Mariella Enoc unterhält sich mit Mitarbeitern
Mariella Enoc unterhält sich mit Mitarbeitern
Krankenhaus Bambino Gesu
Krankenhaus Bambino Gesu

19.03.2019

Vatikan-Kinderklinikleiterin zu 150 Jahren Bambino Gesu "Nächstenliebe und Wissenschaft müssen Hand in Hand gehen"

Das Bambino Gesu, auch bekannt als "Kinderklinik des Papstes", wird am Dienstag 150 Jahre alt. Mariella Enoc leitet das Krankenhaus seit vier Jahren. Im Interview spricht sie über den Beginn, die Misswirtschaft ihres Vorgängers und die Zukunft.

KNA: Das Bambino Gesu ist von einer Frau gegründet worden, mit Ihnen steht eine Frau an der Spitze. Welche Rolle spielen Frauen für das Kinderkrankenhaus des Papstes?

Mariella Enoc (Leiterin des Bambino Gesu): Ich bin nicht gerufen worden, weil ich eine Frau bin, sondern weil ich lange berufliche Erfahrung im Krankenhausbereich habe und meine Liebe zur Kirche und den Armen bekannt war. Dass ich eine Frau bin, wurde etwas hervorgehoben.

KNA: Was macht das Bambino Gesu als Krankenhaus des Papstes aus?

Enoc: Papst Franziskus betont immer wieder, dass unsere Maßregel das Evangelium ist. Die Wurzel des Krankenhauses ist aber nicht nur Nächstenliebe, sondern auch Forschung und Wissenschaft, beides muss unbedingt Hand in Hand gehen. Wir sind ein Krankenhaus, das stark wächst und viel Wert auf die Fürsorge des Kindes legt und die Einbeziehung der Familie. Wir bilden Ärzte in weniger entwickelten Ländern aus; aktuell laufen dazu elf Projekte weltweit. Zudem nehmen wir Kinder auf, die in ihrer Heimat nicht behandelt werden können.

KNA: Die Zahlen müssen aber auch stimmen - wie vereinbaren Sie das?

Enoc: Ich weiß, dass auch die Bücher stimmen müssen. Ich habe viel Erfahrung darin, katholische Krankenhäuser oder Kongregationen mit teilweise großen Finanzproblemen wieder auf die Beine zu bringen. Es ist wichtig, nicht nur den Patienten große Aufmerksamkeit zu schenken, sondern auch dem Personal. Das Krankenhaus sind die Menschen, die hier arbeiten. Wir sind kein auf Profit ausgerichtetes Unternehmen, müssen aber auch einer gewissen organisatorischen Logik folgen.

KNA: Sie haben die Führung der Klinik übernommen, als es Vorwürfe des Missmanagements gab ...

Enoc: Es gab eindeutig ein großes Führungs- und Imageproblem: Das Krankenhaus hat gute wissenschaftliche und gesundheitliche Arbeit geleistet, aber die Glaubwürdigkeit war angekratzt. Ich habe zuerst einen Auditor eingestellt, der alles kontrollierte. Ich habe die Organisation neu aufgestellt; auch mit vielen Mitarbeitern, die bereits da waren.

KNA: Welche Perspektiven sehen Sie jetzt?

Enoc: Wir haben bisher vier Sitze - Gianicolo und Sankt Paul vor den Mauern in Rom; Santa Marinella und Polidoro im Umkreis. Dennoch können wir derzeit nicht alle aufnehmen, die Hilfe brauchen. Unsere Notaufnahme ist in den vergangenen Tagen überrannt worden: An einem Tag wurden 280 Kinder eingeliefert, das ist gewaltig.

Wir planen ein Institut für Tumore und Transplantationen in Rom; die Arbeiten für ein Kinder-Palliativ-Zentrum laufen. Gleichzeitig vergrößern wir den Sitz in Palidoro und haben weitere Räume für die Forschung erworben. Aktuell haben wir 30 offene Baustellen.

KNA: Am 19. März wird das Bambino Gesu 150 Jahre - was ist der größte Erfolg?

Enoc: Die Gründung als erstes Kinderkrankenhaus Italiens. Die Familie Salviati hat Zimmer gespendet, in denen Vinzentiner-Schwestern Kinder betreuten. Das ist immer weiter gewachsen. Schließlich wurde das Krankenhaus dem Papst geschenkt (1924). Seitdem gehört es zum Heiligen Stuhl. Heute gilt das Bambino Gesu als erstes Kinderkrankenhaus Europas. Als Poliklinik verfügen wir über verschiedene Fachbereiche, das ist ein Vorteil.

KNA: Ihr Wunsch für die Zukunft?

Enoc: Dass die Leute verstehen, dass wir auch finanzielle Hilfe brauchen, etwa für Forschung oder humanitäre Hilfe - für all die Kinder, die wir behandeln, wenn sich die Eltern es nicht leisten können. Auch die Familien müssen untergebracht werden.

Ich sage oft: Statt Spielzeug zu spenden, ladet eine Familie zum Essen ein. Sie sind oft sehr einsam und brauchen Freundschaft und Austausch. Dann schauen mich alle ganz verblüfft an, weil es ja viel "schöner" ist, ein Spielzeug vorbeizubringen und ein Kind zu streicheln, als vielleicht eine fremde Familie zum Essen einzuladen.

Das Interview führte Stefanie Stahlhofen.

(KNA)

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