Gedenkraum der Albertville-Realschule auf symbolischen Pulten
Gedenkraum der Albertville-Realschule auf symbolischen Pulten

11.03.2019

Winnenden gedenkt der Opfer des Amoklaufs vor zehn Jahren Seit diesem Tag scheint die Sonne anders

Mit einer Gedenkfeier und ökumenischen Gottesdiensten ist an den Amoklauf an der Albertville-Realschule vom 11. März 2009 und seine Folgen erinnert worden. Für einen kurzen Moment brechen gar Sonnenstrahlen durch die Wolken.

Nur wenige Meter von der Albertville-Realschule in Winnenden entfernt ist es unnatürlich still. Mehrere hundert dunkel gekleidete Menschen stehen bei eisigem Wind im Stadtgarten in einem Halbkreis um einen riesigen durchbrochenen Ring, der an den Amoklauf vor zehn Jahren erinnert. Schüler legen einen selbst gestalteten Kranz in das Denkmal. Dann bildet sich eine Kette aus Schülern und Lehrern, die sich an den Händen halten.

Amoklauf in der Schule

Um 9.33 Uhr durchbricht das Glockengeläut aller Winnender Kirchen die Stille. Am 11. März 2009 veränderte sich zu dieser Uhrzeit auf einen Schlag in nur wenigen Minuten das Leben vieler Menschen: Der 17-jährige Tim K. stürmte damals die Albertville-Realschule und erschoss dort zwölf Menschen. Auf der Flucht tötete er drei weitere Menschen und später sich selbst. Die Tatwaffe hatte sein Vater, ein passionierter Sportschütze, unverschlossen aufbewahrt.

"Zum zehnten Mal stehen wir am Jahrestag zusammen, erinnern und spenden uns gemeinsam Trost", sagt der Oberbürgermeister der baden-württembergischen Kleinstadt, Hartmut Holzwarth (CDU).

Amoklauf, Terror, Krieg - jede Gewalttat auf dieser Erde mache die Menschen in Winnenden besonders betroffen, betont er. Er erinnert daran, dass damals genau einen Tag vor der Winnender Bluttat auch im US-Bundesstaat Alabama elf Menschen durch einen Amoklauf ums Leben kamen.

Als die Namen der Getöteten verlesen werden, brechen für einen kurzen Moment Sonnenstrahlen durch die Wolken. Zwei Mädchen umarmen sich tröstend, eine Frau trägt eine große Sonnenbrille, um ihre vom Weinen aufgequollenen Augen zu verbergen.

Ökumenischer Gottesdienst

Die Eltern, die ihre Kinder beim Amoklauf verloren haben, verstecken sich zum Teil in den hinteren Reihen, um nicht von den Kameras ins Visier genommen zu werden. Beim anschließenden ökumenischen Gottesdienst sind Kameras aller Art verboten.

Der evangelische Pfarrer Reimar Krauß sagt in seiner Predigt in der Schlosskirche, für manche sei seit zehn Jahren alles anders: Beziehungen hätten sich verändert, Weihnachten sei anders als zuvor, selbst die Sonne scheine für viele anders seit dem Amoklauf.

Schülerinnen der Realschule lesen ihre selbst geschriebenen Texte vor. "Was ist Hoffnung? In meinen Augen ist Hoffnung das Licht im Dunkeln, das Gute im Schlechten. Hoffnung öffnet mir den Weg ins Gute", sagt eine Zehntklässlerin und legt einen Stein mit der Aufschrift "Hoffnung" auf den Altar.

Viele Wunden noch nicht verheilt

In der Albertville-Realschule findet an diesem Tag kein normaler Unterricht statt, in den ersten zwei Schulstunden wird die Tat thematisiert, anschließend geht es zur Gedenkfeier. Außerdem kommen viele ehemalige Schüler, die damals den Amoklauf miterlebten, zu einem nichtöffentlichen Gedenken in ihre frühere Schule. Der Amoklauf, aber vor allem auch das anschließende gemeinsame Trauern verbindet sie auch noch ein Jahrzehnt später mit ihrer Schule, erzählt Heinz Rupp, ein katholischer Lehrer der Schule.

"So viele Wunden sind noch nicht geheilt", sagt er. Manche der betroffenen Schüler kämen erst jetzt in Trauer, da die damaligen Zehntklässler nach der Tat funktionieren mussten, eine Prüfung zu bestehen hatten und berufliche Weichen stellen mussten.

Wenige Stunden nach der Gedenkfeier spielen Kinder in der Nähe des Denkmals im Stadtgarten auf einem Spielplatz. Am Rathaus in der Winnender Innenstadt flattern die Fahnen mit Trauerflor auf Halbmast, während in einer Bäckerei zwei ältere Frauen lachend beisammensitzen, bis sie dort aus dem Radio von der Gedenkfeier an ihrem Ort hören.

"Echt, schon zehn Jahre ist das her?" sagt eine nachdenklich und schüttelt verwundert den Kopf.

Judith Kubitscheck
(epd)

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