Berge von Schutt und Geröll am Ufer des Rio Rimac in Carapongo (nahe Lima)
Berge von Schutt und Geröll am Ufer des Rio Rimac in Carapongo (nahe Lima)
Ortspfarrer Ricardo Ocharan in Carapongo
Ortspfarrer Ricardo Ocharan in Carapongo
Zerstörte Heimat: Rosemary Canchanya aus Carapongo mit ihrer Tochter
Zerstörte Heimat: Rosemary Canchanya aus Carapongo mit ihrer Tochter

13.01.2018

El-Niño-Opfer in Lima hoffen auf den Papst Schäden der Flut noch längst nicht beseitigt

Viele Opfer der Katastrophe fühlen sich vom Staat alleingelassen. Obwohl seit dem Unglück Monate vergangen sind, kommt von den Behörden wenig Unterstützung. Dankbar sind die Betroffenen indes für die Hilfe der Caritas.

Es war Nacht, als das Wasser kam. "Nachbarn haben aufgeregt an die Tür geklopft und verzweifelt geschrien", erinnert sich Rosemary Canchanya. Die 24-Jährige aus Carapongo, eine Ortschaft in einem Randbezirk der peruanischen Hauptstadt Lima, war hochschwanger an jenem 16. März 2017. Bei völliger Dunkelheit habe sie einige Habseligkeiten zusammengepackt und sich gerade noch rechtzeitig auf eine Anhöhe gerettet. Dann rissen Wasser und Schlamm alles hinfort.

"Genau hier stand das Haus, in dem ich gewohnt habe", sagt sie mit betretener Miene, während sie ihre acht Monate alte Tochter Claudia im Arm hält. Die junge Mutter steht auf Bergen von Schutt und Geröll am Ufer des Rio Rimac und blickt wehmütig auf den Fluss, der ihr altes Leben weggespült hat.

Ausmaße der Flut noch präsent

Ein Dreivierteljahr nach der Flutkatastrophe in Peru sind längst nicht alle Schäden beseitigt. Tausende Opfer warten immer noch auf Hilfe. Die Bilanz des Unglücks ist erschreckend: Mehr als 100 Menschen kamen ums Leben, mehr als 1,1 Millionen waren von den Verwüstungen betroffen, die die Überschwemmungen und Schlammlawinen hinterließen.

Zehntausende Häuser wurden vollkommen zerstört, mehr als hunderttausend schwer beschädigt, darunter Krankenhäuser und Schulen. Straßen und Brücken wurden fortgespült, Felder und Ernten vernichtet. Lange Zeit gab es in den Katastrophengebieten keinen Zugang zu sauberem Wasser, gefährliche Krankheiten wie Denguefieber breiteten sich aus und forderten weitere Tote.

In Lima verloren 6.700 Personen ihr Hab und Gut. So wie Rosemary. "Der Staat hat gar nichts für uns getan", klagt sie. Gemeinsam mit ihrem Mann, einem vielbeschäftigten Handwerker, habe sie wochenlang im Freien übernachten müssen. Der Rimac, wichtiger Wasserlieferant Limas, überflutete ganze Stadtteile - auch Carapongo. Zwar gab es dort keine Toten, doch rund 300 Familien stehen vor dem Nichts. Die meisten stammen aus Bevölkerungsschichten, die schon vor der Flut unter Armut litten: Gemüseverkäufer, Viehzüchter, Hausangestellte, Mototaxifahrer. Nun haben sie nicht einmal mehr ihre bescheidenen Unterkünfte, für die sich etliche sogar verschuldet hatten.

Klimawandel verstärkt El Niño

Ursache des Übels ist der "Küstenjunge". Das natürliche Klimaphänomen "El Niño Costero" ist in unregelmäßigen Abständen vor der südamerikanischen Pazifikküste zu beobachten. Außergewöhnlich hohe Meerestemperaturen im peruanischen Küstengebiet führen zu enormen Mengen verdunstenden Wassers. Forscher gehen davon aus, dass der Klimawandel die Auswirkungen noch verstärkt. Die Folge: immer heftigere Regenfälle, die Flüsse über die Ufer treten lassen.

Kritik an Regierung bezüglich Hilfeleistungen

Der peruanische Staat tut sich schwer, den Leidtragenden unbürokratische Hilfe zu leisten. Fast alle Betroffenen in Carapongo schimpfen über die Regierung von Präsident Pedro Pablo Kuczynski. Der mache sich nur selbst die Taschen voll, so der Tenor. Tatsächlich sind die bürokratischen Hürden für Hilfesuchende oft zu hoch. Staatliche Stellen verlangen in der Regel Ausweise oder Dokumente. Wenn die in den Fluten verschwunden sind, zeigen sie wenig Entgegenkommen. Problematisch ist auch, dass für viele der fortgespülten Behausungen niemals eine offizielle Baugenehmigung vorlag. Eine Entschädigung ist folglich nicht zu erwarten.

Unterstützung kommt von der Caritas

Rosemary und ihre Familie sind - wie etliche Leidensgenossen - in einer Notunterkunft der örtlichen Caritas untergekommen. Die hat für die obdachlos gewordenen Flutopfer in Carapongo zahlreiche Übergangshütten aus Pressholz errichtet. So ist am Ufer des Rimac ein regelrechtes Lager entstanden. Zudem stellt die Hilfsorganisation Verpflegung bereit und verteilt Filtersysteme zum Aufbereiten von Trinkwasser. Finanziert wird die Hilfe auch vom deutschen Hilfswerk Caritas international.

"Dafür sind wir sehr dankbar", sagt die 42-jährige Nilda Alvarez. Sie wisse nicht, was sie sonst hätte tun sollen. Ihr Mann habe sie und ihre 15-jährige Tochter Diana sitzen lassen. Nur ein paar Schweine seien ihr geblieben. Die hat die resolute Peruanerin kurzerhand mit einem aus Holzpaletten improvisierten Gatter neben einer mobilen Toilettenkabine eingepfercht. "Mit dem Verkauf der Tiere will ich das Schulgeld für meine Tochter finanzieren", sagt sie. Wie es danach weitergehe, wisse sie nicht.

Flut traf die Schwächsten

Ortspfarrer Ricardo Ocharan kennt die Sorgen und Nöte der Menschen in seiner Gemeinde. "Besonders tragisch ist, dass die Flut die Schwächsten getroffen hat", sagt der 44-Jährige im schwarzen Priestergewand. Viele Kleinunternehmer seien bankrott, die Arbeitsplätze dahin. Weil der Staat zu wenig tue, müssten kirchliche Organisationen einspringen.

Wie viel Zeit für den Wiederaufbau nötig sei, könne er nicht genau sagen. "Vielleicht fünf bis acht Jahre", mutmaßt er. Umso wichtiger sei in der jetzigen Situation der Besuch von Papst Franziskus. "Wir erwarten von Franziskus eine Botschaft der Hoffnung", sagt der Geistliche. "Bei der großen Papstmesse in Lima werden viele von uns dabei sein."

Alexander Pitz

(KNA)

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