Raubbau im Amazonas
Raubbau im Amazonas
Klemens Paffhausen
Klemens Paffhausen

09.08.2017

Adveniat zum Welttag der indigenen Völker "Ureinwohner müssen gehört werden"

Die Ureinwohner an vielen Orten der Welt kämpfen noch immer um ihr Land und ihre Rechte, erklärt der Brasilien-Referent von Adveniat am Welttag der indigenen Völker gegenüber domradio.de.

domradio.de: Das katholische Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat beklagt besonders die schleichende Ausrottung der indigenen Völker im Amazonasgebiet. Was passiert da?

Klemens Paffhausen (Brasilien-Referent beim katholischen Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat): Als Vertreter unseres Hilfswerks reise ich häufig nach Lateinamerika und immer wieder auch in das Amazonasgebiet, das derzeit ein Schauplatz großflächiger Abholzungen ist. Man kann es regelrecht spüren, wenn man dort unterwegs ist.

Im letzten Jahr bin ich nach Brasilien in den Ort Itaituba gereist. Das ist eine kleine Stadt zwischen den Städten Manaos und Santarém. Dort werden für den Sojatransport große Straßen gebaut. Immer wieder kommt man an brennenden Holzflächen vorbei. Das ist mit Händen zu greifen, wie dort der Wald immer mehr zurückgedrängt wird.

domradio.de: Wie beurteilen Sie die Indigenen-Politik des unter Korruptionsverdacht stehenden, brasilianischen Präsidenten Michel Temer?

Paffhausen: Die augenblickliche, von riesigen Schmiergeldzahlungen und juristischen Winkelzügen geprägte Regentschaft von Temer wäre schon allein ein Thema für sich. Es ist also sehr skandalös. Aber was die Indigenen angeht, zeichnete sich auch schon zu Zeit der Vorgängerregierung eine Politik ab, die mehr auf Export und Expansion setzt. Vor allem beim Sojaanbau, aber auch beim Bau von großen Staudämmen. Damit werden die Lebensräume der Indigenen immer weiter zurückgedrängt.

domradio.de: Die Kirche in den neun Amazonasstaaten hat sich 2014 zum Netzwerk "Repam" zusammengeschlossen, um länderübergreifend für die Rechte der Indigenen in der riesigen Region kämpfen zu können. Adveniat oder Misereor unterstützen das Netzwerk. Was sind denn die Schwerpunkte dieses Netzwerks?

Paffhausen: Generell kann man sagen, Repam versucht die Anliegen der Natur, die Bewahrung der Schöpfung, aber auch die Anliegen der dort lebenden Menschen in Einklang zu bringen. Gerade, was die Indigenen angeht, kann die katholische Kirche hier sehr viel vorweisen.

domradio.de: Was zum Beispiel?

Paffhausen: In Brasilien wurde Ende der 1970er Jahre auf Initiative der brasilianischen Bischofskonferenz der Indianermissionsrat CIMI gegründet. Das ist eine der wichtigsten Menschenrechtsorganisationen, der die indigenen Völker vor Ort unterstützt. CIMI hat Mitarbeiter direkt in indianischen Gemeinschaften. Unterstützt wird der Rat von Adveniat und Misereor.

Dadurch ließen sich viele Projekte realisieren, die die Lebensgrundlagen und die gesundheitlichen Bedingungen der Indigenen verbessern oder auch ihre Kultur, ihr Sprachgut und Landrechte verteidigen.

domradio.de: An der rücksichtslosen Ausbeutung von Rohstoffen im Amazonasgebiet sind auch deutsche Firmen beteiligt. Mit welchen Forderungen wenden Sie sich von Adveniat deshalb an die deutsche Politik? 

Paffhausen: Es ist sehr wichtig, dass die Firmen, die sich im Amazonas niederlassen, sich mit den Indigenen an einen Tisch setzen. Uns ist es wichtig, dass die Menschen vor Ort gehört werden. Die amerikanische Menschenrechtskommission hat diesbezüglich schon eine Konvention der UNO anerkannt, in der es darum geht, dass wenn in die Lebenswelten der Bevölkerung eingegriffen wird, dass dann auch die Menschen angehört werden müssen. Und genau das würden wir uns auch von der deutschen Politik wünschen. Es wäre also notwendig, dass diese Konvention auch vom deutschen Bundestag anerkannt wird.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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