Obdachlose im Berliner U-Bahnhof
Obdachlose im Berliner U-Bahnhof

29.09.2018

Neues Modellprojekt für Obdachlosenhilfe Zuerst ein Zuhause

Von einer eigenen Wohnung können Obdachlose nur träumen. Oft scheuen sie Kontakte zu Ämtern. Ein neues Projekt will ganz anders ansetzen: Erst die Wohnung - dann der Neustart.

In Berlin startet am 1. Oktober ein neues Modellprojekt für Obdachlosenhilfe. Mit "Housing first" (Zuerst ein Zuhause) wird erstmals versucht, Menschen von der Straße direkt eine eigene Wohnung zu vermitteln und ihnen dann Hilfsangebote zu machen. "Da geht es nicht um Notunterkünfte, bezahlte Schlafplätze oder Wohngemeinschaften", sagte Regina Kneiding, Sprecherin der Senatssozialverwaltung. Gemeint sei wirklich eine eigene Wohnung.

Ziel sei es, Obdachlose zurück in das Regelsystem zu holen. Das heißt zum Beispiel, gemeinsam mit ihnen bei den Behörden Sozialleistungen samt einer Krankenversicherung zu beantragen. Parallel laufe dann die Vermittlung einer Wohnung über soziale Träger. Das Modellprojekt ist auf drei Jahre angelegt. Für die Haushaltsjahre 2018 und 2019 stehen dafür rund 775 000 Euro aus Landesmitteln zur Verfügung. Weitere Einzelheiten will die Sozialverwaltung am 8. Oktober nennen.

Idee aus den USA

Nach Angaben sozialer Träger wie der Berliner Stadtmission und "Neue Chance" geht es darum, mit "Housing First" mindestens 40 obdachlosen Menschen zu helfen, bei denen andere Angebote seit Jahren nicht zu einer Verbesserung ihrer Lebenslage geführt haben. Die Idee kommt aus den USA und zeigt bereits auch in einigen europäischen Ländern Erfolge. Das Grundprinzip ist, einem Menschen mit einer Wohnung samt Mietvertrag zuerst ein Stück Menschenwürde zurückzugeben. Danach soll ein Team aus Sozialarbeitern offensiv weitere Hilfsangebote machen.

Zum Grundkonzept von "Housing First" gehöre auch, Obdachlosen vor der Vermittlung einer Wohnung keine "Bewährung" abzuverlangen. Sie müssen zum Beispiel nicht ohne Alkohol leben, eine Therapie gemacht oder einen Job in Aussicht haben.

Tendenz zu mehr Obdachlosen

In Berlin gibt es geschätzt 4000 bis 6000 Menschen, die auf der Straße leben - Tendenz steigend. Die Verelendung nimmt zu. Der Senat hat die Mittel für Wohnungslose 2018 auf 8,1 Millionen Euro verdoppelt. Ein neues Problem ist aber, unter dem wachsenden Druck steigender Mieten und Wohnungsmangel überhaupt noch Unterkünfte für Menschen von der Straße zu finden.

Am 1. Oktober startet sukzessive auch die Berliner Kältehilfe mit ihrem bewährten Netz aus Notunterkünften und Essensausgaben. Dabei kochen auch geflüchtete Menschen für Obdachlose - zum Beispiel in der Gemeinde der Paulus-Kirche in Zehlendorf.

(dpa)

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