Rollstuhlfahrer vor einer Treppe
Rollstuhlfahrer vor einer Treppe

10.09.2018

Job-Speed-Dating für Menschen mit Behinderung Job-Speed-Dating für Menschen mit Handicap

In der Arbeitswelt begegnen Menschen mit Behinderung viele Vorurteile; einen Job zu finden, ist schwer. Um die Hürden zu verkleinern, gibt es in Berlin ein spezielles Job-Speed-Dating.

Nach acht Minuten erklingt ein lauter Gong. Das Zeichen bedeutet nicht, das eine Meditationsrunde vorbei ist. Stattdessen müssen Menschen mit Handicap bei einem sogenannten Job-Speed-Dating in Berlin den Sitzplatz wechseln. Das Konzept: 16 Teilnehmer stellen sich sieben Arbeitgebern im Schnelldurchlauf vor.

Der berufliche Hintergrund der Bewerber ist vielfältig: promovierte Kunsthistoriker, Metallarbeiter, Maurer, Einzelhandelskaufleute, Programmierer oder Diplom-Physiker. Einige davon arbeiten aktuell, andere sind seit mehreren Jahren arbeitslos. Aber alle Teilnehmer sind motiviert, einen Job zu bekommen – und sie sind gut vorbereitet. Sie haben alle an einer Schulung teilgenommen und haben an diesem September-Tag Kurzprofile mitgebracht, die sie den potenziellen Arbeitgebern überreichen.

Hin und her geschoben

Bewerber Karsten arbeitete früher im Baugewerbe und bekam Krebs an der Niere, erzählt er. Er konnte nicht mehr weiterarbeiten und machte danach eine schulische Ausbildung, wurde aber nicht übernommen. Der 47-Jährige fühlt sich hin und her geschoben: "Mir wäre es lieb, wenn man mir einfach mal eine Chance gibt."

Durch die Blume habe ihm ein Mitarbeiter in einem Supermarkt gesagt, dass Menschen mit Behinderung dort nicht erwünscht seien, erzählt Karsten. Das ärgerte ihn. Er wünscht sich höhere Strafen für Arbeitgeber, die ihrer gesetzlichen Pflicht nicht nachkommen, behinderte Menschen einzustellen. Doch Karsten sieht auch Unterschiede bei der Akzeptanz von behinderten Menschen. Nach seiner Einschätzung haben es Menschen mit sichtbarem Handicap leichter. Seine Behinderung sei nicht zu erkennen, daher werde sie häufig runtergespielt, beklagt er.

Bewerber vermitteln und Chance geben

Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel, sagt bei der Kontaktbörse, es gebe Vorurteile gegenüber behinderten Menschen - viele ignorierten jedoch, dass Hunderttausende von ihnen jeden Tag arbeiten. "Jeder Mensch soll die Chance haben, Glück und Erfüllung mit einem richtigen Job zu bekommen", fügt Dusel hinzu.

Zum drittel Mal hat die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) das Job-Speed-Dating bereits organisiert. Ziel der Kontaktbörse ist, einen ersten Eindruck der Bewerber zu vermitteln und ihnen damit eine Chance zu geben, wie die Geschäftsführerin der ISL, Sigrid Arnade, erklärt.

Ein selbstbestimmtes Leben

Bei den ersten beiden Kontaktbörsen bekam laut Arnade rund ein Viertel der Bewerber eine Arbeitsstelle. Das hat die Erwartungen der Veranstalter übertroffen: "Wir hofften, dass vielleicht 10 bis 20 Prozent der Bewerber überhaupt ein Vorstellungsgespräch bekommen", sagt Arnade. Lars Hemme sucht für den Sozialverband VdK Berlin-Brandenburg passende Bewerber für zwei Bürojobs. Er hat selbst erlebt, wie es ist, als Mensch im Rollstuhl für ein selbstbestimmtes Leben zu kämpfen. "Ämter wie das Jobcenter stellen Hürden dar", sagt Hemme.

Viele Ämter fühlten sich nicht zuständig und schickten Bewerber weg. Hemme legt den Menschen nah, immer für Neuorientierungen offen zu sein. Er selbst ist Quereinsteiger und hat mit Ende 30 seinen Lebensmittelpunkt verändert. Er studierte erst Medienwissenschaften und fand drei Jahre lang keinen Job. Dann sattelte er um auf Soziale Arbeit und zog im vergangenen März von Paderborn nach Berlin, um seine jetzige Stelle als Berater für Menschen mit Handicap anzutreten.

Gute Stimmung

Die Stimmung bei den Job-Dates ist gut: Wenn jemand kein Interesse an einer angebotenen Stelle hat, gibt er das einfach zu. Der gelernte Metallbauer Andreas sitzt Olaf Möller von der Agentur für Arbeit Berlin-Mitte gegenüber. Möller arbeitet in der Personalabteilung und sucht Berater für das Jobcenter. Beide werden sich im Laufe der acht Minuten einig, dass ein Bürojob nichts für Andreas ist. "Ich möchte lieber etwas Handwerkliches machen und meine Finger schmutzig machen", erklärt Andreas.

Personaler Möller hat bereits ein paar Kandidaten gefunden, bei denen er sich eine Zusammenarbeit vorstellen kann. Er hofft, dass alles klappt. "Das letzte Mal habe ich auch jemanden gefunden, aber er wurde mir von einem anderen Arbeitgeber weggeschnappt."

Maren Breitling
(KNA)

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