Kinderarbeit in Afrika: Viele Kinder arbeiten in Goldminen
Kinderarbeit in Afrika: Viele Kinder arbeiten in Goldminen

12.06.2017

Welttag gegen Kinderarbeit: terre des hommes schlägt Alarm "Arbeit unter lebensbedrohlichen Bedingungen"

Weltweit müssen geschätzte 200 Millionen Kinder arbeiten. Das Kinderhilfswerk terre des hommes schlägt jetzt Alarm: Der Klimawandel verschärfe die Ausbeutung von Kindern noch mehr, sagt Kinderrechtsexpertin Antje Ruhmann bei domradio.de.

domradio.de: Sie sagen: Der Klimawandel verschärft die Ausbeutung von Kindern. Können Sie uns diesen Zusammenhang erklären?

Antje Ruhmann (Kinderrechtsexpertin bei terre des hommes): Der terre des hommes-Arbeitsbericht 2017 zeigt, dass Klimawandel und Umweltzerstörung die Ausbeutung von Kindern insgesamt verschärfen. Wir haben das anhand von fünf Länder-Beispielen analysiert: Nepal, Indien, Burkina Faso, Peru und Nicaragua. Das Beispiel Burkina Faso zeigt, dass der Klimawandel in der Sahelzone zu nicht vorhersehbaren Wetterbedingungen und zu immer stärker ausgelaugten Böden führt. Die Familien sind gezwungen, sich alternative Einkommensquellen zu suchen - immer mehr Familien wandern zu den Goldminen ab. Die Kinder arbeiten dort unter gefährlichen und ausbeuterischen Bedingungen.

domradio.de: Wie muss man sich die Kinderarbeit vor Ort genau vorstellen?

Ruhmann: Die Situation in den Minen Burkina Fasos ist sehr dramatisch. Die Kinder arbeiten illegal dort; die Schächte sind komplett ungesichert. Die Kinder gehen durch kleine Löcher in die Erde und helfen dort beim Schürfen und Waschen des Goldes. Es ist extrem dunkel und heiß, immer wieder stürzen Schächte ein. Die Kinder arbeiten also unter lebensbedrohlichen Bedingungen. Sie haben natürlich auch keine Schutzkleidung. Sie sind generell sehr arm. Sie haben weder eine medizinische Versorgung noch ausreichend zu Essen.

domradio.de: Ist Kinderarbeit eigentlich nur ein Phänomen in armen Entwicklungssländern? Oder gibt es das auch hier mitten unter uns?

Ruhmann: Kinderarbeit ist natürlich verstärkt in armen Ländern anzutreffen, aber es gibt sie durchaus auch bei uns. Wir haben auch in Deutschland Fälle von ausbeuterischer Kinderarbeit, zum Beispiel bei den Flüchtlingskindern. Wir haben schon letztes Jahr darauf hingewiesen, dass immer mehr geflüchtete Kinder in der Prostitution, im Drogenhandel oder auch in der Zwangsbettelei organisierter Banden tätig sind. Denn häufig müssen sie noch Gelder bei den Schleusern zurückzahlen oder sie wollen ihre Familien in der Heimat oder auf der Flucht unterstützen. Dieses Phänomen ist also durchaus auch in den Industrieländern bekannt.

domradio.de: Es gibt die Konvention der internationalen Arbeitsorganisation ILO, die ein Mindestalter für die Beschäftigung von Kindern vorsieht. Über 160 Staaten haben diese unterzeichnet. Warum gibt es trotzdem noch Kinderarbeit?

Ruhmann: Der Hauptgrund für Kinderarbeit ist die Armut der Familien. Das vorhandene Einkommen reicht nicht für das Überleben der Familie aus. Deswegen müssen die Kinder zusätzliches Einkommen schaffen, um die Lücke zu füllen. Viele Kinder entscheiden sich aufgrund der prekären Situation der Familien auch freiwillig dazu, arbeiten zu gehen. Sie wollen in der Not einfach helfen. Es gibt auch kulturelle Gründe, die Kinderarbeit befördern - wie zum Beispiel das Kastenwesen in Indien. Es führt dazu, dass manche Bevölkerungsteile quasi dazu "vorgesehen" sind zu arbeiten - das schließt auch die Kinder mit ein. Zudem sind Kinder billige Arbeitskräfte. In der Produktion vieler Waren ist die Kinderarbeit deshalb auch ein "Standortvorteil", weil sie für die Unternehmen günstige Produktionsbedingungen bietet.

Das Gespräch führte Tobias Fricke.

(dr)

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