Bei realistischen Vorsätzen für das neue Jahr kann man leichter die Füße hochlegen
Bei realistischen Vorsätzen für das neue Jahr kann man leichter die Füße hochlegen
Autor, Psychotherapeut und Theologe Dr. Manfred Lütz
Autor, Psychotherapeut und Theologe Dr. Manfred Lütz

02.01.2018

So klappt es mit den Vorsätzen "Glück allein liegt in einem selbst"

Ein Ziel für 2018: Fünf Kilo abnehmen. Ist das wirklich sinnvoll oder zum Scheitern verurteilt? Was hinter guten Vorsätzen und dem persönlichen Glück steckt, verrät der Psychiater und katholische Theologe, Manfred Lütz, im Interview.

DOMRADIO.DE: Das Jahr 2018 hat gerade erst begonnen. Was haben Sie sich für das neue Jahr vorgenommen?

Manfred Lütz (Autor, Psychiater und katholischer Theologe): Nichts Besonderes. Ich finde es immer ganz wichtig, realistische Ziele zu haben. Utopische Ziele ganz hoch zu hängen, so dass man unten durch kommt, dass funktioniert nicht.

DOMRADIO.DE: Was ist denn ein realitistisches Ziel?

Lütz: Zum Beispiel, dass man überlegt, welche Mitmenschen man vielleicht mal wieder besuchen sollte. Oder mit wem man wieder mal Kontakt aufnehmen könnte. Vielleicht auch, wen man etwas vernachlässigt hat. Oder ein Mensch in der unmittelbaren Umgebung, der Hilfe braucht und sich über einen Kontakt freuen würde. Es gibt ja auch Menschen, von denen man weiß, dass sie um einen Angehörigen trauern und ganz alleine leben. Die freuen sich über einen Besuch.

DOMRADIO.DE: Also diese großen Themen, wie Aufhören zu Rauchen oder fünf Kilo abnehmen, eignen sich gar nicht als Vorsatz?

Lütz: Naja, das mit dem fünf Kilo abnehmen, ist ja immer so eine Geschichte. Es ist in der Tat so, dass zu Beginn des Jahres häufig die Diätthemen aufkommen. Aber man weiß ja, dass Essstörungen nicht durch Diäten weggehen, sondern durch Diäten produziert werden. Mit einer radikale Diäten nimmt man möglicherweise zuerst radikal ab und dann nimmt man aber häufig radikal wieder zu.

DOMRADIO.DE: Gibt es von Ihnen einen generellen Tipp, wie man seine Vorsätze wirklich umsetzen kann?

Lütz: Ich habe mal ein Buch mit dem Namen "Wie Sie unvermeidlich glücklich werden" geschrieben. Der Titel ist leicht ironisch gemeint. Eben gegen diese generellen Universal-Tipps. Gegen diese ganzen Glücksratgeber, in denen ein Autor schreibt, wie er persönlich glücklich wurde und den Leser dann traurig zurücklässt, weil der Leser eben nun mal leider nicht der Autor ist. Diese ganzen Glücksbücher funktionieren ja nur, weil sie nicht funktionieren. Wenn sie funktionieren würden, dann könnte man ein Buch lesen und wäre glücklich.

DOMRADIO.DE: Wie wird man dann glücklich?

Lütz: Erstens: Keine Glücksbücher lesen. Zweitens: Keine Glücksdefinitionen lesen. Denn, wenn die vom eigenen Leben abweichen, dann ist man gleich wieder unglücklich. Stattdessen überlegen, was einen persönlich glücklich gemacht hat. Was zum Beispiel ein besonderer Moment vor ein paar Monaten war; wo man persönlich ein Glücksgefühl hatte. So eine Situation wiederherzustellen. Das macht Sinn! Mehr als dauernd auf andere Ratschläge zu hören.

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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