Ehemaliger Pfarrer aus Houston über die Flut

Wenn Bebauung verheerende Folgen hat

Warum konnten weite Teile Houstons derart schnell durch die Regenmassen von Hurrikan "Harvey" überflutet werden? Robert Moore ist ehemaliger Pfarrer der örtlichen "Christ the King"-Gemeinde und sieht einen Grund in der Bebauung.

Folgen des Hurrikans Harvey / © Jay Janner (dpa)
Folgen des Hurrikans Harvey / © Jay Janner ( dpa )

domradio.de: Sie stehen im engen Kontakt mit den Menschen in Houston, mit Familie und Freunden, was erzählen die über die Lage vor Ort?

Robert Moore (ehemaliger Pfarrer der örtlichen "Christ the King"-Gemeinde, heute Reformationsbotschafter in Leipzig): Es ist gewaltig, was da passiert. Es gibt Menschen, die sind zum Glück gut davon gekommen, aber andere sind darunter, die haben alles verloren. Das eigene Haus samt Hab und Gut sind in den Fluten verschwunden.

Grundsätzlich kann ich sagen, und das betrifft alle: Die Stadt kann man derzeit noch nicht mit dem Auto erreichen. Die meisten Straßen sind noch überflutet. Das wird sich hoffentlich in den nächsten Tagen ändern.

domradio.de: Jetzt gibt es auch noch die Nachricht, dass es in einer überfluteten Chemiefabrik nordöstlich von Houston zu zwei Explosionen kam. Die Umgebung war vorsorglich evakuiert worden. Das macht die Lage nicht einfacher für die Menschen?

Moore: Das ist ganz schlimm. Ich habe das auch eben erst erfahren, dass es zu dieser Explosion gekommen ist. Bisher ist noch nicht so viel bekannt. Aber es werden zum Glück keine Toten gemeldet. Das ist natürlich am Wichtigsten.

domradio.de: Ihre ehemalige Gemeinde ist die evangelische "Christ the King"-Gemeinde in Houston. Wie sieht es denn an der Kirche aus, ist die auch vom Hochwasser betroffen?

Moore: Zum Teil. Es ist etwas Wasser in die Kirche eingedrungen. Aber sie steht zum Glück nicht völlig unter Wasser. Das Grundwasser ist von unten in den Keller gestiegen. Die Betonplatte könnte geplatzt sein. Das wäre sehr schlimm, aber natürlich nicht so schlimm, wie menschliche Tragödien.

domradio.de: Houston liegt direkt am Golf von Mexiko, müsste man da nicht auf solche Hochwasser vorbereitet sein?

Moore: Ich bin seit 40 Jahren Bürger von Houston und habe in der Zeit schon mindestens fünfmal Hochwasser miterlebt - nach Stürmen und zwei Mal infolge eines Hurrikan. Das erwarten wir alle sieben Jahre und vermutlich jetzt auch häufiger.

domradio.de: Aber scheinbar kann das Land nicht gut mit dem Wasser umgehen?

Moore: Ich glaube, wir sind als Staat nicht richtig vorbereitet. Wir müssten vieles anders machen. Schauen wir uns die Stadt an: Vieles ist aus Beton gebaut. Zu viele Wege sind asphaltiert. Und es fehlt an einer Strategie und Planung für den Fall von solchen Katastrophen: Wie kann man die Menschen schützen, was passiert bei einer drohenden Flut? 

domradio.de: Im Moment wütet der Tropensturm Harvey noch durch das Land. Wie wird es denn weitergehen? Von Katrina in New Orleans wissen wir, dass solche Städte jahrelang mit den Folgen eines solchen Hochwassers kämpfen müssen.

Moore: 2008 brauste Hurrikan "Ike" durch das Land und auch durch Houston. Er verwüstete alles, was er hinter sich ließ. Auch da hat es schon zwei Jahre gedauert, um die offensichtlichen Schäden zu reparieren. Aber insgesamt dürften die Aufbauarbeiten und die Reparatur privater Schäden länger gedauert haben.

Das Interview führt Tobias Fricke.


Robert Moore  / © N.N. (privat)
Robert Moore / © N.N. ( privat )
Quelle:
DR