Reinhard Kardinal Marx
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24.08.2018

Marx trifft Ex-Staatspräsident Walesa und Erzbischof Gadecki Kardinal Marx reist nach Danzig - im Zeichen von Solidarnosc

Die Freiheitsbewegung Solidarnosc war maßgeblich am Untergang des Kommunismus beteiligt. Kardinal Marx will nun in Polen diesen Beitrag würdigen. Und die Beziehungen der Kirche in den Nachbarländern weiter vertiefen.

Als Streikführer Lech Walesa am 31. August 1980 die Vereinbarung von Danzig unterzeichnet, ist das die offizielle Geburtsstunde der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc. Damit wird im Ostblock erstmals eine unabhängige Gewerkschaft anerkannt. Zuvor hatten Arbeiter der Lenin-Werft gestreikt. In Polen war Solidarnosc ("Solidarität") eine Oppositionsbewegung, deren Gründung als ein Meilenstein beim Untergang des Kommunismus in Osteuropa gilt. Bis zu zehn Millionen Mitglieder gehörten in Hochphasen der Solidarnosc an.

Bei ihrer Gründung 1980 war auf gewisse Weise auch Papst Johannes Paul II. (1978-2005) dabei – freilich nicht persönlich. Aber er hatte bei einem Besuch in der Heimat 1979 zur Erneuerung Polens aufgerufen und die demokratische Opposition gestärkt. Und Walesa hielt, als er das Abkommen mit dem Vize-Ministerpräsidenten Mieczyslaw Jagielski unterschrieb, einen übergroßen Kugelschreiber mit dem Konterfei des Papstes in der Hand.

Solidarnosc wird 38 Jahre alt

Ohnehin unterstützten die Kirche und Intellektuelle die demokratischen Oppositionsbestrebungen in Polen. Bekannt ist etwa der "Solidarnosc-Priester" Jerzy Popieluszko, der 1984 vom polnischen Geheimdienst ermordet und später seliggesprochen wurde. Sein Tod fällt in eine Zeit, in der Soldidarnosc im Untergrund agierte: zwischen der Ausrufung des Kriegsrechts im Dezember 1981 und 1989, als Gespräche am Runden Tisch einen Neuanfang ermöglichten.

In der nächsten Woche hält sich nun der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, in Danzig (Gdansk) und Posen (Poznan) auf – also rund um den 38. Jahrestag der Gründung von Solidarnosc. Geplant ist auch eine Begegnung mit Walesa, dem ehemaligen Elektriker und Streikführer, der es bis zum Staatspräsidenten und Friedensnobelpreisträger brachte.

Welches Programm erwartet ihn?

Marx will zudem das europäische Solidarnosc-Zentrum am Gelände der früheren Lenin-Werft besuchen, das die Ereignisse von damals Revue passieren lässt. Auch legt er einen Kranz am Denkmal für gefallene Werftarbeiter nieder. Dieses Denkmal erinnert an die Opfer des blutigen Dezembers 1970, als schon einmal Arbeiter der Werft für politische und wirtschaftliche Reformen demonstrierten. Außerdem stehen auf dem Programm von Kardinal Marx ein Vortrag sowie eine Podiumsdiskussion zum Thema "Ethik der Solidarität".

Verbindungen und gegenseitiger Respekt der katholischen Kirche und der Solidarnosc waren und sind weiterhin da – bis hinauf zu den Päpsten. Gewerkschaftschef Piotr Duda etwa sagte vor drei Jahren der polnischen Nachrichtenagentur KAI: "Die Solidarnosc wurde unter dem Kreuz geboren." Sie sei "immer mit der Kirche verbunden und wird es bleiben". Walesa betonte einmal mit Blick auf Papst Johannes Paul II.: "Die Existenz der Solidarnosc und von mir wären ohne diesen großartigen Polen nicht vorstellbar."

Erinnerung an eine besondere Entschuldigung

Eben dieser Papst aus Polen erklärte in der Sozialenzyklika "Laborem exercens" von 1981 unter anderem mit Blick auf Solidarnosc das Recht auf Gewerkschaften zum unantastbaren Grundrecht. Und Papst Franziskus lobte im 35. Gründungsjahr der Solidarnosc deren Einsatz für Arbeits- und Grundrechte. Denn noch heute ist die Gewerkschaft aktiv – mit weitaus weniger Mitgliedern und nicht mehr ums große Ganze ringend.

Wer angesichts des bevorstehenden Besuchs von Kardinal Marx an das deutsch-polnische Kirchenverhältnis denkt, dem kommt ein Briefwechsel von 1965 in den Sinn: Darin baten die Bischöfe beider Länder einander um Vergebung für das Leid des Zweiten Weltkriegs – mitten im Kalten Krieg wurden die Signale auf Versöhnung gestellt. Und als Polens Regierung im Dezember 1981 das Kriegsrecht verhängte, riefen die deutschen Bischöfe zu Kollekten und Paketspenden auf.

Hohe Erwartungen an die Reise

Zuletzt waren sich Bischöfe beider Länder nicht immer bei allen Themen einig, etwa in der Debatte um eine Öffnung der Kommunion für nichtkatholische Ehepartner und eine fallweise Kommunionzulassung für Katholiken, die nach einer Scheidung zivil erneut geheiratet haben.

Mit der geplanten Reise von Marx sollen nun die Beziehungen wieder weiter vertieft werden. So wird es auch ein Treffen mit dem Vorsitzenden der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki, geben.

Leticia Witte
(KNA)

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