Humanitäre Helfer trotz Angst im Einsatz für die Menschen

"Die Hilfe ist in Gefahr"

"Jeder lebt in ständiger Angst", berichtet Sulu Bellarmin von seiner Arbeit als Helfer bei Handicap International im Kongo. Zum Welttag der humanitären Hilfe lenken Organisationen den Blick auf den Einsatz der Helfer.

Autor/in:
Rainer Nolte
Menschen fliehen aus Afrin  / © Emilie Buzyn (KNA)
Menschen fliehen aus Afrin / © Emilie Buzyn ( KNA )

Der kleine Sovannareach Roeun hat nur noch ein Bein. Ein Autounfall ist schuld. Eine Prothese hilft ihm, seinen Alltag zu bewältigen. Sovannareach aus Kambodscha kann also ähnlich wie andere Jungen auf der Welt heranwachsen - doch damit wächst er auch immer wieder aus seiner Prothese heraus. Zu Sovannareachs Glück und anderer Betroffener im asiatischen Reha-Zentrum von Handicap International kümmert sich Sozialarbeiterin Davann um neue Prothesen. Zum Welttag der humanitären Hilfe an diesem Sonntag rücken Hilfsorganisationen den Einsatz Tausender Helfer weltweit in den Blick.

Schwere Konsequenzen

Davann betont, dass ihre Arbeit faszinierend und sinnvoll sei. Sie unterstreicht, dass sie viel Kraft aus dem Lächeln der Betreuten ziehe, auch wenn die Situation manchmal ausweglos erscheine. "Die Armut macht das Leben der Dorfbevölkerung sehr schwierig. Das kleinste Problem kann schon schwerwiegende Folgen haben."

Handicap International macht auf Herausforderungen für die Helfer aufmerksam. "Sie erleben oftmals Situationen, die schwer belasten: In Kriegsgebieten ist es die Angst, selbst verletzt oder gar getötet zu werden. Im Katastrophenfall ist es das Leid der Opfer, die Angehörige oder ihr Hab und Gut verloren haben. In verarmten Gebieten ist es die Hoffnungslosigkeit vieler, je ein menschenwürdiges Leben führen zu können."

In Gedenken an den Anschlag in Bagdad 2003

Der Tag der humanitären Hilfe wird jedes Jahr zum Gedenken an die Toten und Verletzten des Anschlages auf das UN-Hauptquartier in Bagdad am 19. August 2003 begangen. Damals wurden laut UNO-Flüchtlingshilfe 22 UN-Mitarbeiter getötet und über 100 verletzt.

2017 bezahlten laut UNO-Flüchtlingshilfe 179 Helfer ihr Engagement mit dem Leben, 141 Hilfsmitarbeiter wurden entführt. SOS-Kinderdörfer beklagten, dass die Zahl der Todesopfer die höchste seit 2013 sei. "Es gibt viele Helfer, die unter schwersten Bedingungen Großartiges leisten, aber deren Arbeit wird immer gefährlicher", so Sprecher Boris Breyer.

Helfen unter hohem Risiko

"Humanitäre Helfer leben mit einem hohen Risiko, besonders in Ländern mit bewaffneten Konflikten. Nach dem römischen Statut des Internationalen Strafgerichtshofs gelten Angriffe auf humanitäre Helfer jedoch als Kriegsverbrechen", erklärt der Generalsekretär von Care Deutschland, Karl-Otto Zentel. Alle Konfliktparteien müssten sicherstellen, dass Helfer uneingeschränkten Zugang zu Notleidenden bekämen und nicht zum Angriffsziel würden.

Der Schauspieler und Unterstützer des Deutschen Roten Kreuzes, Ludwig Trepte, unterstreicht: "Ohne die Einhaltung des humanitären Völkerrechts ist es für die Helfer unmöglich, einen sicheren Zugang zur Zivilbevölkerung zu finden, die in einem Konflikt Hilfe braucht", so der Darsteller aus dem Kriegsdrama "Unsere Mütter, unsere Väter".

Eritrea, Syrien, Venezuela, Jemen

Die Welthungerhilfe fordert ein stärkeres politisches Engagement der internationalen Staatengemeinschaft, um humanitäre Krisen zu beenden. "Wir können Nahrungsmittel, Zelte oder Trinkwasser verteilen, aber Frieden und Stabilität können nur durch politische Prozesse erreicht werden", betont Vorstandsvorsitzender Till Wahnbaeck.

Am schwierigsten ist die Hilfe laut der Nichtregierungsorganisation "acaps" in Eritrea, Syrien, Venezuela und dem Jemen, wie Caritas international mitteilt. Die Zentralafrikanische Republik werde als einer der unsichersten Orte der Welt eingestuft. "Eine wachsende Zahl von Regierungen und Kriegsparteien weltweit betrachtet Humanitäre Hilfe nur noch unter rein militärtaktischen Erwägungen und verweigert Menschen die lebensnotwendige Unterstützung", so der Referatsleiter Naher Osten bei Caritas international, Christoph Klitsch-Ott.

Klitsch-Ott warnt: "Die Hilfe ist in Gefahr." Auch bei uns um die Ecke im Mittelmeer, prangert der entwicklungspolitische Dachverband Venro an. Seenotrettungsorganisationen dürften nicht mehr kriminalisiert und festgesetzt werden, sondern sollten ihre Arbeit wieder aufnehmen können. In einem Gastbeitrag der "Welt" kritisiert Seenotretter Julian Pahlke die Einstellung der Politiker - deren Meinung sei: "Wenn uns schon keine humane Lösung für die vielen Menschen in Not einfällt, bekämpfen wir eben die, die sich geografisch in unserer Nähe befinden: die Retterinnen und Retter."


Quelle:
KNA