In Deutschland hat Leitungswasser eine gute Qualität
Sauberes Trinkwasser aus der Leitung - für viele Menschen nicht selbstverständlich.

19.03.2019

UN-Weltwasserbericht zeigt weltweite Defizite auf Das feuchte Nass als Luxusgut?

Sauberes Wasser ist in Deutschland eine Selbstverständlichkeit. Das ist weltweit bei weitem nicht überall so, wie der aktuelle Weltwasserbericht der Unesco zeigt. Aber hierzulande kann man etwas tun, damit sich die Lage andernorts bessert.

DOMRADIO.DE: Weltweit haben 2,1 Milliarden Menschen nicht durchgängig Zugang zu sauberem Trinkwasser. Das steht im aktuellen Weltwasserbericht der Unesco. Was sind die Hauptursachen für diese Wasserknappheit?

Ulla Burchardt (Vorstandsmitglied der Deutschen Unesco-Kommission): Es gibt eine ganze Reihe von Ursachen. Dazu zählt das Bevölkerungswachstum in bestimmten Regionen der Welt. Auch der steigende Konsum von einem Großteil der Menschen gehört dazu. Da müssen wir uns auch an die eigene Nase fassen. Vor allen Dingen ist auch der nicht nachhaltige Umgang mit Wasser ursächlich. Dies drückt sich dadurch aus, dass man mit den Wasserreserven in den Reservaten nicht besonders gut umgeht.

Aber es gibt einen Megatrend und das ist der Klimawandel. Der ist zunehmend dafür verantwortlich, dass es nicht nur weitreichend mehr Trockengebiete gibt, die sich zu Dürregebieten verändern, sondern dass es auch Naturkatastrophen gibt, die wir als Überschwemmungen ganz häufig in den Nachrichten sehen. Das bedeutet auch immer, dass den Menschen nicht nur das Dach über dem Kopf wegschwimmt, sondern dass auch die gesamte Wasserinfrastruktur zerstört wird. Das Trinkwasser ist damit nicht mehr verfügbar. Aber es gibt auch ganz große Probleme mit den Abwässern.

DOMRADIO.DE: Wo ist die Lage am schlimmsten? Kann man das regional eingrenzen?

Burchardt: Ja, in Afrika. Fast die Hälfte der Menschen, die Wasser aus ungeschützten Quellen trinkt, lebt in Afrika südlich der Sahara. Nur 24 Prozent der Bevölkerung dort hat Zugang zu sicherem Trinkwasser, also Wasser, von dem man nicht krank wird, wenn man es trinkt. Nicht einmal jeder Dritte hat Zugang zu sanitären Anlagen, die einigermaßen menschenwürdig sind.

DOMRADIO.DE: Im Weltwasserbericht steht weiter, dass der Zugang zu sauberem Wasser auch davon abhängig ist, ob man arm oder reich ist. Woran liegt das?

Burchardt: Armut ist immer an den sozialen Status und damit an den Wohnort gekoppelt. Deswegen gibt es Unterschiede sowohl zwischen Kontinenten und zwischen Ländern als auch innerhalb von Städten.

In Städten, in denen es Slums gibt, zahlen Slumbewohner häufig zehn bis 20 Mal mehr für Wasser, als Bewohner von wohlhabenden Vierteln. Sie erhalten dafür aber Wasser von oft schlechterer Qualität.

Auf der anderen Seite sind gerade in armen ländlichen Regionen die Menschen noch viel schlechter dran, weil sie häufig kaum Zugang zu Wasser haben. Gerade die Frauen und Mädchen müssen stundenlang laufen, um überhaupt irgendwo ein bisschen Wasser zu bekommen. Von einer guten sanitären Versorgung brauchen wir da überhaupt nicht mehr zu reden. Da ist die Lage einfach katastrophal.

DOMRADIO.DE: Im Bericht steht zudem, dass es teilweise sogar in Europa oder Nordamerika keine Wasserleitungen gibt und auch da der Zugang zu sauberem Wasser nicht immer gewährleistet ist. Woran liegt es hier?

