Medaille mit dem Konterfei von Alfred Nobel
Medaille mit dem Konterfei von Alfred Nobel
Aktivisten der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen
Aktivisten der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen

06.10.2017

Friedensnobelpreis an internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung Junge Organisation mit großem Ziel

Das Nobelkomitee hat entschieden: Der Friedensnobelpreis 2017 geht an die internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung. Die Organisation werde für "ihre bahnbrechenden Bemühungen" gewürdigt, ein Verbot nuklearer Waffen zu erreichen.

Die Organisation, auch kurz Ican genannt, erhalte die Auszeichnung für "ihre Arbeit, Aufmerksamkeit auf die katastrophalen humanitären Konsequenzen von Atomwaffen zu lenken", wie das norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo ergänzte.

Experten hatten im Vorfeld einen Preis im Kontext des Kampfes gegen Atomwaffen vorhergesagt. Die Osloer Jury hatte sich in diesem Jahr unter 318 Anwärtern entscheiden müssen - 215 Personen und 103 Organisationen waren für den Preis vorgeschlagen. Nur wenige Nominierungen waren im Vorhinein bekannt.

Ican mobilisiert die Welt gegen Atomwaffen

Für Nobelpreissieger ist die Genfer Truppe der Internationalen Kampagne für die Abschaffung von Atomwaffen (Ican) ziemlich hipp: Die Generalsekretärin, die Schwedin Beatrice Fihn, ist erst 34 Jahre alt. Ihr Büro in Genf besteht nur aus vier Leuten, alle unter 35. Das Bündnis selbst ist deutlich größer: 450 Friedensgruppen und Organisationen, die sich seit Jahren für Abrüstung engagieren.

Vor zehn Jahren kamen sie zusammen, um sich gemeinsam für einen Vertrag gegen Atomwaffen einzusetzen. Treibende Kraft waren nicht Regierungen, sondern Zehntausende Aktivisten in mehr als 100 Ländern. Im Juli 2017 wurde das Vertragswerk unterzeichnet. Es verbietet Herstellung, Besitz, Einsatz und Lagerung von Atomwaffen und kam gegen den Widerstand der Atommächte und den mit ihnen verbündeten Staaten zustande, darunter Deutschland.

Vorbild für Ican waren andere Abrüstungsverträge: zum Beispiel das internationale Übereinkommen zum Verbot von Landminen, oder die Verträge zum Verbot von Streumunition oder von chemischen Waffen. Bei solchen Abkommen auf Initiative der Zivilgesellschaft rücken immer die verheerenden Folgen der Waffen für die Bevölkerung ins Zentrum.

Die internationale Ächtung der Waffen setze Regierungen unter Druck, die nicht unterzeichnen, so Ican. Für Fihn ist die Sache einfach: "Ist es akzeptabel, Hunderttausende Menschen umzubringen oder nicht? Wenn nicht, müssten Atomwaffen verboten werden", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur vor der Preisverkündung.

Zu den Ican-Mitgliedern gehören etwa die internationale Juristenvereinigung gegen Atomwaffen, der Internationale Gewerkschaftsbund und aus Deutschland das Forum Friedensethik (FFE) der Evangelischen Landeskirche in Baden.

Der Vertrag tritt in Kraft, wenn 50 Mitglieder ihn ratifiziert haben. Fehn rechnet damit bis Ende nächsten Jahres. Keiner der Atomländer hat ihn unterzeichnet. Deutschland und die anderen Mitglieder des nordatlantischen Atombündnisses (Nato) sagen, das sei mit der Nato-Mitgliedschaft nicht vereinbar.

Kolumbiens Präsident Santos Preisträger des Vorjahres

Im vergangenen Jahr hatten die fünf Mitglieder des Nobelkomitees Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos ausgezeichnet. Er erhielt den Nobelpreis für "seine entschlossenen Anstrengungen, den mehr als 50 Jahre andauernden Bürgerkrieg in dem Land zu beenden".

Wenige Wochen zuvor hatten Santos und der Chef der linken Farc-Guerilla, Rodrigo Londoño alias "Timochenko", Geschichte geschrieben, als sie nach Jahrzehnten des Konflikts mit mehr als 220 000 Toten und Millionen Vertriebenen einen Friedensvertrag unterzeichneten.

Überreichung des Preises am 10. Dezember

Wie die Nobelpreise für Medizin, Physik, Chemie und Literatur wird der mit neun Millionen schwedischen Kronen (etwa 940 000 Euro) dotierte Friedensnobelpreis am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel, verliehen. Überreicht wird die Auszeichnung anders als die anderen Nobelpreise nicht in Stockholm, sondern in der norwegischen Hauptstadt Oslo.

Warum Nobel dies entschied, ist nicht bekannt. In seinem Testament legte der Dynamit-Erfinder fest, die Auszeichnung solle an denjenigen gehen, der "am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verkleinerung stehender Armeen" gewirkt hat.

(dpa, epd)

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