspeisung" an einer Neuköllner Schule (1924)

24.03.2019

"Save the Children" sucht Zeitzeugen "Kinderspeisungen" nach dem Ersten Weltkrieg

Das Hilfswerk "Save the Children" sucht Zeitzeugen. Zum 100-jährigen Jubiläum ruft die Kinderrechtsorganisation sehr alte Menschen auf, von ihren Erlebnissen nach dem Ersten Weltkrieg zu berichten – aus der Gründungszeit des Hilfswerks.

DOMRADIO.DE: Sie suchen Zeitzeugen, die gemeinsam mit Ihnen die Geschichte von "Save the Children" aufarbeiten. Welcher Art Erinnerungen und Geschichten suchen Sie?

Susanne Sawadogo (Pressesprecherin der Organisation "Save the Children"): Wir wissen natürlich, dass es nicht mehr so viele Menschen gibt, die sich an die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg erinnern können. Aber das ist jetzt die letzte Gelegenheit, die Erinnerungen einzufangen. Und wir hoffen natürlich, dass wir Menschen finden, die sich daran erinnern oder zumindest wissen, dass sie als kleine Kinder sogenannte "Kinderspeisungen" bekommen haben, zum Beispiel in Köln, wo "Save the Children" in den Zwanzigerjahren sehr aktiv war. Also wir suchen Leute, die sich vielleicht erinnern können, die wissen, dass sie als kleine Kinder von Organisationen wieder aufgepäppelt wurden.

DOMRADIO.DE: Das war damals der Schwerpunkt der Arbeit von "Save the Children"?

Sawadogo: Genau, es war ja so, dass die Lage in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg katastrophal war. Es herrschte Massenarbeitslosigkeit, Hunger, in Köln gab es sogar Plünderungen. Die Engländerin Eglantyne Jebb hat "Save the Children" gegründet, um den deutschen und österreichischen Kindern zu helfen, weil sie Bilder von abgemagerten Kindern sah. Da wollte sie was tun, obwohl das die Kinder der Kriegsgegner waren.

DOMRADIO.DE: Haben Sie denn jetzt schon Kontakt zu Zeitzeugen bekommen?

Sawadogo: Wir haben leider noch von niemandem gehört, der in den Zwanzigerjahren Hilfen bekommen hat. Wir haben schon von Leuten Anrufe bekommen, die sich an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg erinnern können. Aber es ist natürlich klar, angesichts des Alters auch schwierig, die 100-Jährigen zu finden und deswegen rufen wir auch deutschlandweit zur Beteiligung auf - sowohl bei uns im Internet als auch in verschiedenen Medien. Wir denken einfach, je breiter wir das streuen, desto größer ist die Chance, dann tatsächlich auch die ganz alten Menschen zu finden.

DOMRADIO.DE: Warum ist Ihnen das so wichtig, diese Geschichte zu erzählen?

Sawadogo: Es gibt nicht so viele Informationen über die Zeit damals. Wir haben in Archiven einzelne Hinweise gefunden, aber wir möchten einfach die ganzen vielen kleinen Erinnerungen sammeln, sie wie kleine Puzzleteile zusammentragen, um jetzt zum 100-jährigen Jubiläum die ganze Geschichte zu erzählen, weil damals in Deutschland alles anfing.

DOMRADIO.DE: 100 Jahre gibt es die Kinderrechtsorganisation "Save the Children" nun schon. Was hat die Organisation denn über diese Jahrzehnte erreicht?

Sawadogo: Wir haben in diesen 100 Jahren schon vielen Millionen Kindern weltweit in verschiedenen Konflikten geholfen, aber auch nach Naturkatastrophen. Das geht von der Nothilfe bis hin zu Bildungsprogrammen und Gesundheitsprogrammen. Leider müssen wir sagen, dass unsere Arbeit heute aktueller ist denn je. Denn gerade ist der Krieg in Syrien ins neunte Jahr gegangen, der Krieg im Jemen dauert jetzt auch schon vier Jahre. Und inzwischen leben mehr als 420 Millionen Kinder weltweit in Kriegen.

DOMRADIO.DE: Abgesehen von der Recherche nach Zeitzeugen: Was wünschen Sie sich denn für die Zukunft?

Sawadogo: Wir wünschen uns eine Welt ohne Kriege. Die Gründerin von "Save the Children", Eglantyne Jebb, sagte damals, "jeder Krieg ist ein Krieg gegen Kinder". Deswegen fordern wir gerade jetzt in unserem hundertsten Jubiläumsjahr keinen Krieg gegen Kinder. Wir wollen, dass vor allem Schulen sichere Orte sind und haben dazu auch eine Petition gestartet, die man auch bei uns im Internet findet. Wir sagen: "Keine Bomben auf Schulen", denn wenigstens da muss Ruhe herrschen und die Schulen sind die Orte der Zukunft für die Kinder. Deswegen ist das unser besonderes Anliegen in diesem Jubiläumsjahr.

(DR)

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