Smartphone empfängt Godspot
"Godspot" ist den Wählern des Vereins Deutsche Sprache ein Dorn im Auge

25.08.2017

Evangelische Kirche erhält Negativ-Auszeichnung Lieber "Sprachpanscher" als respektlos

Der Wahlkampf plätschert eher vor sich hin - aber immerhin ringen einzelne Organisationen um die deutsche Sprache. Dabei bekam nun die EKD einen Dämpfer, nahm diesen aber "mit lutherischer Gelassenheit" zur Kenntnis.

CDU-Politiker Jens Spahn musste in den vergangenen Tagen viel Spott ertragen. "Elitäre Hipster" grenzten sich heutzutage von Normalbürgern ab, indem sie Englisch sprächen, kritisierte er in der "Zeit". Wer nicht mithalten könne in der "Generation easyJet", der bleibe außen vor. Auf Twitter wurden Spahn sogleich Englisch-Kurse angeboten, Journalisten testeten augenzwinkernd, ob sie in sogenannten Hipster-Vierteln wenigstens noch einen Kaffee auf Deutsch bestellen können.

EKD reagiert gelassen

Am Freitag erhielt die Debatte um die deutsche Sprache neuerlichen Aufwind: Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) erhielt den Negativpreis "Sprachpanscher des Jahres". Nun ist die Kirche selten des Hipster-Daseins verdächtig. Eine Wortschöpfung wie "Godspots" genügte aber, damit der Mehrheit der 2.112 Wähler beim Verein Deutsche Sprache (VDS) regelrecht der Kragen platzte - so hieß es in der Pressemitteilung. Die EKD nahm dies auf Facebook "mit lutherischer Gelassenheit" zur Kenntnis und verwies auf ihre aktuelle Lutherbibel, die das Erbe des sprachmächtigen Reformators bewahren soll.

Wlan-Zugänge namens "Godspot"

Mit "Godspots" bezeichnet die EKD seit 2016 freie Wlan-Zugänge in Kirchengebäuden. Auch die Reformatoren hätten neue Medien wie die Flugschriften genutzt, sagte der evangelische Berliner Bischof Markus Dröge zur Initiative. Der VDS weiß es besser: Das Wort "Godspots" komme einer "Verhöhnung" Luthers gleich, "der für seine Bibelübersetzung oft wochenlang nach deutschen Wörtern suchte". Auch ein Programm der evangelischen Landeskirche Hessen-Nassau unter dem Motto "Segen erleben - Moments of Blessing" sowie eine dazugehörige Installation namens "BlessU-2" hätte Luther nach Einschätzung des Vereins "sicher vor die Tür gesetzt".

Die EKD und ihre Gliedkirchen sind nicht zum ersten Mal ins Visier der Sprachschützer geraten. 2011 stießen ihnen etwa "LutherActivities" sauer auf. 2013 schrieb der VDS über eine Weihnachtsaktion: "Und damit auch alle wissen, was da eigentlich gefeiert wird, hat die Evangelische Kirche Hessen und Nassau allen Gläubigen zum Fest eine aufwendige Girlande mit dem Aufdruck 'Merry Birthday' zugeschickt." Jetzt kritisierte der Verein außerdem, dass zum Evangelischen Kirchentag klassische Liedtexte geschlechtsneutral umgeschrieben worden waren.

Pointierte Wortmeldungen über Sprachgebrauch und sprachliche Veränderungen können durchaus Debatten anstoßen. Zu Jahresbeginn wurde "Volksverräter" zum Unwort des Jahres 2016 gekürt, im Vorjahr war es "Gutmensch". Wort des Jahres 2016 wurde "postfaktisch". Alle drei Beispiele greifen gesellschaftspolitische Entwicklungen auf; die Jurys warben jeweils für einen reflektierten Umgang mit Worten.

Sprache fornt Wahrnehmung und Denken

Sprache bildet Realität nicht einfach ab, sondern formt Wahrnehmung und Denken. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die Umbenennung der "Aktion Sorgenkind" in "Aktion Mensch" - dies soll seit 1999 auf das größere Aufgabenspektrum hindeuten, aber auch auf einen neuen Umgang mit Menschen mit Behinderung.

An Menschen mit Behinderung oder einer kognitiven Einschränkung richtet sich auch die Leichte Sprache. Sie sorgte im Frühjahr auf den Wahlbenachrichtigungen zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein für Aufsehen. Der VDS erwähnt den Landeswahlleiter nun als weiteren Kandidaten für die "Sprachpanscher"-Auszeichnung, weil er mit seiner "dummdeutschen Wahlbenachrichtigung" viele Bürger verärgert habe.

"Dummdeutsch" ist nicht nur ein ignoranter, sondern auch ziemlich respektloser Begriff. Die passende Wortwahl also für einen Verein, der sich als Sprachhüter feiert? Niemand muss ein Fan der Leichten Sprache sein; wer Respekt vor der Sprache einfordert, sollte aber deren Anliegen ernstnehmen: möglichst vielen Menschen die Teilhabe am öffentlich-politischen Leben zu ermöglichen. Das war übrigens in gewisser Weise auch ein Bedürfnis desjenigen, der einst die Bibel ins Deutsche übersetzte: Martin Luther.

Paula Konersmann
(KNA)

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