Ein Zettel mit der Aufschrift "Suche WG-Zimmer" hängt an einem Schwarzen Brett in der Universität in Düsseldorf
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10.01.2018

Kirche fordert Vorgehen gegen Wohnungsnot Mangelware Wohnraum

Exorbitante Mieten für kleine Klitschen und dunkle Löcher – so sieht die Wohnwirklichkeit in deutschen Städten häufig aus. Die Stadt Köln und die Kirche wollen ihre Kräfte bündeln, um dem Profit-Denken auf dem Wohnungsmarkt entgegenzuwirken. 

DOMRADIO.DE: Wie hängt die Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft mit der katholischen Kirche zusammen?

Benjamin Marx (Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft):  Nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft von dem Kölner Erzbischof Kardinal Frings und dem Aachener Bischof van der Velden gegründet worden, um Wohnraum breiten Bevölkerungsschichten zur Verfügung zu stellen. Mittlerweile sind an der Gesellschaft das Erzbistum Paderborn, das Bistum Trier und das Bistum Münster beteiligt, und wir versuchen tatsächlich im Sinne der katholischen Soziallehre den Menschen Wohnraum zur Verfügung zustellen.

DOMRADIO.DE: Das heißt, es handelt sich um eine Gesellschaft, die viele Immobilien, viele Wohnungen hat. Und nach welchen Kriterien sucht sie aus, wer da wohnen darf? 

Marx: Wir versuchen immer, den Durchschnitt einer Stadt abzubilden, sodass keine Ghettos entstehen. Wir schauen einfach, wie setzt sich eine Stadt zusammen, mit welchen Einkommensstrukturen, welchen Migrationshintergründen und versuchen, das in unseren Häusern bei der Vermietung zu berücksichtigen, damit keine Ghettobildung entsteht.

DOMRADIO.DE: Sie erleben das aus nächster Nähe: Woran krankt der deutsche Wohnungsmarkt am meisten? Warum finden auch Normalverdiener kaum noch eine Wohnung, die sie auch bezahlen können?

Marx: Ich vergleiche den Wohnungsmarkt in Deutschland immer ganz gerne mit dem Automobilmarkt. Der Automobilmarkt kennt den Kompakt und den Kleinwagen, aber der Wohnungsmarkt in Deutschland fängt erst mit dem 3er BMW an. Es gibt aber Menschen, die sich einen 3er BMW nicht leisten können. Und so ist das auch beim Wohnen. Wir müssen für Wohnen sehr viel Geld ausgeben. Das Ganze war mal anders gedacht, als sich in den 1970er und 80er Jahren die Wohnungsgrößen – öffentlich geförderter Wohnraum - verändert haben, um Teilhabe zu ermöglichen. Aber diese Form der Teilhabe grenzt mittlerweile sehr viele Menschen aus. Ich persönlich orientiere mich da lieber an dem Wohnungsmarkt der 1950er Jahre und dem Bauhausstil. 

DOMRADIO.DE: Das heißt, die Wohnungen sind zu groß und zu luxuriös. Ist das richtig? 

Marx: Im Wesentlichen schon und die Bauauflagen entsprechen dem. Heute müssen Wohnungen, die gebaut werden, einen entsprechenden Standard haben. Aber der gefragteste Wohnungsgrundriss ist der Grundriss aus den 1950er Jahren, der auch öffentlich gefördert wurde. Da haben Architekten auf 60 Quadratmetern eine Drei-Zimmerwohnung gezaubert. Ich möchte keine Werbung für ein schwedisches Möbelhaus machen, aber wer mal da mit offenen Augen durchgeht, findet sehr gute Beispiele zur Möblierung von kleinen Wohnungen. Aber diese Kleinwohnungen findet man nur im Altbestand. 

DOMRADIO.DE: Sie sagen, die Stadt und die Kirche tragen in Sachen Wohnungen eine soziale Verantwortung. Wie versuchen Sie bei der Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft, dieser Verantwortung Rechnung zu tragen? Wonach legen Sie zum Beispiel die Mieten fest? 

Marx: Wir orientieren uns am Mietspiegel, der in den jeweiligen Kommunen vorhanden ist und sind in der Regel unter dem mittleren Wert.

DOMRADIO.DE: Hannelore Bartscherer hat im domradio-interview gesagt: Die Kirche gibt auch nicht nur preiswerten Wohnraum ab, sondern sie versuche auch ein bisschen Rendite zu machen. Sehen Sie das anders? 

Marx: Das weiß ich nicht. Ich will jetzt für die Kirche nicht die Hand ins Feuer legen, aber eines darf man nicht vergessen. Die katholischen Wohnungsunternehmen in Deutschland stellen dem Markt 300.000 Wohnungen zur Verfügung, und diese Wohnungen sind nicht alle profitorientiert, sondern decken auch Randgruppen ab, kinderreiche Familien, Senioren oder Alleinerziehende. Wir haben in Berlin zum Beispiel spezielle Wohnungen für schutzsuchende Frauen, die andere Gesellschaften in der Form nicht unbedingt anbieten, aber wir bieten sie an. 

DOMRADIO.DE: Wo könnte die Kirche noch mehr tun, um Menschen zu ihrem Recht für bezahlbares Wohnen zu helfen?

Marx: An dem Thema dran bleiben, immer wieder mahnen, aber nicht in Schwarz-Weiß-Denken verfallen und pauschal irgendetwas behaupten, sondern einfach auch mal darüber nachdenken, wo kann noch ein Grundstück zur Verfügung gestellt werden oder wo kann noch etwas gemacht werden. Aber in den Ballungszentren ist das Thema Grundstück wirklich das Thema. Und dort hat auch die Kirche mittlerweile nicht mehr so viele Grundstücke. Die meisten sind bereits bebaut, wir haben sehr viele Erbbau-Grundstücke, auch hier ganz in der Nähe, Ursulakloster, Ursulagartenstraße, da hat die Kirche schon sehr viel getan.

DOMRADIO.DE: Warum ist das Wohnen so fundamental wichtig für einen Menschen?

Marx: Die Intimsphäre fängt beim Kühlschrank an. Der Mensch muss ein Zuhause haben, er muss sich zurückziehen können, wobei es gar nicht darauf ankommt, wie riesig und groß dieses Zuhause ist. Die Menschen wollen sagen können, das ist meins, hier bin ich und hier bleibe ich. 

Das Interview führte Uta Vorbrodt. 

(DR)

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