Heim für HIV-positive Waisen in Südafrika
Heim für HIV-positive Waisen in Südafrika

06.06.2017

Ein Bayer gründete Südafrikas größte Hilfsorganisation "Bruderschaft des Seligen Gerhard" wird 25 Jahre alt

Deutsche Afrika-Missionare gehören zu einer aussterbenden Art. Der Bayer Gerhard Lagleder ist einer von ihnen. Auch wenn er schon über 60 ist - er hat noch viel vor.

Er ist ein begabter Bettler, ein zupackender Kirchenmann - und hat, wie er sagt, "ein bayerisches Herz, das für Südafrika schlägt": Seit 30 Jahren ist der Oberpfälzer Gerhard Lagleder Missionar. Vor 25 Jahren gründete er die heute größte katholische Hilfsorganisation des Landes, die sich rein aus Spenden finanziert. Noch bis Ende Juni tourt der Ordensmann durch Deutschland, um einen Großteil der jährlich benötigten 1,5 Millionen Euro aufzubringen.

Mehr als 2.500 Mitglieder zählt seine "Bruderschaft des Seligen Gerhard" inzwischen. Wobei der Name weniger auf ihn, sondern auf den Patron des Malteserordens verweisen soll, der im Mittelalter in Jerusalem das berühmteste Hospital der Christenheit leitete. Pater Lagleder ist den Maltesern seit langem verbunden.

Berührt vom Schicksal einer Frau

Als der Missionsbenediktiner von seinem Kloster Sankt Ottilien nach Afrika entsandt wurde, begann er als einfacher Gemeindepfarrer - und hatte bald ein Schlüsselerlebnis: Ein Notruf führte ihn zu einer kranken Frau, die über Rückenschmerzen klagte. Der gelernte Sanitäter drehte sie zur Seite und blickte in eine große, offene Wunde, von Maden übersät. Lagleder lud die Frau samt Matratze auf seinen Pick-up und fuhr zu seinem Pfarrgemeinderatsvorsitzenden, einem Arzt. Der überwies sie sogleich ins Krankenhaus, wo die Patientin aber noch in derselben Nacht starb.

Mit dem Arzt-Ehepaar und einer weiteren Familie aus seiner Pfarrei gründete der Bayer kurz darauf seine Bruderschaft. Verwahrloste, unversicherte Kranke sind bis heute ihre wichtigste Zielgruppe. Alle Dienste bietet sie kostenfrei an. Ihre besondere Zuwendung gilt HIV-Infizierten. Mandeni, Sitz der Bruderschaft, rund 100 Kilometer nördlich der Hafenstadt Durban, gelangte vor Jahren als Aids-Hochburg zu trauriger Berühmtheit, mit der weltweit höchsten Ansteckungsrate von 76 Prozent.

Mehr Medikamente

Die "Brotherhood of Blessed Gerard" betreibt das größte stationäre Hospiz Südafrikas. Stolz ist der Pater auf den hohen Anteil ehrenamtlicher Pfleger. Nach einer Basisausbildung machen sie die Betten, geben Essen aus. Tagsüber gibt es kein Krankenzimmer, in dem nicht ständig ein Pflegehelfer da ist. "So brauchen die Patienten die Glocke gar nicht läuten", erzählt Lagleder.

Die Aids-Problematik hat sich mittlerweile etwas entschärft. Die Provinzregierung von KwaZulu-Natal stellt anti-retrovirale Medikamente zur Verfügung. Damit können die Patienten noch etliche Jahre relativ beschwerdearm leben. "Und das Beste daran: Wer sich so behandeln lässt, ist nicht mehr ansteckend und kann wieder arbeiten", berichtet der Missionar. Darin liege die Lösung für Aids in Afrika, nicht in Kondomen.

Ausgesetzt

Auch wegen dieser Behandlungserfolge sinkt die Zahl der Aidswaisen im Kinderheim der Bruderschaft. Aber überflüssig geworden ist diese Einrichtung deshalb noch nicht. Kinder werden von ihren armen Eltern ausgesetzt, Passanten an einer roten Ampel vermeintlich nur kurz in die Hand gedrückt oder vor der Tür einer Sozialarbeiterin abgelegt.

61 Jahre alt ist Lagleder inzwischen, ans Aufhören denkt er noch lange nicht. Dafür hat er viel zu viele Pläne, für eine Krankenpflegeschule oder eine Werkstatt für behinderte junge Menschen. "Ein Grundstück mit Haus hätten wir schon, aber das kostet 54.000 Euro."

Spendengelder aus Deutschland

Da über 90 Prozent der Spenden aus Deutschland und Österreich stammen, kommt es nun wieder auf seine Bettelkünste an, denn außer ihm spricht keiner in der Bruderschaft deutsch. Dabei genießt es der Ordensmann auch, Heimatgefühle zu tanken, sei es im Regensburger Dom, wo er Messdiener war und zum Priester geweiht wurde, oder in seinem Mutterkloster im Oberland.

Um die Zukunft seiner Gründung ist Lagleder nicht bang. Er vertraut ganz auf den Seligen Gerhard, von dem nur dieser eine Ausspruch überliefert ist: "Unsere Bruderschaft wird unvergänglich sein, weil der Boden, auf dem diese Pflanze wurzelt, das Elend der Welt ist, und weil, so Gott will, es immer Menschen geben wird, die daran arbeiten, dieses Leid geringer, dieses Elend erträglicher zu machen."

 

 

 

Christoph Renzikowski
(KNA)

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