02.06.2017

Kölner Aktion gegen Hungerkatastrophe in Afrika "Die Lage ist besonders schlimm"

Angesichts der drohenden Hungerkatastrophe in Afrika hat das Bündnis "Gemeinsam für Afrika" an diesem Freitag bundesweite Straßenaktionen veranstaltet. So auch am Kölner Dom. Im Interview berichten zwei Aktivisten von ihrem Engagement.

domradio.de: Die Situation in Afrika ist sehr ernst. Die UNO warnt schon vor einem Massensterben. Auf die Lage auf dem Kontinent machte an diesem Freitag eine bundesweite Straßenaktion aufmerksam, die "Gemeinsam für Afrika" heißt. Zu diesem Bündnis gehören 22 deutsche Hilfsorganisationen unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Steinmeier. Sie haben sich an einer Aktion auf dem Bahnhofsvorplatz am Kölner Dom beteiligt. Wie besorgt sind Sie wegen der Lage in Afrika?

Nuri Köseli (Hilfsorganisation "Islamic Relieve"): Wir sind sehr besorgt, weil 25 Millionen Menschen von dieser Dürre und der Hungersnot betroffen sind. Bei der letzten großen Dürre im Jahr 2011 waren 11,5 Millionen Menschen betroffen. Folglich ist die derzeitige Situation besonders schlimm. Alleine im Südsudan befinden sich 250.000 Kinder durch Hunger in Lebensgefahr.

domradio.de: Kann man sagen, dass es die schlimmste Hungerkatastrophe seit 30 Jahren ist?

Köseli: Es ist definitiv eine der größten Dürrekatastrophen der letzten 30 bis 50 Jahre. 

domradio.de: Unter anderem auf dem Bahnhofsvorplatz in Köln haben Sie auf diese Situation aufmerksam gemacht. Welche Aktion gab es dort?

Steven Tümler (Bündnis "Gemeinsam für Afrika"): Wir von der Bündniskampagne "Gemeinsam für Afrika" gehen jedes Jahr auf die Straße. In diesem Jahr haben wir natürlich den schon angesprochenen besorgniserregenden Grund. Es geht uns ganz speziell darum, dass wir hier in Deutschland nicht wegschauen dürfen. Wir dürfen so eine massive Hungerkatastrophe nicht einfach ausblenden. In den Medien ist es aktuell auch so, dass diese Hungerkatastrophe nicht wirklich viel Aufmerksamkeit bekommt. Daher sehen wir uns dafür verantwortlich, dass die Zivilbevölkerung darüber informiert wird. Wir wollen symbolisch zeigen: "Passt auf, da ist gerade etwas, was so nicht sein darf."

domradio.de: Sie haben eine große Karte von Afrika präsentiert. Was hat es damit auf sich? 

Tümler: Wir weisen sehr eindringlich darauf hin, welche Regionen und spezielle Länder, wie beispielsweise Somalia, der Tschad, Nigeria oder auch der Südsudan, von der Dürrekatastrophe und den kriegerischen Konflikten betroffen sind. Wir zeigen zudem auf dieser Afrikakarte Fakten auf: Wie viele Menschen sind betroffen und welche Gründe dazu führen, dass diese Menschen Hunger leiden müssen.

domradio:de: Sie haben auch vor Ort Geld gesammelt. Was wird mit diesem Geld passieren? 

Tümler: Es ist so, dass die Hilfsorganisationen, die in unserem Bündnis vereint sind, natürlich in ihrer tagtäglichen Arbeit in Afrika auch in langfristigen Projekten unterwegs sind. Jetzt ist es eine akute Situation, wo auch die Organisationen vor Ort ihre Arbeit auf Soforthilfe umstellen. Es geht darum, dass wir Trinkwasser und Nahrung an die notleidenden Menschen verteilen und medizinische Grundversorgung leisten. Diese Arbeit ist natürlich auch abhängig von den finanziellen Mitteln. Deshalb ist es unsere Aufgabe, dass die Leute sich mit den hungerleidenden Menschen solidarisieren.

domradio.de: Jetzt gab es ja erst vor wenigen Tagen den G7-Gipfel. Herausgestellt hat sich ein neues Enfant terrible. Donald Trump will einerseits aus den Pariser Klimaverträgen raus, blockiert aber auch bei der Entwicklungshilfe. Beides Themen, die für die Hungerregionen in Afrika wichtig sind. Wie haben Sie die G7-Ergebnisse beobachtet? 

Köseli: Mit der damaligen Pariser Vereinbarung wurde ein Meilenstein gelegt. Das jetzt ist eine Rückentwicklung. Wir sind traurig darüber. Es ist ein Rückschlag, da CO2-Emissionen direkten Einfluss auf den Klimawandel haben. Wir haben auch lange von El Niño, dem Klimaphänomen mit den extremen Klimawandlungen, gehört. Die haben natürlich auch Einfluss auf die derzeitige Situation der Menschen in Afrika. Insofern ist es wirklich eine traurige Angelegenheit. 

domradio.de: Sie gehören zu den 22 Hilfsorganisationen, in denen das Bündnis "Gemeinsam für Afrika" drin ist. Der Schirmherr ist Frank-Walter Steinmeier, der Bundespräsident. Er hat vermutlich einen direkten Draht ins Weiße Haus. Haben Sie einen Wunsch an ihn?

Tümler: Der Wunsch, vor allem an die Politik im Allgemeinen ist, dass wir Taten sprechen lassen. Wir reden im Moment sehr viel über die Dinge, die passieren können, was auch wichtig ist. Aber wir dürfen nicht abstumpfen, wir dürfen nicht die aktuelle Situation aus dem Blick verlieren. Deshalb ist die Aufforderung an die politischen Akteure weltweit, dass wir jetzt Unterstützung brauchen. An alle geht die Bitte, dass wir und unsere Hilfsorganisationen vor Ort jegliche Hilfe brauchen. Jede Spende rettet Leben. 

Das Interview führte Tobias Fricke.

(dr)

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