Demonstration der rechtspopulistischen Bewegung Pro Chemnitz
Demonstration der rechtspopulistischen Bewegung Pro Chemnitz
Heinrich Bedford-Strohm
Heinrich Bedford-Strohm

14.10.2018

Bedford-Strohm bittet Christen um Widerstand gegen Rechts "Hetze darf nicht salonfähig werden"

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus hat am Samstag ihre Jahrestagung mit einer Gedenkfeier an NSU-Opfer beendet. Dabei appellierte Präses Beford-Strohm an Christen, nicht aus Frust rechtspopulistische Parteien zu wählen.

Im Widerstand gegen rassistische, antisemitische und Menschengruppen abwertende Bewegungen müssen Christen nach Worten des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, "in der ersten Reihe stehen". Morde aus Menschenverachtung dürften nie wieder geschehen, sagte er zum Ende der Jahreskonferenz der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus (BAGKR) am Samstag in Nürnberg in einer Gedenkfeier für die Opfer des NSU-Terrors.

Bedford-Strohm: Nicht aus Frust rechts wählen

Wer aus Unzufriedenheit rechtspopulistische Parteien wähle, gebe diesen Deckung und legitimiere diejenigen, die wieder alte rechtsextreme Positionen vertreten "und Hetze wieder salonfähig machen", sagte der bayerische evangelische Landesbischof Bedford-Strohm. Der Nebenklagevertreter im NSU-Prozess, Rechtsanwalt Mehmet Gürcan Daimagüler, kritisierte offen die AfD. Die Partei erinnere ihn "an einen Salafistenverein, der Hass predigt und jeden, der nicht seiner Meinung ist, für ungläubig erklärt", sagte er.

Der Boden für rechtsextremes Denken werde in der Mitte der Gesellschaft bereitet, hatten bei der Jahreskonferenz zum Thema "Menschenrechte verteidigen - Nächstenliebe leben" Referenten und Teilnehmer festgestellt. Dieser Tendenz müsse besser begegnet werden, hieß es. "Wir müssen uns mit dieser Melange aus Rechtsextremismus, Rechtspopulismus und den Meinungen aus der Mitte auseinandersetzen", fasste Mitveranstalter Martin Becher vom Bayerischen Bündnis für Toleranz das Forum zusammen.

Neonazi-Angriffe entstünden nicht aus dem Nichts

Der Generalsekretär der Evangelischen Akademien in Deutschland, Klaus Holz, erklärte, Neonazi-Angriffe wie vor kurzem in Chemnitz, entstünden nicht aus dem Nichts. Er sehe einen systematischen Zusammenhang zum Satz des Bundesinnenministers Horst Seehofer (CSU) von der "Mutter aller Probleme", sagte der Soziologe. Der Innenminister legitimiere Gewalt unter anderem, indem er sich hinter Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen stelle, der wiederum rechte Gewalt relativiere. "Nur wegen dieser ideologischen Zusammenhänge haben wir große Probleme mit Rechtspopulisten und Neonazis", sagte Holz.

So belegten Studien, dass rassistisches oder antiislamisches Denken konstant bei 40 bis 70 Prozent der Bevölkerung vorhanden sei. Am deutlichsten sichtbar sei der Zusammenhang zwischen Rechtsextremismus und Denkmustern der bürgerlichen Bevölkerung aber beim Antifeminismus, erklärte Holz. Der Feminismus werde dabei als radikale Ideologie verschrien, während alte Geschlechterbilder wieder hervorgeholt würden.

Mehr Aufmerksamkeit für Schutz von Migranten

Die Tagungsteilnehmer beschäftigten sich mit diesem Rechtspopulismus, der gegen Genderismus polemisiert, mit Boykottaufrufen christlicher Gruppen gegen Israel, aber auch mit Methoden gegen Hass in den sozialen Medien. Petra Bendel, Politikprofessorin an der Universität Erlangen, forderte mehr Aufmerksamkeit für den Schutz der Menschenrechte von Migranten. Diesen Menschenrechten wehe "ein starker Wind entgegen", sagte sie.

Einer der BAGKR-Sprecher, der Theologe Christian Staffa, erklärte, im Kampf gegen rechtspopulistische und rechtsextreme Tendenzen auch in der Kirche sei man innerhalb von Kirche und Theologie derzeit "nicht gut genug aufgestellt". "Mit ein bisschen sozialdemokratischer Theologie und fröhlich-lächelndem Protestantismus kommen wir hier nicht weiter", sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Rande der Tagung mit etwa 80 Teilnehmern aus ganz Deutschland.

Von Jutta Olschewski

(epd)

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