Frau mit Laptop
In der digitalen Welt gefangen?
Sozialphilosoph Oskar Negt
Sozialphilosoph Oskar Negt

30.04.2017

Sozialphilosoph warnt vor Folgen der Digitalisierung "Ich denke, also bin ich"

Der Sozialphilosoph Oskar Negt fürchtet, dass die Digitalisierung die Menschheit in ein neues Zeitalter der Sklaverei treiben könnte. Die Automatisierung gefährde zudem Arbeitsplätze, so Negt.

"Die von uns angestoßene künstliche Intelligenz schreibt zunehmend ihre eigenen Gesetze - und nötigt uns auf, ihnen zu folgen", sagte Negt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Über Jahrhunderte sei die Arbeit schmutzig und entfremdet gewesen. Digitalisierung und Robotik hätten der Menschheit nun Möglichkeiten geschaffen, sich von der Knochenarbeit zu befreien, so Negt weiter. Zugleich bestehe aber die Gefahr, dass die Automatisierung massenhaft Arbeitsplätze vernichte.

"Rechtspopulisten werden mit den Ängsten spielen"

Weil Arbeit jedoch nicht nur Broterwerb sei, "sondern ein essenzieller Teil der Persönlichkeit, an dem viel der eigenen Würde hängt", begegneten viele Menschen der Digitalisierung mit Sorge. "Ich fürchte, es ist nur eine Frage der Zeit, bis die so stark gewordenen Rechtspopulisten in Europa und den USA auch mit den Ängsten vor den Folgen der Digitalisierung spielen werden", sagte Negt.

Negt fordert Praktika im Sozial- oder Umweltbereich

Als Ausgleich zur zunehmenden Digitalisierung des Alltags forderte Negt, einer der letzten lebenden Vertreter der Frankfurter Schule, schon in Erziehung und Ausbildung die "unmittelbare körperlich-sinnliche Erfahrung" zu stärken - etwa durch Praktika im Sozial- oder Umweltbereich, die gleichberechtigt mit dem Regelstoff im Lehrplan stehen: "Die Erfüllung von Bildungsnormen darf nicht das oberste Ziel der Schule sein".

"Wieder zu träumen wagen"

Stattdessen bedürfe es junger Menschen, "die nicht nur brav in der Spur laufen, sondern eigenständig denken und wieder zu träumen wagen." Natürlich sollten Kinder Mathematik, Naturwissenschaften und Programmiersprachen lernen: "Aber in einer Suppenküche aushelfen, einen Garten anlegen oder ein Praktikum auf dem Bauernhof zu machen, das ist ebenso wichtig."

(KNA)

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