16.10.2018

Wie kirchliches Halbwissen in Diskussionen gestoppt werden soll Von Ablasshandel bis Zölibat

Es wird argumentiert, gemeckert oder gar gepöbelt. Vor allem in den sozialen Medien wird gegen die katholische Kirche mit viel Halb- oder gar Unwissen gewettert. Dem soll jetzt ein Nachschlagewerk nachhaltig entgegenwirken.

DOMRADIO.DE: Was konkret begegnet Ihnen im Netz?

Josef Bordat (Autor und Onlineredakteur bei der katholischen Wochenzeitung "Die Tagespost"): Wir begegnen natürlich vor allen Dingen im Internet, in den sozialen Medien einer ganzen Menge an Polemik, die auch von Unwissen und Halbwissen gespickt ist. Da werden Stereotype und Klischees immer wieder neu aufgewärmt. Dinge, die wissenschaftlich längst widerlegt sind, kommen dort in den Diskussionen, in den Kommentaren immer wieder hoch. Das ist dann schon sehr ärgerlich.

DOMRADIO.DE: Sie haben gesagt: "Ich möchte dagegen wirken" und Sie haben ein Nachschlagewerk geschrieben, in dem Sie zu sehr vielen wichtigen Themen rund um Kirche aufklären. Für wen ist dieses Werk denn geschrieben?

Bordat: Es ist im Grunde für alle diejenigen geschrieben, die in den sozialen Netzen unterwegs sind, sich über die Kirche äußern wollen und denen das nötige Rüstzeug fehlt.

Es ist gleichzeitig aber auch vor allen Dingen für diejenigen gedacht, die sich eben solchen Rechtfertigungen ausgesetzt sehen, die als katholische Christen entweder Online oder auch im Bekanntenkreis oder am Arbeitsplatz angefragt werden, wie es denn mit der Rolle der Frau, wie es denn mit dem Zölibat, wie es denn mit historischen Themen wie Hexenverfolgungen oder Inquisition aussieht. Wenn man sich dazu äußern muss, dann kann dieses Buch, glaube ich, zu den einzelnen Stichwörtern schon Argumentationshilfen liefern.

Es ist so aufbereitet, dass dort 36 Stichwörter drin stehen, die man gezielt nachschlagen kann, wo man ganz genau schauen kann, was es etwa mit der Hexenverfolgung auf sich hat und damit auch das eine oder andere Argument findet. Das wäre das Ziel. Wenn möglichst viele das lesen, die sich über die Kirche unsachlich äußern, dann ist insgesamt ein gutes Werk getan.

DOMRADIO.DE: Ein Beispiel, dass Sie eben schon angesprochen haben, ist der Zölibat. Immer wieder hört man Menschen sagen, das gehört doch nun wirklich abgeschafft, das ist nicht begründbar. Was antworten Sie denn da?

Bordat: Es gibt schon Begründungen für den Zölibat - auch außerhalb von irgendwelcher wirtschaftlichen Pragmatik, wo etwa nicht verheiratete Männer an die Kirche vererbt haben und nicht innerhalb der Familie.

Aber es gibt auch biblische Gründe. Paulus empfiehlt die Ehelosigkeit als Ideal für die Nachfolge Christi. Jesus Christus ist nach allem, was wir wissen, ebenfalls unverheiratet gewesen. Und daraus ergeben sich tatsächlich für die pastorale Praxis auch konkrete Vorteile. Ein alleinstehender Mensch ist nicht für eine Familie verantwortlich, ist nicht für andere verantwortlich, sondern in erster Linie für sich und die Aufgabe. Das ist ja das, was gemeint ist: frei werden, unabhängig werden für das Reich Gottes, für den Aufbau des Gottesreiches hier auf Erden. Dazu zählt zum Beispiel auch ganz konkret, dass man ohne Familie weniger erpressbar ist.

Das betrifft vor allen Dingen Priester, die in Regionen leben, in denen die Kirche verfolgt wird. Das betrifft nicht Deutschland und Europa, aber es betrifft viele Regionen in Asien oder in Afrika, in der arabischen Welt etwa, wo es dann einfacher ist, sich als Einzelner dieser Verfolgung zu stellen. Das ist anders als wenn man jetzt eine Familie hätte, für die man Sorge trägt.

DOMRADIO.DE: Das legen Sie in zwei bis drei knappen Seiten dar. In kirchenhistorischen Bänden brauchen die Autoren immer ein bisschen mehr Platz. Ist Ihnen das leicht oder schwer gefallen?

Bordat: Es sind schon insgesamt etwa 300 Seiten, also sieben bis acht Seiten pro Stichwort. Das ist natürlich nicht einfach, weil es gerade auch komplexe Themen betrifft, die man nicht so einfach abhandeln kann. Ich habe trotzdem versucht, mich knapp zu fassen, um einfach diesen Lesegewohnheiten heute auch ein bisschen entgegenzukommen. Ich denke da auch sehr an die Onlinewelt, wo die Dinge sehr kurz und knapp präsentiert werden müssen, sodass sich auch die Zielgruppe dort in solchen kurzen Texten wiederfinden kann.

Allerdings ist natürlich für dezidierte Aufarbeitung der einzelnen Fragen tatsächlich eine historische Forschung nötig oder auch das Lesen von größeren Werken. Etwa Arnold Angenendts "Toleranz und Gewalt" ist da zu nennen. Ein 800 Seiten Werk, was niemand so ohne weiteres lesen würde. Aber es lohnt sich, da mal rein zu schauen.

Ich beziehe mich in den historischen Fragestellungen sehr stark auf Angenendt, weil er für mich in der deutschsprachigen Kirchengeschichte im Moment ganz klar das Maß aller Dinge ist. Entscheidend sind die Kürze und die Dinge auf den Punkt zu bringen. Einige Sachen kann man tatsächlich auch kurz fassen, weil es sich da einfach um Irrtümer handelt. Bei anderem kann man dann auch Querverweise bieten.

Das habe ich auch versucht. Ebenso habe ich versucht auf die Literatur, die noch zu dem Thema vorhanden ist, hinzuweisen. Nach jedem Kapitel kommen noch ein paar Literaturangaben, sodass man dort auch weiter forschen kann.

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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