Trauer in Nizza
Trauer in Nizza
Der LKW als Tatwaffe bei Anschlag in Nizza
Der LKW als Tatwaffe bei Anschlag in Nizza

14.07.2017

Ein Jahr nach den Anschlägen in Nizza Viele Menschen leiden unter Traumata

30.000 Menschen feierten am 14. Juli 2016 in Nizza den französischen Nationalfeiertag als ein LKW in die Menge raste. Mehr als 80 Menschen kamen dabei ums Leben. An diesem Freitag gedenkt die Stadt der Opfer.

"Die Rückkehr des Sommers mit seinen Farben und Gerüchen macht auch die Erinnerungen wieder lebendiger", sagt Thierry Vimal der französischen Zeitung "Sud Ouest". Er habe das Bild seiner Tochter noch genau vor Augen. Die 12-Jährige starb kurz nachdem ein LKW am 14. Juli 2016 - dem Nationalfeiertag der Franzosen - um 22.45 Uhr auf der Strandpromenade von Nizza in eine Menschenmenge gerast war. 86 Menschen kamen ums Leben, 400 wurden verletzt und Hunderte traumatisiert.

Vimal erreichte die Promenade acht Minuten nach dem Attentat. Er sah, wie das Leben seiner Tochter im Krankenhaus endete. "Für mich haben sich die Zeit und der Raum verändert", sagt er. Seitdem die Tage heißer und länger werden, habe er das Gefühl, seine Tochter sei vor wenigen Tagen gestorben.

Etwa 3.000 Menschen leiden an Traumata

Wie Vimal geht es Vielen in diesen Tagen. Schätzungsweise 3.000 Menschen leiden an Traumata - besonders viele Kinder. Sie können nicht mehr schlafen, haben aufgehört zu sprechen oder können sich nicht mehr konzentrieren. Erwachsene haben Schwierigkeiten, an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren oder sich um ihren Nachwuchs zu kümmern.

Rund 1.200 Mädchen und Jungen haben laut der französischen Zeitung "La Croix" Hilfe in der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Krankenhauses Lenval in Nizza gefunden. Täglich empfangen die Spezialisten Familien, die unter den Folgen von Anschlägen leiden. Durch die Fenster kann man die Promenade, auf der sich das Unglück abspielte, sehen.

Viele Kinder noch heute Angstzustände

Die Mediziner und Psychiater freuen sich über kleine Erfolge. Eine Fünfjährige, die nach dem Attentat nur noch ins Ohr ihrer Mutter flüsterte, bewegten sie, das Erlebte zu malen und brachten sie dadurch wieder zum Reden. Das Mädchen hatte zusehen müssen, wie ihre Mutter von einem Rad des LKWs verletzt wurde. Ihren fünften Geburtstag im Juli wollte sie nicht feiern - aus Angst, das Attentat könne sich danach wiederholen.

Solche Geschichten gibt es viele. Um ihren Patienten zu helfen, wenden die Spezialisten auch neue Methoden an. Eine davon ist, dass sie mit den Betroffenen nicht über die Ereignisse reden, sondern versuchen, positive Gefühle bei ihnen auszulösen, etwa indem sie mit ihnen Comics auf einem Bildschirm zeichnen oder Videos anschauen. Ersten Erkenntnissen zufolge helfen solche Dinge den Menschen, ruhiger zu werden und besser zu schlafen.

3.000 Anträge auf Entschädigung

Neben der seelischen Unterstützung haben einige Opfer oder Angehörige auch eine finanzielle Entschädigung aus einem Fonds erhalten. Insgesamt gab es 3.000 Anträge auf Entschädigung. 600 wurden abgelehnt, 600 angenommen und 740 werden noch bearbeitet - darunter auch viele Entschädigungsanfragen aufgrund seelischer Leiden. Oben auf der Liste stehen die Verletzten und die Angehörigen von Verstorbenen.

Ein Feuerwerk zum Nationalfeiertag, so wie in den vergangenen Jahren, wird es laut Nizzas Bürgermeister in diesem Jahr nicht geben. "Der 14. Juli sollte der Moment der Erinnerung und Würdigung der Opfer sein", sagte Christian Estrosi der Zeitung "L'Express" (Sonntag).

Estrosi reiste im vergangenen September mit einer Delegation von Angehörigen und Opfern in den Vatikan und traf dort auch mit Papst zusammen. Franziskus hatte Nizzas Bürgermeister am Tag nach den Anschlägen persönlich angerufen und das Treffen angeboten.

Gedenken der Opfer in der Kathedrale von Nizza

In Gedenken an die Opfer findet bereits am Donnerstag eine Messe in der Kathedrale Sainte Reparate mit dem Bischof von Nizza, Andre Marceau, statt. Am Freitag, dem Nationalfeiertag, ist zudem eine interreligiöse Feier geplant. Außerdem wollen Einwohner der Stadt aus blauen, weißen und roten Karten - den französischen Nationalfarben - ein 170 Meter großes Mosaik legen. Auf den Karten soll Platz sein für Wünsche und Erinnerungen.

Nachmittags findet schließlich eine Militärparade für die Opfer, Sicherheitskräfte und die medizinischen Helfer statt. Daran wird auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron teilnehmen. Abends soll ein Chor-Konzert auf der Strandpromenade stattfinden. Dort, wo vor einem Jahr das Attentat für Entsetzen sorgte.

Franziska Broich
(KNA)

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