Aktivisten der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen
Aktivisten der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen

06.10.2017

Ican mobilisiert die Welt gegen Atomwaffen Verbot durchsetzen

Für Nobelpreissieger ist die Internationale Kampagne für die Abschaffung von Atomwaffen recht ungewöhnlich: Die Generalsekretärin, die Schwedin Beatrice Fihn, ist erst 34 Jahre alt. Ihr Büro in Genf besteht nur aus vier Leuten, alle unter 35.

Das Bündnis selbst ist deutlich größer: 450 Friedensgruppen und Organisationen, die sich seit Jahren für Abrüstung engagieren.

Vor zehn Jahren kamen sie zusammen, um sich gemeinsam für einen Vertrag gegen Atomwaffen einzusetzen. Treibende Kraft waren nicht Regierungen, sondern Zehntausende Aktivisten in mehr als 100 Ländern. Im Juli 2017 wurde das Vertragswerk unterzeichnet. Es verbietet Herstellung, Besitz, Einsatz und Lagerung von Atomwaffen und kam gegen den Widerstand der Atommächte und den mit ihnen verbündeten Staaten zustande, darunter Deutschland.

Andere Abrüstungsverträge als Vorbild

Vorbild für Ican waren andere Abrüstungsverträge: zum Beispiel das internationale Übereinkommen zum Verbot von Landminen, oder die Verträge zum Verbot von Streumunition oder von chemischen Waffen. Bei solchen Abkommen auf Initiative der Zivilgesellschaft rücken immer die verheerenden Folgen der Waffen für die Bevölkerung ins Zentrum.

Die internationale Ächtung der Waffen setze Regierungen unter Druck, die nicht unterzeichnen, so Ican. Für Fihn ist die Sache einfach: "Ist es akzeptabel, Hunderttausende Menschen umzubringen oder nicht? Wenn nicht, müssten Atomwaffen verboten werden", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur vor der Preisverkündung.

Verbindung zur Evangelischen Kirche

Zu den Ican-Mitgliedern gehören etwa die internationale Juristenvereinigung gegen Atomwaffen, der Internationale Gewerkschaftsbund und aus Deutschland das Forum Friedensethik (FFE) der Evangelischen Landeskirche in Baden.

Der Vertrag tritt in Kraft, wenn 50 Mitglieder ihn ratifiziert haben. Fehn rechnet damit bis Ende nächsten Jahres. Keiner der Atomländer hat ihn unterzeichnet. Deutschland und die anderen Mitglieder des nordatlantischen Atombündnisses (Nato) sagen, das sei mit der Nato-Mitgliedschaft nicht vereinbar.

Christiane Oelrich
(dpa)

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