20.03.2018

Wie viele Krankenhäuser braucht Deutschland? Ein Dauerkonflikt im Gesundheitswesen

Wenn Krankenhäuser geschlossen werden, gibt es oft massiven Protest. Doch Kassen und Gesundheitsexperten betonen, dass es in Deutschland viel zu viele Kliniken gibt. Das habe Folgen für Kosten und Behandlungsqualität.

Es ist ein Dauerkonflikt im deutschen Gesundheitswesen. Über die angemessene Zahl der Krankenhäuser wird seit Jahrzehnten gestritten. "Krankenhausschließungen gefährden die medizinische Versorgung in der Fläche, gerade in ländlichen Regionen", argumentieren insbesondere viele Kommunalpolitiker, die sich den Protesten der Bürger gegen die Schließung ihres örtlichen Krankenhauses stellen müssen.

Lange Wege könnten sogar lebensbedrohlich sein. Die Gegenseite verweist auf hohe Kosten, fehlendes Personal und unnötige Risiken für Patienten, wenn kleine Kliniken keine Erfahrung mit komplizierten Behandlungen hätten. Deutschland habe im internationalen Vergleich eine viel zu hohe Krankenhausdichte.

Zentralisierung und Spezialisierung

Krankenhäuser sind teuer: Die Ausgaben der Kassen für Krankenhausbehandlungen sind 2016 auf 73,7 Milliarden Euro gestiegen. Zugleich wurden rund 19,5 Millionen Patienten stationär behandelt, 1,4 Prozent mehr als 2015. Dafür standen in bundesweit 1.948 Krankenhäusern 498.700 Betten zur Verfügung. Im Schnitt waren die Betten zu 77,8 Prozent ausgelastet.

Für eine Zentralisierung und Spezialisierung plädierte am Montag auch die Krankenkasse AOK in ihrem Krankenhaus-Monitor 2018. Zwar wollte sich der AOK-Bundesverband nicht auf eine konkrete Zahl der zu schließenden Kliniken festlegen lassen. Kassen-Chef Martin Litsch sprach sich dafür aus, dass "zukünftig Kliniken mit mehr als 500 Betten nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel bilden".

Nach seinen Aussagen verfügen derzeit 80 Prozent der rund 2.000 Kliniken in Deutschland über weniger als 500 Betten. Das hat laut AOK Folgen für die Behandlungsqualität, die Kosten und die Personalausstattung. Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) verwies auf das Beispiel von Darmkrebsoperationen: 2015 seien in Deutschland rund 44.000 Darmkrebsoperationen in mehr als 1.000 Krankenhäusern vorgenommen worden. Dabei führte ein Viertel der Häuser den Eingriff maximal 17 Mal im Jahr durch, ein weiteres Viertel hatte zwischen 18 und 33 Eingriffe - was nicht gerade für eine große Erfahrung spricht.

Ähnlich beim Thema Herzinfarkt: Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt sollten nur in Krankenhäuser mit einer Herzkathetereinheit eingeliefert werden, sagte der Mediziner Reinhard Busse von der Technischen Universität Berlin. Von den fast 1.400 Krankenhäusern, die Patienten mit Herzinfarkten behandeln, wiesen aber weniger als 600 eine solche Einheit auf, kritisierte er.

Mangel an Fachärzten und Pflegekräften

Für eine Zentralisierung spricht laut AOK auch der Mangel an Fachärzten und Pflegekräften. "Wir haben nicht genügend Personal, um alle heute existierenden Klinikstandorte so auszustatten, dass sinnvolle Personalanhaltszahlen oder Personaluntergrenzen gut umgesetzt werden können", so Kassen-Chef Litsch mit Blick auf die Pflege. Eine solche Zentralisierung hätte für die allermeisten Patienten und ihre Angehörigen nur geringfügig längere Fahrten zur Folge.

Nach Darstellung der Kasse hat der Gesetzgeber mit dem Krankenhausstrukturgesetz vor zwei Jahren bereits Voraussetzungen für eine Zentralisierung geschaffen. Es sieht etwa Mindestmengen bei bestimmten Behandlungen vor. Ein Strukturfonds stellt Geld für die Umwandlung von Krankenhäusern in Gesundheits- und Pflegezentren zur Verfügung. Die Länder machten von diesen Möglichkeiten aber bisher nur zögerlich Gebrauch, kritisierte Litsch.

Auch das Forschungsinstitut RWI hatte im vergangenen Sommer festgestellt, es gebe zu viele kleine Kliniken und zu wenig Spezialisierung. Die Krankenhäuser sehen sich deshalb unter massivem Druck: Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, will deshalb mit Politik und Krankenkassen gemeinsam über die Krankenhauslandschaft der Zukunft beraten. Der Strukturwandel müsse sich am Patientenwohl orientieren, sagte er. In den vergangenen Jahren seien die Rahmenbedingungen so verändert wurden, dass "alle Kliniken unter Druck geraten sind", sagte er. Damit müsse nun Schluss sein, ansonsten drohe das System an die Wand zu fahren.

Christoph Arens
(KNA)

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