Die Wirtschaft brummt, aber nicht jeder bekommt etwas davon ab
Die Wirtschaft brummt, aber nicht jeder bekommt etwas davon ab

07.08.2018

Paritätischer Wohlfahrtsverband fordert Umsteuern in der Sozialpolitik "Sorgen der Bevölkerung ernst nehmen"

Der Paritätische Wohlfahrtsverband warnt vor den Folgen der sozialen Spaltung und fordert ein Umsteuern. Sein Jahresgutachten belegt: Inzwischen sorgt sich ein Großteil der Bevölkerung um den Zusammenhalt der Gesellschaft.

DOMRADIO.DE: In ihrem aktuellen Gutachten zur sozialen Lage in Deutschland, sagen Sie: "Die Befunde sind alarmierend". Deutschlands Wirtschaft brummt, doch lange nicht alle Menschen profitieren davon. Im Gegenteil. Sie sagen, es muss was passieren, sonst ist der soziale Frieden in Gefahr. Wo liegen denn die Probleme in der politischen Umsetzung. Weshalb bekommt man das nicht in den Griff?

Rolf Rosenbrock (Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbandes): Ich glaube, dass die Politik noch nicht begriffen hat, dass die Sorgen der Bevölkerung ernst genommen werden müssen. Das wichtigste Problem, wenn man Umfragen macht, ist die Sicherung eines angemessenen Einkommens im Alter, das zweite wichtigste Problem ist die Sicherung gleicher Bildungschancen und dann kommen die Wohnungsprobleme.

Das sind alles Felder, auf denen in der Tat das Wissen und die Ressourcen ausreichen würden, um nicht nur symbolisch oder mit Modellprojekten irgendwas zu machen, sondern wo man durchgreifend tätig werden könnte. Das tut die Politik aber nicht. Und sie hat ein zweites großes Defizit. Sie scheut sich davor, die Bevölkerungsschichten, die das nun wirklich auch tragen könnten, zur Finanzierung heranzuziehen. Das sind etwa die oberen Einkommensschichten und die Vermögenden.

DOMRADIO.DE: Jetzt sagen Sie, dass sich mit nur 1,5 Prozent unseres Bruttoinlandsproduktes ganz viel ändern ließe. Wie könnte das gehen?

Rosenbrock: Wir haben eine ganze Reihe von konkreten und auch konkret durchgerechneten Programmen vorgelegt. Sie sprachen von der Rente. Wir sind der Auffassung, dass diese gesamte Politik, die gesetzliche Rentenversicherung zu schwächen und stattdessen neben Renten, Betriebsrenten und von privaten Finanzdienstleistern versprochene Leistungen zu fördern, abgestellt werden sollte. Das Geld soll umgeleitet in eine Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung werden. Dann wäre es auch möglich das Rentenniveau wieder auf 53 Prozent vom letzten Netto zu heben, was wir ja schon mal hatten.

DOMRADIO.DE: Sind wir in ihren Augen auf dem Weg vom Sozialstaat in puren Wirtschaftsliberalismus?

Rosenbrock: Wenn ich die Richtung überschlage, wenn ich mir überlege es würde alles so weitergehen, dann könnte dieses Urteil in einigen Jahren zutreffen. Andererseits muss man sehen: Deutschland ist nach wie vor ein ausgebauter Sozialstaat mit einer Sozial-Quote am Bruttoinlandsprodukt um die 30 Prozent. Das ist nicht wenig. Aber die Sozialquote ist in den Nullerjahren um zwei Prozent gesunken. Das klingt nicht viel, aber tatsächlich ist bei einem Bruttoinlandsprodukt von 3,3 Billionen pro Jahr jeder Prozent sind ungefähr 3,3 Milliarden Euro. Damit könnte man viel machen.

DOMRADIO.DE: Fast 90 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sorgt sich um den sozialen Zusammenhalt in der Tat. Sie haben den sozialen Wohnungsbau schon angesprochen. Die steigenden Mieten in den Städten sind gerade auch wieder Thema gewesen. Die bewirken, dass mittlere und niedrigere Einkommen teilweise über ein Drittel ihres Geldes fürs reine Dach über dem Kopf ausgeben müssen. Was bedeutet das für die Menschen und für die Arm-Reich-Schere?

Rosenbrock: Das bedeutet, dass eben von dem Geld, was man überhaupt hat, viel weniger übrig bleibt, um real am soziokulturellen Leben teilzunehmen und um sich dazugehörig zu fühlen. Sozialer Zusammenhalt heißt grob gesprochen nichts anderes, als das begründete Gefühl als respektiertes Mitglied eines halbwegs funktionierenden Gemeinwesens zu leben. Und je mehr dieses Gefühl zurückgeht, desto mehr treten dann die Nachteile auf. Sozial schlecht gefügte Gesellschaften sind unproduktiver, es gibt mehr Konflikte, sie kennen mit Krisen schlechter umgehen, das Vertrauen im Alltag nachlässt.

Man muss auch sagen die Menschen in solchen Gesellschaften sind auch öfter und schwerer krank und sterben früher. Da haben die Bevölkerungen offenbar ein sehr viel besseres Gespür für das, was wichtig ist, als die Politik, die sich da von den Rechtsradikalen dazu treiben lässt, vorwiegend über Flüchtlinge zu diskutieren. Ein Problem was in den Umfragen ganz hinten rangiert. Aber darüber wird geredet. Es wird nicht darüber geredet und schon gar nicht gehandelt, wo die Bevölkerung wirklich leidet.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

Kölner Ministrantenwallfahrt 2018

Rund 2.400 Messdienerinnen und Messdiener aus dem Erzbistum Köln haben unter dem Motto "Felsenfest" bei einer großen Wallfahrt in Rom ihren Glauben gestärkt.

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

DOMRADIO in Berlin und Brandenburg

Ab sofort auf DAB+ auch in Berlin und Brandenburg: Das Kölner DOMRADIO!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Mit Willibert in die Heilige Stadt

Im November 2019 ist es soweit: Erkunden Sie das ehrwürdige Rom auf dieser Pilgereise mit dem Rom-Kenner Willibert Pauels, Karnevalsfreunden und DOMRADIO.DE Besuchern auch bekannt als "ne Bergische Jung"!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 22.10.
06:00 - 06:30 Uhr

DOMRADIO Morgenimpuls

06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Rückblick auf die Ministrantenwallfahrt Rom
  • Katholische Akademie zu 4 Jahre Pegida
  • Die letzte Woche der Jugendsynode in Rom beginnt
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Programmtipps

  • Lukasevangelium
    23.10.2018 07:50
    Evangelium

    Lk 12,35–38

  • Ethische Geldanlage: Für Kirchen zwingend erforderlich
    23.10.2018 09:10
    Anno Domini

    Einführung des Kirchenzehnt

  • Lukasevangelium
    24.10.2018 07:50
    Evangelium

    Lk 12,39–48

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Empfangsanleitung zum Ausdrucken

Gemeinsam für das Mehr im Menschen

Berufungspastoral im Erzbistum Köln: Dein Platz in Kirche und Welt.

Das ganze Leben

Hilfsangebote der Kirche im Erzbistum Köln.

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen