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13.11.2017

KAB kritisiert Forderungen nach flexiblerer Arbeitszeit "Trennlinie zwischen Arbeit und Freizeit"

Feste Bürozeiten und Feierabend passen nicht zur digitalisierten Welt. So die Meinung der Wirtschaftsweisen, die noch größere Arbeitsflexibilität in Deutschland fordern. Die katholische Arbeitnehmerbewegung sieht das allerdings ganz anders.

domradio.de: Was ist aus Ihrer Sicht so schlimm an dieser Forderung, wenn sowieso jeder andauernd seine Mails kontrolliert und auch am Wochenende an den Rechner geht?

Maria Etl (Bundesvorsitzende der Katholischen Arbeitnehmerbewegung/KAB): Wir von der KAB rücken den Zeitruhestand und die Lebensqualität ins Zentrum unserer Betrachtungen. Das heißt, bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt. Gemeinsame Freizeit ist uns sehr wichtig. Auch deswegen, weil das Familienleben funktionieren soll. Das hat eine sehr große Bedeutung. Es braucht einfach Trennlinien zwischen Arbeit und Freizeit. 

domradio.de: Die Wirtschaftsweisen fordern aber nicht generell längere Arbeitszeiten, sondern nur deren Flexibilisierung. Wenn es um den Wirtschaftsstandort Deutschland geht, sollte man sich dann nicht einfach darauf einlassen? 

Etl: Es ist tatsächlich so, dass die Wirtschaft so argumentiert. Es hat sich alles der Wirtschaft unterzuordnen. Das ist das Gedankengut der liberalistischen Wirtschaft. Aber wir sehen das einfach anders.

Und das sehen auch große Unternehmen, wie VW, mittlerweile so. Die sagen, um 18 Uhr schalten sie ihren Server ab, weil sie nicht wollen, dass ihre Leute rund um die Uhr arbeiten. Das hat auch Folgen. Wenn ich jetzt alles zwischendurch mal machen kann, dann treffe ich mich nicht mehr so oft mit Freunden. Ich kann mich denen ja gar nicht widmen, sondern muss ständig zwischendurch E-Mails beantworten. Die Erholungszeiten bleiben einfach auf der Strecke.

domradio.de: Welche Folgen befürchten Sie denn bei einer Flexibilisierung? Was sind denn die Folgen einer solchen ständigen Erreichbarkeit? 

Etl: Es gibt ja noch eine andere Perspektive, die wir noch gar nicht angesprochen haben. Und zwar: Was wird dann zukünftig sein, wenn wir rund um die Uhr arbeiten? Wird es keine Überstunden mehr geben? Dann wird es auch keine Überstundenzuschläge geben. Das sind alles Folgen, die wir gerade noch nicht bedenken, aber das ist wahrscheinlich so, dass wir dann einfach nur mehr arbeiten. 

domradio.de: Das Thema ist nicht neu und auch die FDP will sich in den Jamaika-Sondierungsgesprächen für eine flexiblere Regelung von Arbeitszeiten bei Arbeitnehmern einsetzen. Glauben Sie, dass sich die FDP damit durchsetzen kann?

Etl: Wir hoffen es nicht. Ich bin nicht wirklich Expertin in der Wirtschaft Deutschlands. Ich bin gebürtige Österreicherin und bin erst seit zwei Monaten in Deutschland. Aber so wie es aussieht, könnte es durchaus im Bereich des Möglichen sein, dass die Politik da einen großen Sprung nach vorne macht. 

domradio.de: Was ist ihr Appell Richtung Berlin? 

Etl: Wir von der KAB Deutschland haben ein Papier zu den laufenden Koalitionsverhandlungen ausgearbeitet. Der erste Punkt ist gute Arbeit für alle. Es müsste ein Programm geben, das die Langzeitarbeitslosigkeit bekämpft und die Arbeitszeiten an die Bedürfnisse und Belange der Beschäftigten und der Familien ausgerichtet werden.

Das zweite ist uns sehr wichtig: Armut beseitigen. Die sozialen Sicherungssysteme und Steuern sollten reformiert werden.

Den dritten Punkt nennen wir: die göttliche Schöpfung bewahren. Es geht darum, Vorreiter in nachhaltigen Energien zu sein. Es müssen jetzt die Weichen zum weiteren Umbau für die sozial-ökologische Wirtschaftsweise gestellt werden. Und natürlich muss die göttliche Schöpfung auch berücksichtigt werden.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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