Burchardt: Insbesondere sind das Bereiche in Osteuropa bis hin zum Kaukasus, wo tatsächlich nicht überall ordentliche Trinkwasserversorgung gewährleistet ist. Auch da ist die Wasserinfrastruktur, sprich das Leitungssystem nicht ordentlich. Die Leitungen sind nicht dicht oder funktionieren nicht richtig. Und die sanitäre Infrastruktur lässt teilweise ebenfalls sehr zu wünschen übrig. In Teilen der USA ist das heutzutage auch noch der Fall.

DOMRADIO.DE: Wie kann denn eine Wasserversorgung in Entwicklungs- und Schwellenländern in Zukunft verbessert werden?

Burchardt: Es gibt einen ganz entscheidenden Hinweis, den der Weltwasserbericht gibt. Man hat offensichtlich dort gute Erfahrungen gemacht, wo die Zivilbevölkerung und Nichtregierungsorganisationen mit den Regierungen und den Verwaltungen zusammen schauen, welchen Reformbedarf es in der Wasserwirtschaft gibt, um zu gewährleisten, dass tatsächlich alle Zugang zu Wasser haben.

Wasser ist ein Menschenrecht. Das muss aber auch bezahlbar sein. Wir haben in einzelnen Extremfällen die Situation, dass sich große Konzerne die örtlichen Wasserrechte sichern, das Wasser in Flaschen abfüllen und teilweise als Luxus-Wasser verkaufen, während die Menschen vor Ort im wahrsten Sinne des Wortes in die leere Röhre schauen. Das sind Situationen, bei denen man schauen muss, dass vor Ort ein anderes Regime geführt wird und Menschen mitbestimmen können.

Wir können alle etwas tun, damit wir nicht mit unserem Konsum dazu beitragen, dass woanders Wasser vergeudet wird oder Menschen vor Ort durch unser Konsumverhalten in Trockenheit leben. Ein Beispiel: Ein Kilo Rindfleisch verbraucht in der gesamten Produktionskette hundert Badewannen voll Wasser. Wenn diese Rinderaufzucht irgendwo in Teilen der Welt stattfindet, wo sowieso Wasserknappheit herrscht, dann kann man sich vorstellen, was unser Beitrag dazu ist. Also doch lieber beim Bio-Bauern um die Ecke das Kotelett kaufen.

DOMRADIO.DE: Wenn wir nochmal auf die Firmen zurückkommen, die Wasser zurückhalten, um es in Flaschen abzufüllen und teuer zu verkaufen. Das sind auch große Unternehmen, die aus Europa stammen. Gibt es da nicht gesetzliche Möglichkeiten, dem irgendwie habhaft zu werden?

Burchardt: Wasserrecht wird gesetzlich national gehandhabt. In den einzelnen Ländern müssen die Regierungen dafür sorgen, dass sie die Gesetze so ausformulieren und so eine Infrastruktur errichten, dass tatsächlich die allgemeine Bevölkerung davon profitiert. Es gibt kein globales Wasser-Regime.

Aber wir können selber darauf achten, dass wir nicht das Luxus-Wasser kaufen, was in entfernten Gegenden der Welt abgezapft worden ist und anderen Menschen damit das Trinkwasser verknappt. Insofern kann jeder selber ein ganz kleines bisschen dazu beitragen, dass die Wassernot in anderen Teilen der Welt nicht größer wird.

DOMRADIO.DE: Es brauche mehr Mut zu unkonventionellen Lösungen, so die Forderung der Unesco. Wie können denn solche unkonventionellen Lösungen aussehen?

Burchardt: Indem man beispielsweise mit der Bevölkerung vor Ort ganz genau hinschaut, was passieren kann. Der Bericht sagt deutlich, dass es keine Blaupause gibt. Wassermangel hat in unterschiedlichen Teilen der Welt unterschiedliche Ursachen. Manchmal ist es wirklich eine Frage von fehlender Infrastruktur.

Im südlichen Afrika gibt es einen wirtschaftlichen Wassermangel. Ich fand es auch ganz interessant, dies aus dem Bericht nochmal zu erfahren. Die Dürre ist dort nicht die physische Abwesenheit von Wasser, sondern durch ein falsches Management verursacht. Vor Ort zu schauen, wie man tatsächlich der Bevölkerung die Rechte auf Zugang zu sauberem Trinkwasser sichern kann, dazu braucht man mehr Fantasie als nur irgendwelche technischen Großanlagen zu bieten.

(DR)

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