Rote Schleife als Zeichen der Solidarität mit HIV-Infizierten
Rote Schleife als Zeichen der Solidarität mit HIV-Infizierten
Inés Klissenbauer, Mittelamerika-Referentin bei Adveniat
Inés Klissenbauer, Mittelamerika-Referentin bei Adveniat

28.01.2019

Adveniat über den Papstbesuch bei Aidskranken "Großes Zeichen"

Kurz vor seinem Abschied von Panama und dem Weltjugendtag besuchte Papst Franziskus ein Sozialprojekt für Aidskranke. Ines Klissenbauer von Adveniat war dabei. Im Interview berichtet sie von ihren Eindrücken.

DOMRADIO.DE: Wie war die Begegnung mit dem Papst?

Ines Klissenbauer (Adveniat): Es war eine große Überraschung, eingeladen zu sein und dem Papst so nahe zu kommen. Ich hätte mir natürlich gewünscht, ihm die Hand drücken zu können oder Worte mit ihm zu wechseln. Es waren aber noch andere soziale Werke und Institutionen der Kirche dabei und die hatten alle die Möglichkeit aufzustehen und ihm ein Geschenk zu übergeben. Das ging sehr zu Herzen.

DOMRADIO.DE: Wir hoch waren die Sicherheitsvorkehrungen?

Klissenbauer  Da war alles gesperrt, das ganze Viertel war gesperrt. Da standen schon viele Leute und erwarteten ihn morgens um acht. In der Casa Hogar Buen Samaritano war alles frisch gestrichen. Die hatten Ventilatoren an die Decke angebracht. Es sah alles picobello aus.

Der Besuch des Papstes war sehr bewegend. Die Leute konnten es nicht abwarten. Wir haben rund zwei Stunden gewartet. Die Spannung stieg, kurz bevor der Termin näher rückte – links sah man den Bildschirm, wo noch die Messe ablief. Die Leute waren zwar ruhig, aber man merkte ihnen die Spannung an.

DOMRADIO.DE: Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat unterstützt diese Aids-Pastoral schon lange. Was passiert in diesem Projekt?

Klissenbauer: Die Aids-Pastoral wurde 2006 eröffnet. Es ist eine Stiftung, die sich um Aidskranke und HIV-infizierte Menschen kümmert. Zurzeit leben dort 18 Aidskranke. Es sind vor allem Menschen, die von ihren Familien verstoßen wurden. HIV-Infizierte und Aidskranke sind hochgradig stigmatisiert.

Menschen, die Aids haben, werden praktisch von der Gesellschaft verstoßen. Sie verlieren den Familienanschluss, sie verlieren die Unterstützung. Keiner will mit ihnen etwas zu tun haben. Es wird auch oft gesagt: Das ist die Krankheit der Schwulen, der Homosexuellen von denen man sich abgrenzen will.

DOMRADIO.DE: Kann dieser Papstbesuch dazu beitragen, die Vorurteile und Stigmatisierung abzubauen?

Klissenbauer: Ich denke, der Papst hat auf jeden Fall ein ganz großes Zeichen gesetzt. Er sagte auch in seiner Rede, hier lernen wir uns wirklich, sich dem Nächsten anzunehmen. Christsein bedeute, sich dem Schwachen hinzuwenden. Man sieht, dass noch sehr viel zu tun ist.

Es ist ein wesentlicher Schritt, die Erkrankung Aids in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit zu rücken und zu sagen: Wir können jetzt diese Menschen nicht alleine lassen. Das ist die Verantwortung der Gesellschaft und von uns allen.

Das Interview führte Ina Rottscheidt.

(DR)

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