Kinder im Jemen mit Essensmarken einer Hilfsorganisation
Kinder im Jemen mit Essensmarken einer Hilfsorganisation

11.10.2018

Studie misst den Kampf gegen den Hunger Fortschritte, aber keine Entwarnung

Sambia, Madagaskar, Jemen, Tschad - und die Zentralafrikanische Republik. Alte Bekannte sind die Schlusslichter beim aktuellen Welthunger-Index. Doch die alljährlich vorgelegte Studie sieht auch Anlass zur Hoffnung.

Oft sind es schlechte Nachrichten, die für Schlagzeilen sorgen - zumal, wenn es um Armut und Menschenrechte geht. Der am Donnerstag in Berlin vorgestellte Welthunger-Index wartet dagegen zunächst einmal mit einer positiven Botschaft auf.

Der Kampf gegen Hunger macht Fortschritte. Der globale Indexwert, der die Verbreitung von Unterernährung erfasst, fiel im Vergleich zum Jahr 2000 um 28 Prozent; im Vorjahr waren es 27 Prozent. Ebenfalls seit dem Jahr 2000 halbierte sich die Kindersterblichkeit.

Lage bleibt vielerorts ernst

In vielen Teilen der Welt sind die Auswirkungen dieser Trends spürbar; zumindest dort scheint die von den Vereinten Nationen im Rahmen der nachhaltigen Entwicklungsziele definierte Vorgabe, bis 2030 Hunger und extreme Armut in den Griff zu bekommen, näher zu rücken. Angola, Ruanda, Äthiopien und Myanmar bescheinigt der Bericht eine Verbesserung des Index-Wertes um mehr als 45 Prozent. Auch in Gabun, Ghana, Mauritius, Senegal, Südafrika oder Sri Lanka entspannt sich die Lage.

Das "Aber" folgt allerdings auf dem Fuß. Zuletzt stieg die Zahl der Hungernden wieder an - auf 821 Millionen Menschen. Wie im vergangenen Jahr auch blieb die Lage in 51 Ländern "ernst" oder "sehr ernst". In einem weiteren Fall, der Zentralafrikanischen Republik, wurde sie, ebenfalls analog zum Vorjahr, als "gravierend" eingestuft. In 16 Ländern mit einer ernsten Ernährungslage stellt der Index keine Verbesserungen oder sogar Rückschritte fest. Und wieder sind mit Ausnahme des vom Krieg gezeichnete Jemen ausschließlich afrikanische Staaten unter den fünf Schlusslichtern.

Die Experten des International Food Policy Research Institute (IFPRI) in Washington stützen ihre Aussagen auf ein breites Datenmaterial.

Für den Welthunger-Index, den sie seit 2006 jährlich zusammen mit der Welthungerhilfe sowie der irischen Organisation Concern Worldwide präsentieren, nehmen sie vier Bereiche ins Visier: Unterernährung, Auszehrung und Wachstumsverzögerungen bei Kindern sowie Kindersterblichkeit jeweils gemessen am Anteil an der Gesamtbevölkerung beziehungsweise der Mädchen und Jungen unter 5 Jahren.

Auf einer 100-Punkte-Skala ist 0 ("kein Hunger") der beste, 100 der schlechteste Wert. Das Ranking umfasst 119 Staaten. Einige einkommensstarke Länder wie Deutschland blieben außen vor, ebenso mehrere Länder, zu denen kein ausreichendes Zahlenmaterial zur Verfügung stand, wie die Kongo, Burundi, Südsudan oder Syrien - die aber ebenfalls von teils massiver "Ernährungsunsicherheit" betroffen sind, wie es in der Studie in etwas steifer Amtssprache heißt.

Ursache und Folge von Flucht und Vertreibung

Denn hinter jeder Zahl stehen Schicksale - das machte die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, klar. Besondere Sorge macht ihr die Zahl der Flüchtlinge, die mit 68 Millionen Menschen ein neues Rekordhoch erreicht hat. Diese seien überdurchschnittlich oft von Hunger betroffen. Zugleich lebe die große Mehrheit von ihnen im Heimatland selbst oder in Nachbarländern. Diese Staaten bräuchten dringend mehr internationale Unterstützung, mahnte Dieckmann.

Doch genau daran hapert es, wie ein Appell des UN-Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen UNHCR zu Wochenbeginn zeigte. Allein von den in diesem Jahr benötigten 8,2 Milliarden US-Dollar für die Flüchtlingshilfe würden bis Jahresende wohl nur 55 Prozent zur Verfügung stehen, hieß es. Immer mehr Flüchtlinge seien unterernährt, medizinische Einrichtungen in Flüchtlingsregionen unzureichend und überfüllt, Unterkünfte verfallen.

Dieckmann betonte: "Humanitäre Hilfe allein reicht nicht aus." So müssten Flüchtlinge auch Zugang zu Beschäftigung und Bildung bekommen. Grundsätzlich, so fordern die Experten von Welthungerhilfe, IFPRI und Concern Worldwide, müsse die Staatengemeinschaft aufs Tempo drücken. Andernfalls werde es 50 Ländern nicht gelingen, den Hunger bis 2030 abzuschaffen. (KNA)

Joachim Heinz
(KNA)

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