Sterbebegleitung
Sterbebegleitung
Monika Düllmann
Monika Düllmann
Blick über die Altstadt von Jerusalem
Blick über die Altstadt von Jerusalem

05.11.2018

Deutsche Ordensschwester Düllmann bekommt Berliner Toleranzpreis Bei "den Nonnen" sterben

Im katholischen Sankt-Louis-Krankenhaus in Jerusalem werden Juden, Christen und Muslime Seite an Seite gepflegt. Für ihre Arbeit wird die Krankenhausleiterin, die Ordensschwester Monika Düllmann, jetzt ausgezeichnet.

Dass sie eine Ordensschwester ist, sieht man Monika Düllmann nicht an. Die 54-Jährige trägt Rock und Pullover, hat kurzes graues Haar. Ihr Kreuz um den Hals liegt versteckt unter der Bluse, wie sie erzählt.

So ist sie es gewohnt, denn die Krankenhausmitarbeiter im katholischen Jerusalemer Krankenhaus Sankt Louis ziehen keine sichtbaren religiösen Zeichen an, sondern alle die gleiche Dienstkleidung. "Es kommt auf die Religion des Patienten an, nicht auf unsere", erklärt Düllmann, die zu den "Josefsschwestern von der Erscheinung" gehört.

Palliative Begleitung für Sterbende

Zwischen dem jüdischen Westteil und dem arabischen Ostteil der Stadt liegt die Klinik, wo Menschen beider Seiten gepflegt werden oder als Kollegen zusammenarbeiten. Die Einrichtung bietet palliative Begleitung für Sterbende und chronisch Kranke sowie Aids-Patienten an. Sie steht Israelis und Palästinensern offen.

Christen, Juden und Muslime werden hier entsprechend ihrer jeweiligen Religion versorgt und können ihre Feste gemeinsam feiern. Am Montagabend erhält Düllmann in Berlin für ihre Arbeit gemeinsam mit ihrem Team den mit 10.000-Euro dotierten Moses-Mendelssohn-Preis für Toleranz. Er ist nach dem jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn (1729-1786) benannt und wird seit 1979 von der Mendelssohn-Gesellschaft und der Berliner Kulturverwaltung ausgelobt.

"Bei uns begegnen sich Menschen, die sich sonst nie kennengelernt hätten", erzählt Düllmann, die das Krankenhaus seit 15 Jahren leitet.

"Und sie sind - als schwer- oder todkranke Menschen - alle in der gleichen Situation." Im Tod sind alle Menschen gleich: religiöse oder kulturelle Unterschiede, die sonst vielleicht für den einen oder anderen wichtig wären, rücken dann in den Hintergrund. Schwere Krankheiten machen die Menschen offensichtlich toleranter.

Muslime mit Christen und Juden in einem Zimmer

Ein Muslim mit einem Christen und einem Juden im gleichen Zimmer? "Das ist bei uns kein Problem", sagt Düllmann und Lev Symmer nickt. Der medizinische Direktor des Krankenhauses ist Jude und stammt ursprünglich aus Russland. In den 18 Jahren seiner Arbeit habe es höchstens fünf Fälle gegeben, in denen es deshalb einen Konflikt unter den Patienten gegeben habe, erzählt er.

Die Menschen kommen gerne in dieses besondere Krankenhaus, das rund 60 Betten hat. Es gibt lange Wartelisten. "Jüdisch-orthodoxe Patienten versterben gerne bei den katholischen Nonnen", erzählt Düllmann und schmunzelt. Tatsächlich sei es so, dass viele Patienten aus Mea Shearim stammen, dem jüdisch-orthodoxen Viertel von Jerusalem. "Unsere Küche ist koscher", berichtet die Ordensfrau. Das sei nach dem von der israelischen Gesundheitsbehörde geforderten Umbau vor ein paar Jahren das einfachste gewesen. So könnten alle Patienten ohne Bedenken alles essen.

Insgesamt sind etwa 70 Prozent der Patienten jüdisch, 20 Prozent Christen und 10 Prozent Muslime. Dass die Muslime in der Minderheit sind, liege vor allem daran, dass "es bei Muslimen üblich ist, kranke Menschen in der Familie zu pflegen", erklärt der arabisch-christliche Verwaltungsdirektor des Krankenhauses, Bassam Obeid.

Kein Religionsmitglied bevorzugt

Eine spezielle Pflege für die unterschiedlichen Religionsmitglieder ist im Krankenhaus hingegen nicht vorgesehen. Das sei nicht nötig, sagen Düllmann, Symmer und Obeid einstimmig. Und auch die spirituelle Fürsorge sei "in großen Teilen" für alle Religionsangehörigen dieselbe, sagt Düllmann.

So ist die angestellte Krankenhausseelsorgerin zwar eine Jüdin, aber für muslimische, jüdische und christliche Patienten gleichermaßen zuständig. "Es geht darum, Frieden mit der Religion zu finden. Wenn eine sterbende katholische Ordensschwester etwa das Vaterunser beten möchte, so hilft sie ihr dabei".

Die Menschen "sollen ihr Leben so zu Ende führen können, wie sie es gelebt haben". Auch letzte Wünsche der Patienten sollen möglichst erfüllt werden, betont Düllmann. "Ein jüdischer Patient wollte etwa vor seinem Sterben einmal im Toten Meer baden, einmal eine Synagoge betreten und noch einmal mit seiner Cousine in Deutschland telefonieren - das haben wir alles hingekriegt."

Der Erhalt des Mendelssohn-Preises sei eine Ermutigung weiterzumachen - verbunden mit einem "Wermutstropfen", so die Ordensschwester. "Denn wenn alle Menschen tolerant wären, wäre dieser Preis überflüssig."

Nina Schmedding
(KNA)

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