Nach Messerangriff in Hamburg - Blumen vor dem Supermarkt
Nach Messerangriff in Hamburg - Blumen vor dem Supermarkt

30.07.2017

Gedenken für die Opfer von Barmbek Absage an den Hass

Der Messerangriff in Hamburg hat viele Menschen erschüttert und eine neue Debatte über Abschiebungen ausgelöst. Viele fordern eine härtere Gangart gegen abgelehnte Asylbewerber. Die Kirche indes appelliert daran, nicht den Hass sprechen zu lassen. 

In einem Gottesdienst unter freiem Himmel haben am Sonntag in der Hamburger Hafencity mehr als 500 Christen der Opfer des Messerangriffs von Barmbek gedacht. Mitgefühl sei die Sprache des Verstehens, sagte die evangelische Bischöfin Kirsten Fehrs in ihrer Predigt. "Die Stille würdigt die Unaussprechlichkeit des Schmerzes." Sie forderte die Menschen auf, sich nicht vom Hass überwältigen zu lassen.

Gemeinsames Gebet für die Opfer

Bereits am Samstag hatte die Nordkirche an die Opfer des Anschlags erinnert. Am Freitag waren im Stadtteil Barmbek ein Mann getötet und sechs Menschen verletzt worden. Es sei verstörend und erschütternd, wenn die Gewalt so dicht an die Menschen heranrücke, sagte Fehrs. Gemeinsam beteten mehrere Hundert Menschen auf den Magellan-Terrassen das "Vater Unser".

Es sei wohltuend, gemeinsam ein Gebet für die Opfer zu sprechen, betonte Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne). Die Gemeinschaft in Hamburg könne helfen, die Angst der Menschen zu überwinden. Fegebank: "Diese Stadt wird sich nicht einschüchtern lassen."

Täter sitzt in Untersuchungshaft

Ein abgelehnter Asylbewerber hatte am Freitag in einem Supermarkt auf Passanten eingestochen. Ein Mann wurde getötet, sechs weitere Menschen wurden verletzt. Der Täter war den Behörden als Islamist bekannt, aber nicht als gefährlicher Dschihadist. Gegen den Angreifer wurde am Samstag Haftbefehl erlassen. Er sitzt wegen des Verdachts auf Mord sowie fünffachen versuchten Mordes in Untersuchungshaft. Für eine verminderte Schuldfähigkeit gebe es derzeit keine belastbaren Hinweise, hieß es.

Der 26-jährige Tatverdächtige ist nach Angaben der Hamburger Behörden Palästinenser, wurde in den Vereinigten Arabischen Emiraten geboren und kam im März 2015 über Norwegen nach Deutschland. Nach der Ablehnung seines Asylantrags Ende 2016 lief das Abschiebeverfahren. Es fehlten aber noch die erforderlichen Papiere.

Politiker danken für Zivilcourage

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Politiker aller Parteien hatte den Angehörigen des Todesopfers am Samstag ihr Mitgefühl ausgesprochen und eine schnelle Aufklärung gefordert. "Ich trauere um das Opfer der grausamen Attacke in Hamburg. Seinen Angehörigen gilt mein tiefes Mitgefühl", sagte Merkel. Den Verletzten wünsche sie "vollständige Genesung der körperlichen und seelischen Wunden". Die Kanzlerin dankte der Polizei für ihren Einsatz "sowie all jenen, die sich mit Zivilcourage und Mut dem Täter entgegengestellt haben".

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und Innensenator Andy Grote (beide SPD) legten in Barmbek am Ort des Anschlags Blumen nieder und sprachen mit Augenzeugen. Auch der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, würdigte auf Twitter das "mutige Eingreifen der jungen Männer, sie haben Hamburg vereidigt. Wir stehen zusammen und trauern um die Opfer".

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) warnte vor vorschnellen Urteilen. "Wir müssen damit rechnen, dass die dschihadistische Ideologie als Begründung oder Rechtfertigung für Taten herangezogen wird, die vielleicht aufgrund ganz anderer Motive begangen werden", sagte er.

Forderung nach härteren Maßnahmen 

Union und SPD wollen den Druck auf Ausreisepflichtige erhöhen. So fordert Armin Schuster, CDU-Obmann im Innenausschuss des Bundestages, mehr Kompetenzen des Bundes bei Abschiebungen. Auswärtiges Amt, Bundespolizei und Bundesinnenministerium hätten eine "andere diplomatische Power als die Ausländerbehörde Buxtehude oder Kleve", sagte Schuster der Zeitung "Welt am Sonntag". Er forderte die SPD auf, Transitzentren in Grenznähe zuzustimmen.

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sagte der "Bild am Sonntag" der "verfahrenstechnische Teufelskreis" bei Abschiebungen müsse beendet werden: "Wenn eine Radikalisierung bekannt ist, müssen solche Personen aus dem Verkehr gezogen und festgesetzt werden, bevor sie Taten begehen."

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Burkhard Lischka, erklärte, dass auf "kooperationsunwillige Herkunftsländer auch wirtschaftlicher Druck ausgeübt werden muss, um Rückführungen ihrer Staatsbürger zu ermöglichen". Die deutschen Behörden müssten zudem Meldeauflagen, Aufenthaltsbeschränkungen oder Abschiebehaft nutzen. 

 

 

(epd, KNA)

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