02.06.2018

Verein kümmert sich um "verlassene Großeltern" "Da habe ich jemanden, der mich verstehen kann"

Für manche Großeltern bricht der Kontakt zu den Enkeln plötzlich ab – weil es in der Familie Streit oder Trennung gibt. Meist leiden beide Seiten darunter. Ein Verein hilft Betroffenen, mit dem Konflikt umzugehen.

Es ist der erste Karnevalsumzug nach dem Tod ihres Mannes. Maria Preuß (Name geändert) sehnt sich nach Normalität. Die Rheinländerin möchte wieder Zeit mit ihrer Familie verbringen. Voller Erwartung wartet sie auf den Karnevalsverein, in dem auch ihre Enkel mitlaufen.

Jedes Jahr freut sie sich, wenn die vier Kinder zu ihr laufen und sie umarmen. Doch diesmal ist alles anders: Die Enkel ziehen wortlos an der Oma vorbei.

200 Anrufe von Betroffenen im Jahr

Ein Jahr später wirkt die 69-Jährige ruhig und aufgeräumt, wenn sie über jenen Karnevalsumzug spricht. Und über den Streit mit ihrer Tochter kurz davor. Es ging wohl um Erbangelegenheiten, so genau kann Preuß das gar nicht sagen. Sie lag damals im Krankenhaus, kann sich nur erinnern, dass sich alle laut gestritten haben: der Schwiegersohn, die Tochter und sie selbst. Seitdem ist Stille. Auch mit ihren Enkelkindern darf sie nicht mehr reden.

Maria Preuß gehört zu jenen "verlassenen Großeltern", die plötzlich den Kontakt zu ihren Enkeln verloren haben. Um sie kümmert sich die "Bundesinitiative Großeltern", kurz BIGE. Annemie Wittgen ist deren Vorsitzende und war selbst betroffen. Etwa 200 Mal im Jahr wird die Rentnerin aus Euskirchen von älteren Menschen angerufen, denen es ähnlich geht.

"Viele Eltern, die sich trennen, sehen nur ihre Verletzung"

Für den Kontaktabbruch gebe es viele Gründe, so Wittgen. Streit sei eine häufige Ursache. Aber oft sorge auch die Trennung oder Scheidung der Eltern dafür, dass die Beziehung zu den Enkeln auf Eis gelegt wird. "Viele Eltern, die sich trennen, sehen nur ihre Verletzung", sagt Wittgen. Darüber würden sie oft vergessen, wie wichtig Oma und Opa für die Kinder sind – und auch, wie sehr die Großeltern unter der neuen Situation leiden.

Betroffenen bietet die BIGE Selbsthilfegruppen an. In ihnen sollen verlassene Großeltern lernen, mit ihrem Schmerz umzugehen. "Wir wollen, dass die Teilnehmer merken: Ich bin mit der Situation nicht allein", sagt Wittgen.

Einmal im Monat trifft man sich, spricht über seine Sorgen und darüber, wie ein Kontakt zu den Enkelkindern wieder möglich werden kann. Zudem organisiert Wittgen mit der katholischen Familienbildungsstätte am Vereinssitz in Euskirchen Vorträge zum Thema.

In vielen Ländern ist Mediation nach Trennung Pflicht

Wittgen möchte den betroffenen Großeltern auch Selbstbewusstsein mitgeben – und eine Idee, wie sie sich ihrer Familie wieder annähern können. Die Rentnerin rät dann meist dazu, einen Mediator in die Situation einzubeziehen. Dieser kann zwischen den Parteien vermitteln und ihnen helfen, sich auszusprechen.

"In vielen anderen europäischen Ländern ist Mediation nach einer Trennung Pflicht", so Wittgen. Das fordert sie auch für Deutschland. So ließe sich oft verhindern, dass es überhaupt zu einem Kontaktabbruch kommt.

Ohnehin sei die Rechtslage in Deutschland für Großeltern nicht zufriedenstellend, meint die Vereinsvorsitzende. Zwar hätten sie das Recht, ihr Enkelkind zu sehen. Häufig werde das ihnen aber vom Gericht verweigert, weil ein Besuch bei den Großeltern angeblich nicht dem Kindeswohl diene, wenn Oma und Opa mit den Kindeseltern zerstritten sind.

Großeltern können Umgangsrecht erwirken

"Um das Recht durchzusetzen, muss vorher schon ein ganz enger Kontakt bestanden haben", so Wittgen. Immerhin: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschied in einem am Donnerstag veröffentlichten Urteil, dass nicht nur Eltern ein Umgangsrecht erwirken können, sondern auch andere Personen, wenn für die Kinder der Kontakt zu ihnen wichtig ist. Dies betreffe auch Großeltern.

Eng war der Kontakt zu ihren Enkelkindern, meint Maria Preuß. Sie kamen früher nach der Schule zu ihr, feierten und spielten zusammen. "Bei uns war immer was los." Umso weniger versteht sie, wie es zu dem Kontaktabbruch kommen konnte. "Es ist, als wenn ein Flugzeug abgestürzt wäre." Am Anfang habe sie sich zurückgezogen und das Haus nur selten verlassen. Inzwischen gehe sie regelmäßig zur Selbsthilfegruppe. "Da habe ich jemanden, der mich verstehen kann."

Inzwischen lebt ihre Tochter mit den Kindern in einer anderen Stadt; wo genau, weiß Preuß nicht. Doch aufgeben möchte sie nicht. Zu sehr hängt sie an ihren Enkeln. Schon bald hat sie ein Gespräch mit dem Arzt, der im vorigen Jahr bei dem Streit dabei war, der sie so einsam gemacht hat. Preuß möchte wenigstens verstehen, warum ihre Tochter sich abgewendet hat: "Ich kann es nicht begreifen, aber ich muss das Beste daraus machen."

Hannes Baumert

(KNA)

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