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Fassade und Eingang der Andreaskirche
Fassade und Eingang der Andreaskirche

25.10.2018

Dominikaner schreibt über Seelsorge im City-Trubel Wenn der Rausch in die Kirche führt

Junggesellenabschiede, Fußball-Fans, Junkies, Alkoholiker... Auch das gibt es alles in der Düsseldorfer Altstadt. Mittendrin lebt Pater Manfred Entrich. In einem Buch schildert er ungewöhnliche Erlebnisse.

Beten, Gott nahe sein, ein beschauliches Klosterleben führen – alles Dinge, die für Pater Manfred Entrich nicht so ohne Weiteres möglich sind. Das Dominikanerkloster, in dem er seit 2010 mitten in der Düsseldorfer Innenstadt wohnt, ist allzu oft kein ruhiger Ort. Besonders am Wochenende ist es schnell vorbei mit der klösterlichen Idylle. Denn dann ergießt sich eine Flut trinkwütiger, nicht immer aber trinkfester Touristen in die Altstadt.

"Bis in den Morgen hinein wird lautstark getrunken und gefeiert. Wer hier wohnt, findet schwer Ruhe. Schlafen geht dann nur mit Doppelfenster und Ohrenstöpsel." Schreibt Pater Entrich in einem neuen Buch. In "Zwischen Kirche und Kneipe. Auf ein Bier über Gott und das Leben" berichtet er über sein ungewöhnliches Seelsorgerdasein in großstädtischer Citylage. Das Kloster als Ort der "Weltabgewandtheit und inneren Einkehr", das hat der Autor dort nicht gefunden.

Probleme ertränken und vergessen wollen

Hier bekommt Manfred Entrich alles mit - besonders das Nachtleben. 75 Jahre ist er jetzt und im Ruhestand. Bei der Buchlektüre wird schnell klar, dass das Wort Ruhestand meist nur bis Mittwoch gilt. Dann ist der Dominikaner froh darüber, die Fenster fest verschließen zu können.

Woche für Woche trifft er auf dem Weg zur Andreaskirche am Kloster auf die unterschiedlichsten Menschen. Menschen, die ihren Feierabend genießen, aber auch Menschen, die Probleme ertränken und vergessen wollen und dabei auch zur Drogenspritze greifen. Kurzum: Es gibt wenig, was Entrich in der Altstadt noch nicht erlebt hat. Nächtliche Feierexzesse sieht er dabei regelmäßig. Viele seien vorher schon angetrunken, bevor es "zum Party machen" gehe.

"Hackevoll" in der Kirche gelegen

"Alkohol, Drogen – es gibt alles, was man sich vorstellen kann. Es ist so und man muss damit zurechtkommen", so der Pater in seinem Buch. Streit, durchgefeierte Nächte und Kontrollverlust seien häufig die Folge. Beispiel Elli. Sie habe in der Zeit vor Weihnachten "hackevoll" in der Kirche gelegen, berichtet er. Er habe sie angesprochen und gebeten aufzustehen. Sie verließ die Kirche mit der Bitte, Entrich solle ihre selbstverfassten Fürbitten verlesen. Zwei Tage später starb sie auf der Straße.

Wegen seiner Ordenstracht kämen viele der Abgehängten auf ihn zu. "Ey Pfarrer, kann ich dich mal sprechen?" oder "Kann ich dir das mal erzählen?", heißt es dann. Und es kämen Geschichten heraus, die auch den erfahrenen Seelsorger den Atem stocken ließen. So erspähte er an einem Nachmittag eine Gestalt abseits in einer Kirchenbank. Als Entrich sich näherte, wurde ihm schnell klar, was der Mann dort genau machte. Er war im Begriff, sich eine Drogenspritze zu setzen.

"Wo soll ich denn sonst hin?"

Verärgert fragte ihn der Pater, ob er nicht wisse, dass er in einer Kirche sei. Die Antwort: "Doch, wo soll ich denn sonst hin?" Diese Worte verblüfften den Seelsorger – und rührten ihn. "Ich stand Schmiere und habe ihn nicht verraten. So konnte ich ihn kennenlernen und bin mit ihm ins Gespräch gekommen", blickt Entrich zurück. Das Schicksal des Mannes, der schon seinen siebten Methadon-Entzug machte, bewegte den Pater tief.

Wenn er die Geschichten der Menschen hört, fragt er sich jedes Mal aufs Neue, ob er unter ähnlichen Bedingungen nicht auch so geworden wäre. Vorgefertigte Meinungen seien wie immer fehl am Platz. Inzwischen lautet seine Devise: Nur nicht zu schnell urteilen.

(KNA)

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