Eine Pflegekraft im Krankenhaus
Pflege im Krankenhaus
Carola Reimann, MdB (r.) mit SPD-Kollege Sigmar Gabriel (l.)
Carola Reimann, MdB (r.) mit SPD-Kollege Sigmar Gabriel (l.)
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (l.) mit SPD-Kollege Sigmar Gabriel (r.)
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (l.) mit SPD-Kollege Sigmar Gabriel (r.)

07.04.2017

Kritik an neuer Pflegeausbildung "Alte Menschen Opfer der Reform"

Berufsverbände kritisieren wiederholt den Kompromiss bei der neuen Pflegeausbildung. Sechs Jahre soll das Modell einer "generalistischen" Ausbildung mit Option auf Spezialisierung getestet werden.

Der Kompromiss zur Pflegeausbildung stößt bei den Berufsverbänden auf Kritik. Der Deutsche Pflegerat befürchtet, dass es durch die Öffnung der geplanten gemeinsamen Ausbildung im dritten Ausbildungsjahr bei der stationären Altenpflege weniger Auszubildende geben wird. Der Kompromiss bleibe hinter den Zielen zurück, eine große Reform der Pflegeausbildung sei gescheitert, sagte Pflegeratspräsident Andreas Westerfellhaus am Freitag in Berlin. Der Pflegerat gehört zu den Verfechtern einer generalistischen Ausbildung, die die drei Teilbereiche Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zusammenfasst.

Generalistische Ausbildung aber Spezialisierung möglich

Nach monatelangem Ringen um die Pflegeausbildung haben sich die Bundestagsfraktionen von Union und SPD offenbar auf einen Kompromiss geeinigt. Wie die Stellvertretenden Vorsitzendenden der SPD-Bundestagsfraktion, Carola Reimann und Karl Lauterbach, am  mitteilten, soll nach dem neuen "Pflegeberufsgesetz" künftig in allen Pflegeschulen die Ausbildung mit einer zweijährigen generalistischen Pflegeausbildung beginnen. Im dritten Jahr können die Auszubildenden aber entscheiden, ob sie einen generalistischen Abschluss für alle drei Berufe oder einen spezialisierten Abschluss für einen der Berufe anstreben.

Einen Einzelabschluss in der Krankenpflege soll es künftig nicht mehr geben. Nach sechs Jahre soll dann endgültig über die neue Ausbildungsform entschiedenn werden: Haben mehr als 50 Prozent der Auszubildenden den generalistischen Abschluss mit dem entsprechenden Schwerpunkt gewählt, sollen die eigenständigen Berufsabschlüsse auslaufen und nicht mehr weitergeführt werden. Über die Abschaffung oder die Beibehaltung soll der Bundestag befinden.

Größtmögliche Entscheidungsfreiheit?

Alle Ausbildungswege sollen unterschiedslos über einen gemeinsamen Ausbildungsfonds finanziert werden. "Damit erreichen wir für die Auszubildenden die größtmögliche Entscheidungsfreiheit, und durch diese Entscheidungsfreiheit der Auszubildenden wird sich das bessere Modell am Arbeitsmarkt durchsetzen", so Lauterbach.

Die Arbeitgeber, die sich in der Vergangenheit gegen eine generalistische Ausbildung gewandt hatten, äußerten sich erleichtert, dass es weiterhin einen eigenständigen Ausbildungszweig für Altenpflege geben wird. Der Vizepräsident des Arbeitgeberverbandes Pflege, Friedhelm Fiedler, befürchtet allerdings, dass sich der Ausbildungsstoff künftig stärker an der Krankenpflege orientiere und sich deshalb weniger Hauptschüler für den Pflegeberuf entscheiden werden.

Zu viel Theorie schreckt ab

Rund 70 Prozent der Auszubildenden in der Krankenpflege seien Abiturienten, in der Altenpflege-Ausbildung seien aber 60 Prozent Hauptschüler. "Viele Hauptschüler werden von zu viel Theorie abgeschreckt", sagte Fiedler: "Die alten Menschen und die Altenpflege werden zum Opfer dieser Reform."

Auch innerhalb der Union, aber auch von Arbeitgebern und Gewerkschaften, gab es erheblichen Widerstand gegen das Modell. Kritiker befürchteten einen Qualitätsverlust und Nachteile für die schlechter bezahlte Altenpflege. Befürworter betonen, dass Deutschland mit der spezialisierten Ausbildung in Europa allein stehe und dass die Generalistik den Pflegeberuf attraktiver mache.

Organisatorische Fragen noch offen

Der Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste, Bernd Meurer, verwies auf noch offene organisatorische Fragen. Unklar sei unter anderem, wie der Wechsel zwischen den Trägern der Ausbildung organisiert werden soll, wenn sich die Auszubildenden nach zwei Jahren für einen anderen Abschluss entscheiden. Jetzt komme es auf die Ausbildungsverordnung an.

(epd, KNA)

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