"Woche für das Leben" widmet sich Thema Suizid
Ein Mann vergräbt sein Gesicht in seinen Händen

10.09.2018

Beratung und Suizidprävention in digitalen Zeiten Nicht mehr wegzudenken

10.000 Menschen nehmen sich in Deutschland jedes Jahr das Leben. Mediziner, Psychologen und Seelsorger versuchen, diese Zahl mit Beratung und Prävention zu senken. Das Internet wird für sie immer wichtiger.

Eine Reise buchen, eine Jeans kaufen, sich über Promiklatsch informieren: All das geht heute, na klar, über das Internet. Was heute selbstverständlich scheint, war 1995 noch neu und manchem ein wenig suspekt. Nicht so Birgit Knatz: Gemeinsam mit zwei Kollegen brachte sie damals die TelefonSeelsorge als erste deutschsprachige Beratungsstelle ins World Wide Web. Heute sind E-Mail und Chat aus der Beratung nicht mehr wegzudenken.

"Damals hatten wir plötzlich eine neue Zielgruppe", erinnert sich die Sozialarbeiterin. Junge Männer, die mit Computerspielen groß geworden waren - und sich nun eine Freundin wünschten, "die möglichst aussehen sollte wie Lara Croft", so formuliert es Knatz. Damals erreichten die Pioniere gut 250 Anfragen im Jahr, heute sind es im Schnitt 40 am Tag.

Chat statt Gespräch

"Worte wirken schriftlich anders als mündlich", erklärt Knatz. Die Stimme, die in der klassischen Telefonseelsorge besonders wichtig ist, fällt weg. "Bei Chats oder Mails muss die beratende Person ein Gefühl für diese Zwischentöne entwickeln, die nicht transportiert werden." Auch Smileys und Emojis kommen kaum vor, so die Beobachtung der Expertin: "Mit Seelsorgern und Seelsorgerinnen kommunizieren die Menschen anders als in ihren WhatsApp-Gruppen."

Die schriftliche Form biete viele Vorteile. "Oft haben die Ratsuchenden etwas Schlimmes erlebt und erklären, dass sie mit niemandem darüber sprechen könnten - aber schreiben." Das betrifft Themen wie Missbrauch und Gewalt, aber auf Erfahrungen des Scheiterns, für die die Betroffenen sich schämen. Wer genau liest und nachfragt, könne eine Beziehung ebenso aufbauen wie am Telefon, meint Knatz.

Zuhören hilft

Auch Suizid ist ein Thema, das Menschen sich schriftlich anzusprechen trauen. "Wenn jemand daran denkt, sich das Leben zu nehmen, hält er sich für den einsamsten Menschen auf der Welt", sagt Knatz. Die Berater hören zu, sind für die Betroffenen da. Sie rufen nicht die Polizei und werden geschult, um vermeintlich Naheliegendes nicht zu sagen. "Ein Mann hat sich sehr bedankt, dass ich ihm nicht gesagt habe, er solle doch mal an seine Kinder denken", so Knatz. Dass sie nicht jedem helfen können, wissen die Berater und Beraterinnen. "Eine Frau hat am Ende eines Gesprächs gesagt: Danke, dass Sie da waren - heute bringe ich mich nicht um."

Andere Hilfsorganisationen wie die Caritas bieten ebenfalls Online-Beratung an: Junge Menschen können sich anonym per E-Mail an die Online-Suizidprävention [U25] wenden. Ihnen antworten eigens ausgebildete junge Ehrenamtliche. Auch versuchen Berater, im Netz präsenter zu werden: Der Dachverband "Nummer gegen Kummer" etwa ist seit kurzem auch beim Bilderdienst Instagram vertreten. Ziel sei es, die unterstützenden Angebote bei der jungen Zielgruppe bekannter zu machen. Beratung finde dort aus Gründen der Anonymität und Vertraulichkeit nicht statt.

Das Netz birgt auch Gefahren

Armin Schmidtke sieht "einen gewissen Hype um die Online-Beratung". Der Psychologe leitet die AG Primärprävention beim Nationalen Suizidpräventionsprogramm (NaSPro). "Es ist eine gute Sache, wenn ein Jugendlicher sich weniger allein fühlt. Langfristig braucht es aber einen persönlichen Kontakt", meint er. Teils werde Suizid in Blogs, Foren und Sozialen Medien verharmlost oder sogar verherrlicht.

Bisweilen verabredeten Menschen sich online zum gemeinsamen Suizid, auch kursierten gefährliche Mutproben wie Selfies auf Gleisen. "Insofern halte ich das Internet im Zusammenhang mit Suizid für eher gefährlich", sagt Schmidtke. Zudem warnt der Experte vor "profundem Nichtwissen", wenn Menschen in guter Absicht, aber ohne Fachkenntnis zu helfen versuchten.

Suizidprävention Experten überlassen

"Das sollte nur jemand mit entsprechendem Wissen und Ausbildung machen", betont er. Wer sich selbst beweisen wolle, dass er ein guter Mensch sei, gefährde andere - und letztlich vielleicht auch sich selbst: "Sich solche Dinge anzuhören, kann sehr belastend sein."

Wer etwa nach Suizidmethoden suche, werde online leicht fündig, bestätigt Knatz. "Es gibt Esoteriker, selbsternannte Psychologen, natürlich auch Abzocke." Sie selbst postet in einigen Foren erkennbar als Seelsorgerin. Denn, so Knatz: "Eben weil es den Schmutz gibt, sollten seriöse Anbieter erst recht präsent sein".

Paula Konersmann

(KNA)

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