Flüchtlingsschiff "Sea-Watch"
Flüchtlingsschiff "Sea-Watch"
Gregor Stiels
Gregor Stiels

13.02.2019

Stadt Köln beschließt Aufnahme von Bootsflüchtlingen "Es soll wirklich konkret werden"

Der Kölner Stadtrat will die Aufnahme von Bootsflüchtlingen voranbringen. Dazu verabschiedet er am Donnerstag einen Antrag - sehr zur Freude des Katholikenausschusses. Denn für Retter und Gerettete sei die Lage "unsäglich".

DOMRADIO.DE: Am Donnerstag wollen Sie dem Antrag mit einer Kundgebung vor dem Kölner Rathaus Nachdruck verleihen. Warum unterstützt der Katholikenausschuss diesen Antrag?

Gregor Stiels (Vorsitzender des Katholikenausschusses der Stadt Köln): Ganz einfach, weil es eine unsägliche Situation ist. Es hat mich besonders betroffen gemacht, dass wir Weihnachten gemütlich zu Hause gesessen und gefeiert haben, während mehrere Dutzend Gerettete aus dem Mittelmeer auf einem Schiff festgehalten wurden. Wenn wir friedlich feiern, sind gleichzeitig Menschen in Not, Geretteten kann nicht geholfen werden. Das ist ein Zustand, der einen nicht kalt lassen kann!

DOMRADIO.DE: Über Einreise und Aufnahme von Flüchtlingen entscheidet nicht der Kölner Stadtrat, sondern der Bund. Die Stadt hat gar kein Mitspracherecht. Warum ist es trotzdem sinnvoll, so einen Antrag zu stellen?

Stiels: Es soll kein symbolischer Antrag bleiben. Letztes Jahr hat unsere Oberbürgermeisterin schon gesagt, dass sie helfen will. Es ist wichtig, das zu bekunden, aber wir wollen es konkret. Deshalb wird in dem Antrag an die Landes- und Bundesregierung von Donnerstag auch stehen, dass man Wege finden muss, wie man gerettete Menschen hier aufnehmen kann. Es soll wirklich konkret werden und nicht bei weiteren Bekundungen und Solidaritätsbekundungen bleiben.

DOMRADIO.DE: Unter anderem appellieren Sie an die Stadt Köln, dass sie für das Seenotrettungsschiff Sea-Watch 3 eine Partnerschaft übernehmen soll. Wie kann eine solche Partnerschaft helfen?

Stiels: So eine Partnerschaft kann helfen, die Seenotretter auf dem Schiff zu unterstützen. Über sie werden sehr oft negative Schlagzeilen gesschrieben und sie werden auch sehr negativ gesehen. Wir hören von den Menschen, die auf der Sea-Watch 3 arbeiten und aktuell wieder festgehalten werden, das sie nicht richtig helfen können. Sie sagen: Wir fahren von A nach B und können nicht anlegen. Sie müssen immer schauen, was sie machen können, wenn sie Menschen gerettet haben und können nirgendwo anlegen. Das ist ein unsäglicher Zustand. Wenn es da Städte gibt, die sagen "bei uns findet ihr einen sicheren Hafen, uns könnt ihr anlaufen", wenn sogar die rechtlichen Bedingungen dafür geschaffen werden, ist das eine wichtige Hilfe für Gerettete und Retter.

DOMRADIO.DE: Was sagen Sie Bedenkenträgern, die sagen, dass es nur um Asyltourismus gehe und die Rettungsboote Teil der Schlepperorganisationen seien?

Stiels: Das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun. Nur, weil es illegale Einreisen gibt, heißt das nicht, dass wir Menschen in Not nicht retten sollen und dürfen. Wenn vor mir ein Mensch ertrinkt, werde ich natürlich ins Wasser springen und ihn rausziehen. Soll ich das unterlassen, nur weil es 2.000 Kilometer weiter entfernt passiert? Es gibt eine soziale Kälte, die um sich greift und aufgebrochen werden muss.

Man muss Regelungen finden für illegale Migration - das ist überhaupt keine Frage. Aber deswegen das Retten von Menschen in Not einzustellen, das kommt für mich nicht in Frage.

Das Interview führte Beatrice Steinecke. 

(DR)

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