Die Kinder im Jemen brauchen Hilfe
Die Kinder im Jemen brauchen Hilfe

11.12.2018

Im Jemen herrscht die größte humanitäre Krise weltweit "Alle 10 Minuten stirbt ein Kind"

Nach Einschätzung der Vereinten Nationen herrscht im Jemen die größte humanitäre Krise weltweit. Hunderttausende Kinder drohen zu verhungern. Unicef richtet nun einen dramatischen Appell an die internationale Gemeinschaft. 

DOMRADIO.DE: Beschreiben Sie uns doch bitte die Lage der Kinder im Jemen.

Ninja Charbonneau (Unicef-Pressesprecherin): Die Lage der Kinder im Jemen ist wirklich sehr düster. Es ist die Hölle für Kinder im Jemen aktuell. 80 Prozent der Kinder sind mittlerweile auf humanitäre Hilfe angewiesen. Wir wissen, dass mindestens 2.500 Kinder in den letzten Jahren bei Angriffen gewaltsam getötet wurden und mindestens 4.000 verletzt wurden. Das sind nur die Zahlen, die die Vereinten Nationen überprüfen konnten. Die tatsächliche Zahl ist wahrscheinlich sehr viel höher. Dazu kommt, dass wir eine wirklich schlimme Hungersituation in dem Land haben.

Eine große Zahl von Kindern ist sehr schwer mangelernährt. Und unter ihnen sind 400.000 Kinder, die akut so stark mangelernährt sind, dass ihr Leben in Gefahr ist. Wir müssen davon ausgehen, dass durchschnittlich alle zehn Minuten ein Kind im Jemen an vermeidbaren Krankheiten wie Cholera oder an Mangelernährung stirbt. 

DOMRADIO.DE: Im Jemen kämpfen die Regierung und eine Militärkoalition unter Führung von Saudi-Arabien gegen Huthi-Rebellen, die vom Iran unterstützt werden. Wird die Not der Zivilgesellschaft und der Kinder als Druckmittel von den Kriegsparteien eingesetzt?

Charbonneau: Die Not ist wirklich extrem groß. Unser Eindruck ist aber, dass die Not der Zivilbevölkerung keine große Rolle spielt für die Konfliktparteien. Jeder kann ja sehen, dass keine Rücksicht genommen wird auf die Zivilbevölkerung und erst recht nicht auf Kinder. Wir wissen, dass auch Schulen und Wohngebiete angegriffen werden. Nichtsdestotrotz sind wir Hilfsorganisationen dabei, eine noch schlimmere Katastrophe zu verhindern. Wir können die Zahl der mangelernährten Kinder zumindest stabilisieren. Wir können dafür sorgen, dass zumindest die Hälfte der Gesundheitseinrichtungen irgendwie weiter betrieben werden kann. Aber das ist natürlich bei weitem nicht genug.

DOMRADIO.DE: Man gewinnt den Eindruck, dass all die Berichte über die schlimme Lage nichts bringen. Ist das eine internationale Gleichgültigkeit?

Charbonneau: Es gibt zumindest einen vagen Hoffnungsschimmer am Horizont, durch die ersten vorsichtigen Friedensgespräche, die unter Vermittlung der Vereinten Nationen gerade in Schweden begonnen haben. Dort werden zum ersten Mal die Konfliktparteien überhaupt wieder an einem Tisch sitzen. Das ist ein sehr wichtiger Schritt, der schwierig genug war zu vermitteln. Es wird mit Sicherheit keine schnelle Lösung geben, das ist die schlechte Nachricht für Kinder im Jemen. Die gute Nachricht ist, dass man zumindest wieder miteinander redet und dass es damit Aussicht auf Besserung gibt. Dieser Prozess muss dringend unterstützt werden.

DOMRADIO.DE: Was macht denn Unicef vor Ort?

Charbonneau: Es ist unser größter humanitärer Einsatz weltweit momentan. Wir haben insgesamt 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die für Unicef vor Ort sind und zusammen mit unseren Partnerorganisationen die lebensnotwendige Hilfe aufrechterhalten haben. Es wurden alleine in diesem Jahr 230.000 Kinder, die lebensbedrohlich mangelernährt sind, mit therapeutischer Nahrung versorgt und damit vor dem Verhungern gerettet. Wir stellen die Wasserversorgung an vielen Orten sicher. Wir sorgen für sanitäre Anlagen und auch dafür, dass viele Kinder wieder zur Schule gehen können. Das ist ein massiver Einsatz und dafür brauchen wir dringend auch weitere Unterstützung. Denn diese Hilfe muss weitergehen im nächsten Jahr.

DOMRADIO.DE: Finanzielle Unterstützung ist das eine. Unicef hat aber auch konkrete Forderungen an die Konfliktpartner und an die Staatengemeinschaft gestellt.

Charbonneau: Ja. Wir fordern zum einen, dass die erwähnten Friedensbemühungen Fortschritte zeigen und sich die Konfliktparteien ernsthaft bemühen und die Kinder in den Blick nehmen. Das ist vielleicht auch der kleinste gemeinsame Nenner, den man da finden kann, dass man die Situation der Kinder stärker in den Blick nimmt und zum Wohl der Kinder zu einer politischen Lösung zu kommt. Das andere ist, dass wir freien und uneingeschränkten Zugang für unsere Helfer fordern. Jegliche bürokratischen Hürden für die Helfer müssten von allen Konfliktparteien abgebaut werden. Und die internationale Gemeinschaft muss die Unterstützung unbedingt aufrecht erhalten. Ohne die geht es nicht.

Das Interview führte Katharina Geiger.

(DR)

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