"Zwölf Prozent der Berufstätigen in Deutschland können nicht richtig lesen und schreiben", teilte DUK-Präsidentin Maria Böhmer am Donnerstag in Bonn mit. Das seien zwölf Prozent der Berufstätigen, die kaum Chancen auf einen beruflichen Aufstieg hätten. Die Statistik berücksichtigt demnach Menschen, die älter als 15 Jahre sind.

Weltweit fehlten rund 750 Millionen Menschen grundlegende Lese- und Schreibfähigkeiten, so die DUK. Zwei von drei Analphabeten seien Frauen. Rund 102 Millionen seien junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren. Die Unesco-Kommission fordert niedrigschwellige Lernmöglichkeiten und Beratungsangebote, um Analphabeten in Deutschland ein Grundbildungsniveau zu ermöglichen. "Nur so können wir sicherstellen, dass niemand abgehängt wird", so Böhmer. Lesen und Schreiben zu können sei auch für geflüchtete Menschen eine wichtige Voraussetzung zur gesellschaftlichen Teilhabe und müsse daher zügig umgesetzt werden.

missio Aachen: Bildungsarbeit in Afrika und Asien stärken

Andererseits stieg in den vergangenen Jahren der Anteil der Akademiker. Laut Statistischem Bundesamt verfügten im vergangenen Jahr 29 Prozent der 30- bis 34-Jährigen über einen Hochschulabschluss, während der Anteil unter den 60- bis 64-Jährigen bei 19 Prozent lag. Allerdings zeigen sich Unterschiede bei Männern und Frauen: In der Gruppe der 30- bis 34-jährigen Frauen hatten 30 Prozent einen Hochschulabschluss, bei den Männern waren es 27 Prozent. Damit ist der Anteil der Akademiker im Vergleich zur älteren Generation geringer angestiegen als bei den Frauen.

Der Blick ins Ausland offenbart weitere Mängel der Bildungssituation. Aus Sicht des katholischen Hilfswerks missio Aachen sollte die deutsche Entwicklungspolitik die Bildungsarbeit in afrikanischen und asiatischen Ländern stärken. Die Kirche unterhalte auch dort Kindergärten, Schulen oder Universitäten, wo der Staat seinem Bildungsauftrag nicht gerecht werde. Sie trage "unmittelbar zur Armutsbekämpfung, Friedensprävention, dem interreligiösen Dialog und der Entwicklung einer Zivilgesellschaft bei, von der alle Menschen ungeachtet ihrer ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit profitieren", so missio.

Unicef muss Programme für Jordanien kürzen

Das UN-Kindershilfswerk Unicef kürzt derweil aufgrund geringer internationaler Unterstützung die Bildungsprogramme für Jordanien. Die Finanzierungslücke beträgt nach den Angaben 8,6 Millionen US-Dollar, umgerechnet rund 7,4 Millionen Euro. Rund 60.000 Kinder seien von den Einsparungen betroffen. "Wir befürchten, dass jetzt mehr geflüchtete Kinder in Jordanien die Schule abbrechen werden, mehr von ihnen drohen in Kinderarbeit oder Frühehen gedrängt zu werden", sagte der Geschäftsführer von Unicef-Deutschland, Christian Schneider. Dabei seien Angebote dringend nötig, um den Familien Hoffnung und eine Perspektive zu bieten.

KNA