Karnevalistinnen vor dem Kölner Dom
Karnevalistinnen vor dem Kölner Dom

03.02.2018

LVR startet inklusive Initiative zu Karneval "Ich werde zu den Augen für sehbehinderte Menschen"

Gemeinsam Karneval feiern. Die Initiative "Karneval für alle" vom Landschaftsverband Rheinland macht es möglich, dass am Karnevalssontag in Köln zum ersten Mal eine Audiodeskription von den Schull- und Veedelszöch gibt.

DOMRADIO.DE: Wie muss ich mir das denn ganz konkret vorstellen, wenn Sie für sehbehinderte und blinde Menschen den Karnevalszug beschreiben?

Sarah Lierz (Audiodeskriptorin, Fachfrau für barrierefreie Kommunikation): Sie können sich das tatsächlich bunt vorstellen. Die bunten Farben, die man eigentlich sehen kann, die gehen in meiner Sprache auch nicht verloren. Ich werde sozusagen zu den Augen für die sehbehinderten und blinden Menschen, die dann dabei sein werden. Alles, was an uns vorbei zieht, wird nicht unkommentiert gelassen, ich beschreibe alles im Detail, zumindest so viel Zeit mir dafür auch bleibt.

DOMRADIO.DE: Wie haben sie sich auf diese Aufgabe vorbereitet?

Lierz: Ich mache das  nicht zum ersten Mal und bin schon fast ein "alter Hase" in diesem Bereich. Prinzipiell muss man auf viele Details achten. Wenn zum Beispiel jemand mit einem roten Kostüm zu sehen ist, ist die Beschreibung "rot" schon mal eine gute Grundlage, aber normalerweise sind Kostüme nicht nur eindeutig rot, sondern sie haben auch eine Form, also ein rotes Herz und deswegen ist die Farbe nur ein Teil vom Ganzen. Ich versuche auch immer zu deuten, was das Kostüm darstellen soll, also wenn ein Cowboy im Karnevalszug ist, wird auch im Detail geklärt, dass er unter anderem einen Hut und meist eine karierte Weste trägt.

DOMRADIO.DE: Bei so einem Karnevalszug  gibt es ja ganz schön viel zu sehen. Wie wählen Sie denn da aus, was Sie genau beschreiben? 

Lierz: Das kann ich gar nicht genau sagen, da passiert auch viel spontan. Wenn zum Beispiel eine Fußgruppe im gleichen Kostüm erscheint, dann kann ich das im Detail beschreiben und kann mich dann auch darauf konzentrieren, etwas zur Gruppe selbst zu sagen, wie die Gruppengröße, welches Alter die Gruppenmitglieder haben. Es ist auch wichtig, wenn die Menschen akrobatische Übungen vormachen, das zu erwähnen. Es geht nicht nur um die visuelle Beschreibung, was man sieht, sondern auch was passiert.

DOMRADIO.DE: Welche Rückmeldung haben Sie bisher bekommen?

Lierz: Bisher war es so, dass die Rückmeldungen immer sehr positiv waren. Ich habe das schon zwei Mal in Mönchengladbach gemacht, das wird dieses Jahr auch wieder passieren auch wieder zusammen mit dem LVR. Viele Blinde und Sehbehinderte, die uns da besucht haben, waren sehr erfreut, weil sie gesagt haben, dass sie sonst den Zug nicht schauen konnten oder zumindest nicht gucken wollten, weil sie sich ein wenig ausgeschlossen fühlten. Mit der Audiodeskription hatten sie das Gefühl, wieder richtig mit drin zu sein und zu wissen, was da passiert.

DOMRADIO.DE: Wo sind sie sonst als Audiodeskriptorin im Einsatz, wenn sie nicht gerade den Karnevalszug in Köln beschreiben?

Lierz: Ich bin hauptsächlich Fachfrau für barrierefreie Kommunikation und da ist im Laufe des Jahres mein Fachgebiet meistens leichte Sprache oder Untertitel für Gehörlose. Die Audiodeskription hat eben im Karneval Hochkonjunktur, aber im restlichen Jahr habe ich andere Projekte, bei denen auch Audiodeskription dabei ist, aber dann nicht live sondern aufgezeichnet.

Das Gespräch führte Silvia Ochlast.

(DR)

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