21.01.2019

Oxfam-Bericht zur Reichtumsverteilung Immer weniger können sich aus Armut befreien

Deutschland zähle laut einem Bericht der Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam zu den Industrienationen mit der größten Ungleichheit bei den Vermögen. Weltweit nehme die soziale Ungleichheit zu. Doch es gibt auch Kritik an dem Bericht.

Das geht aus dem diesjährigen, am Montag veröffentlichten Bericht der Entwicklungsorganisation zur weltweiten sozialen Ungleichheit hervor. Dies entspreche einem Zuwachs von durchschnittlich 2,5 Milliarden US-Dollar am Tag aufseiten der 1.892 Superreichen und einem Minus von im Schnitt 500 Millionen US-Dollar pro Tag für zusammengenommen rund 3,8 Milliarden Menschen.

Das reichste Prozent so viel wie die ärmeren 87 Prozent

Auch in Deutschland ging die Schere zwischen Arm und Reich laut Oxfam weiter auseinander. Die deutschen Milliardäre konnten ihr Vermögen demnach im vergangenen Jahr sogar um 20 Prozent steigern. Das reichste Prozent der Deutschen verfüge über ebenso viel Vermögen wie die 87 ärmeren Prozent, hieß es. Im europäischen Vergleich zähle die Bundesrepublik zu den Industrienationen mit der größten Vermögensungleichheit, kritisierte die Organisation. Dem Bericht lagen Daten der Bank Credit Suisse und des US-Magazins "Forbes" zugrunde, die zum Teil auch auf Schätzungen beruhen.

Immer weniger Menschen auf der Welt könnten sich aus extremer Armut befreien, kritisierte Oxfam. Im südlichen Afrika nehme extreme Armut sogar wieder zu. Dagegen könne eine gerechtere Verteilung helfen.

Von sozialer Ungleichheit vor allem Frauen und Männer betroffen

Von sozialer Ungleichheit sind laut Bericht vor allem Frauen und Mädchen betroffen. Männer besäßen im globalen Schnitt 50 Prozent mehr Vermögen als Frauen, zudem seien die Gehälter von Frauen um 23 Prozent niedriger als die von Männern. Der Wert der unbezahlten Pflege- und Sorgearbeit, die Frauen zum Beispiel in der Familie leisteten, gehe hingegen in die Billionen.

Deutschland und Europa müssten eine Vorreiterrolle spielen, um soziale Ungleichheit weltweit zurückzudrängen, verlangte der Kampagnenleiter von Oxfam Deutschland, Jörn Kalinski. Ungleichheit spalte Gesellschaften und bereite den Nährboden für gefährliche Entwicklungen wie aggressiven Nationalismus. Sie sei menschengemacht und auch durch einen "blinden Glauben an die Kräfte des Marktes" verursacht.

Höhere Mindestlöhne, mehr Investition in öffentliche Bildung

Die Organisation fordert höhere Mindestlöhne genauso wie mehr Investitionen in öffentliche Bildung, Gesundheitsversorgung und soziale Sicherung. Dafür brauchten auch Entwicklungsländer mehr finanziellen Spielraum. Auch sollten Frauenorganisationen gefördert und Frauenrechte gestärkt werden. Dazu gehörten gleiche Rechte im Steuer- und Arbeitsrecht wie auch bessere öffentliche Angebote für Bildung und Pflege. Konzerne und Vermögende sollten angemessen besteuert und Steuervermeidung gestoppt werden. Geeignete Instrumente dafür seien Schwarze Listen, Sanktionen gegen Steueroasen, länderübergreifende Mindeststeuersätze und mehr Transparenz.

Oxfam-Experte Kalinski äußerte die Hoffnung, dass durch Ereignisse wie den geplanten Brexit, die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten und das Erstarken von Rechtspopulisten ein Umdenken eingesetzt habe: Die Rolle sozialer Fragen für den Zusammenhalt einer Gesellschaft werde wieder mehr diskutiert.

Kritik am Oxfam-Bericht

Der Münchner Ökonom und Verteilungsforscher Andreas Peichl äußert Zweifel am neuen Oxfam-Bericht und insbesondere an der behaupteten Verarmung der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung. Er könne die Oxfam-Zahlen zur Verarmung nicht nachvollziehen. Dass die Vermögen der unteren Hälfte so zurückgegangen sein sollen, "entspricht nicht der makroökonomischen Realität", sagte Peichl, der das Ifo-Zentrum für Makroökonomik leitet, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Vielmehr wachse die Weltwirtschaft und die Armut sinke insgesamt auf der Welt deutlich.

Oxfam indes beklagt, "immer weniger Menschen können sich aus der extremen Armut befreien". Auch Peichl räumt ein, dass es in weiten Teilen Afrikas nicht genug Fortschritte gebe und Rückschritte in den Krisenländern des Nahen Osten. "Aber den Tenor des Oxfam-Berichts, es werde alle immer schlimmer auf der Welt, den teile ich ausdrücklich nicht."

Indirekt warf er der Hilfsorganisation auch vor, die Lage in ihrem Sinne zu zeichnen: "Es gibt eine ganze Industrie, die verdient mit Berichten, dass es alles immer schlimmer wird." Und er fügte hinzu: "Es stimmt auf jeden Fall nicht, dass die Armen ärmer werden, weil die Reichen reicher werden. Das ist kein Nullsummenspiel."

(KNA)

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