Die Löffelgalerie vor dem Gasthaus
Die Löffelgalerie vor dem Gasthaus
Pfarrer Ernsting und Benedetto
Pfarrer Ernsting und Benedetto

08.11.2017

Wie Gasthaus und Gastkirche in Recklinghausen funktionieren Begleitung auf Augenhöhe

Morgens um halb acht machen sie im Gasthaus direkt neben der kleinen Gastkirche die Tür auf. Im Herzen von Recklinghausen wollen Pfarrer Ludger Ernsting und sein Team all denen eine Anlaufstelle bieten, die eine solche dringend brauchen.

"Zu uns kommen zum Beispiel Menschen, die den Anforderungen des Arbeitsmarktes nicht genügen, denen ständig signalisiert wird: ‚Wir brauchen euch nicht!`", erklärt Ludger Ernsting. Gemeinsam mit zwei Ordensfrauen, zwei Ordensmännern und vielen Ehrenamtlichen bietet er Tag für Tag seine Unterstützung an – für Arbeitslose und Flüchtlinge, für Senioren am Existenzminimum und darbende Alleinerziehende; in derselben Straße übrigens, in der schon im Mittelalter ein Gasthaus für Arme und Pilger stand.

Zur Klientel des heutigen Gasthauses zählen auch Suchtkranke wie zum Beispiel Benedetto. Der ehemalige Junkie saß jahrelang wegen Beschaffungskriminalität im Knast, findet mit dieser Vorgeschichte keine Anstellung als Gärtner und ist deshalb auf Hartz IV angewiesen. Er leidet darunter, erzählt der 41-Jährige, dass die meisten Leute in ihm den Schmarotzer sehen. "Ich würde mir wünschen, dass die nicht sofort urteilen, sondern mal überlegen, was wirklich hinter meiner Situation steckt".

Ein offenes Ohr finden

Tatsächlich kämpft Benedetto jeden Tag darum, nicht wieder rückfällig zu werden – und gegen seine Depression. Nachmittags sitzt er meist alleine zu Haus und ist sehr froh, dass er wenigstens den Vormittag im Gasthaus verbringen kann. Er kommt zum Gratis-Frühstück und zum Mittagessen; wenn er beim Vorbereiten oder Spülen hilft, muss er auch den Euro nicht bezahlen, den das normalerweise kostet.

Das Essen hier hilft Benedetto sehr dabei, bis zum Monatsende mit seinem Hartz IV-Geld auszukommen. Fast noch wichtiger ist ihm aber, dass die Leute im Gasthaus mehr Zeit zum Zuhören haben als woanders. Wenn er traurig ist, so seine Erfahrung, findet er hier viel eher ein offenes Ohr. "Das ist schon gut, dass das hier eine Kirche ist. Weil hier auch Seelsorge stattfindet", sagt Benedetto.

Damit geht das Konzept von Gasthaus und Gastkirche auf, nach dem Ludger Ernsting und die anderen hier arbeiten:  "Wir beten in unserer Kirche anders, weil direkt daneben die Lebenswirklichkeit des Gasthauses liegt -  mit all den menschlichen Gesichtern, die dazu gehören", glaubt der Geistliche. "Umgekehrt hoffe ich, dass Menschen bei uns an der Gasthaustür erfahren, dass wir ihnen hier anders begegnen, weil nebenan die Kirche ist, uns also ein christliches Menschenbild prägt".

Auf Augenhöhe begegnen

Darunter verstehen die haupt- und ehrenamtlichen Helfer des Gasthauses, Menschen in Notsituationen ein Stück zu begleiten. "Wir sind in dem Sinne keine Opferbetreuung, sondern versuchen, den Betroffenen auf Augenhöhe zu begegnen, sie in ihrer Würde als Menschen zu akzeptieren, zu bestärken und zu unterstützen", so Pfarrer Ernsting.

Dass das immer wieder gelingt, spiegelt sich in dem, was die Betroffenen erzählen. Susanne, die ihren echten Namen nicht nennen möchte, kommt mit dem Verdienst aus diversen Jobs vorne und hinten nicht über die Runden. Sie schämt sich für ihre Lebensumstände; denn Arme in Deutschland, so hat sie es immer wieder erlebt, werden pauschal für ihre Armut verantwortlich gemacht.

Deshalb achtet sie sehr auf ihr Äußeres; keiner soll sehen, wie es ihr wirklich geht. Zu Hause hat sie keinen Strom, daher auch keinen Kühlschrank und kann auch nicht kochen. Ohne die Mahlzeiten im Gasthaus ginge es gar nicht, vor allem aber genießt sie das Gefühl von Gemeinschaft, das sie hier erlebt: "Normalerweise ist immer eine feste Gesellschaft da, da kann man sich unterhalten; das ist so ein Miteinander hier, das ist echt 1 A!"

Hilde Regeniter
(DR)

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