Erneut Forderungen nach Kinderrechten im Grundgesetz
Erneut Forderungen nach Kinderrechten im Grundgesetz

20.11.2018

Hilfsorganisationen fordern erneut Kinderrechte im Grundgesetz Gegen Kinderarmut und Zwangsverheiratung

Zum Welttag der Kinderrechte an diesem Dienstag werden erneut Forderungen laut, die Rechte von Mädchen und Jungen ins Grundgesetz aufzunehmen. Außerdem prangern Hilfsorganisationen Kinderarmut und Zwangsverheiratungen an.

"Kinder sind keine kleinen Erwachsenen und brauchen ihre eigenen Rechte", erklärte der Kinderschutzbund am Montag. "Dass die Bundesregierung die Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz grundsätzlich beschlossen hat, sieht der Verband als historische Chance." Präsident Heinz Hilgers betonte: "Würden die Kinderrechte im Grundgesetz stehen, müsste das Kindeswohl bei vielen Entscheidungen in Politik und Justiz, beim Sorgerecht oder beim Städtebau stärker berücksichtigt werden."

Die Kinderkommission des Bundestages verwies darauf, dass die UN-Vollversammlung am 20. November 1989 die Kinderrechte in der Konvention über die Rechte des Kindes festgeschrieben habe. Allen Kindern weltweit würden völkerrechtlich gleiche verbindliche Mindeststandards verbrieft.

Die Kommissionsvorsitzende Bettina M. Wiesmann erklärte: "Nicht alle Kinderrechte brauchen explizit in das Grundgesetz aufgenommen zu werden, denn es deckt die meisten schon ab." Es sei aber sehr wichtig, dass der "Kern der Kinderrechte" einen Platz im Grundgesetz finde, etwa Sicherung des Wohls und Schutz der Kinder.

Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz

Wenn Heranwachsende schon früh eine aktive Rolle einnehmen und eigene Anliegen in demokratischen Verfahren vertreten könnten, würden sie zu "starken Verfechtern" der freiheitlich-demokratischen Ordnung, so die Vorsitzende.

Auch das Deutsche Institut für Menschenrechte setzt sich für die Festschreibung von Kinderrechten im Grundgesetz ein. "Wir sind davon überzeugt, dass eine Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz Kinder als Träger eigener Rechte stärkt und die Beachtung ihrer Interessen in Justiz und Verwaltung verbessert", hieß es.

Der Bundesverband der Tafeln in Deutschland forderte wirksamere Maßnahmen gegen "wachsende Kinderarmut". Dafür sei die Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz notwendig. Individuelle Hilfen wie die der Tafeln seien ein erster wichtiger Schritt, erklärte der Vorsitzende von Tafel Deutschland, Jochen Brühl.

Esra Khairi, Mitglied des JuniorBeirats von Unicef Deutschland, erklärte: "Wir sind die Botschafter der Zukunft, und wir wollen unsere Welt mitgestalten." Im EU-Parlament werde sie anlässlich des Welttags mit anderen Jugendlichen "drängende Fragen" diskutieren.

41.000 Zwangsehen von Kindern

Die Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer prangerte weltweit täglich rund 41.000 Zwangsehen von Kindern an. Jährlich seien dies 15 Millionen Kinder, über 80 Prozent davon Mädchen.

"Die Kinderehe gehört zu den schlimmsten Kinderrechtsverletzungen. Sie verstößt vielfältig gegen die UN-Kinderrechtskonvention - gegen das Recht des Kindes auf Mitbestimmung, das Recht auf Gewaltfreiheit und gegen sexuelle Ausbeutung", erklärte Sprecher Louay Yassin. Rund 70.000 minderjährige Mädchen sterben demnach jährlich während Schwangerschaft und Geburt.

(KNA)

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