Miteinander trotz Verschiedenheit
Miteinander trotz Verschiedenheit
Frederik Willem de Klerk (r.) mit Nelson Mandela im Jahr 1993
Frederik Willem de Klerk (r.) mit Nelson Mandela im Jahr 1993
Sebastian Feydt, Pfarrer der Frauenkirche, am Tag der Deutschen Einheit
Pfarrer Sebastian Feydt

03.04.2017

Dresdner Diskussionsrunde zu friedlichem Zusammenleben Vorbild Südafrika?

Wie schafft man es, Menschen verschiedener Kulturen friedlich zusammenzubringen? Antworten soll der ehemalige Präsident Südafrikas, Frederik de Klerk, bei einer Diskussionsrunde in der Dresdner Frauenkirche liefern. Mit Erfolg?

domradio.de: Sie haben im Rahmen einer Diskussionsreihe mit Friedensnobelpreisträgern den ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Frederik de Klerk nach Dresden eingeladen. Frederik de Klerk war zuerst Verfechter der Apartheid - also für die Rassentrennung. Später hat er sich während seiner Amtszeit gegen sie eingesetzt. Und dafür erhielt er 1993 gemeinsam mit Nelson Mandela den Friedensnobelpreis.

An diesem Montag ist er in der Dresdner Frauenkirche zu der Frage zu Gast, was wir heute tun müssen, damit die Welt in 20 Jahren friedvoll(er) ist? Was hat denn ein ehemaliger südafrikanischer Präsident den Menschen in Dresden zu sagen?

Sebastian Feydt (Pfarrer der Dresdner Frauenkirche): Frederik de Klerk steht für den Umbruch in einer Gesellschaft. Hier in Dresden leben viele Menschen, die auch einen enormen gesellschaftlichen Wandel hinter sich haben. Auch dieser liegt fast ein Vierteljahrhundert zurück. Die Biographien der Menschen, die hier in Ostdeutschland gelebt haben, zeigen auch, wie schwer es ist, einen solchen politischen Wandel im persönlichen Leben nachzuvollziehen.

Frederik de Klerk ist eine Persönlichkeit, die das am eigenen Leib gespürt hat. Er war ein Vertreter des politischen Systems, das die Apartheid gestützt hat. Mit Nelson Mandela und Bischof Desmond Tutu zusammen hat er es geschafft, einen so gravierenden Wandel auf den Weg zu bringen, viele Menschen mitzunehmen und ein Hoffnungszeichen in die Welt zu setzen. Gleichzeitig sehen Sie heute - ein Vierteljahrhundert später - mit welchen Verwerfungen das verbunden ist, in welch schwerer Krise ein Land wie Südafrika steckt. Es wird interessant sein, wie seine Signale aussehen. Wie schafft man einen solchen gesellschaftlichen Umbruch, indem man Verschiedenheit erhält und stärkt und gleichzeitig eine gemeinsam friedfertig lebende Gesellschaft etabliert.

domradio.de: Das heißt, Deutschland kann sich von Südafrika und Frederik de Klerk in gewissem Sinne auch etwas abschauen?

Feydt: Südafrika kann in vielerlei Hinsicht für den gesellschaftlichen Wandel und für die Integration von Menschen mit anderem kulturellen Hintergrund oder anderer religiöser Prägung ein Vorbild sein.

domradio.de: Dabei ist das ja nicht nur damals ein Problem in Deutschland gewesen, sondern ist es auch jetzt. Wir haben Pegida-Demonstrationen, gerade in Dresden. Was genau können sich die Menschen in Dresden in ihrer Situation mitnehmen?

Feydt: Der ehemalige südafrikanische Präsident wird über den Umgang mit Verschiedenheit in der Gesellschaft sprechen. Genau das ist ein Problem, das viele Menschen hier im Moment umtreibt. Wie gehen wir damit um, dass andere zu uns kommen, dass Menschen andere politische Haltungen einnehmen, anders leben, anders denken, anders mit Kunst und Kultur umgehen? Wie schafft man es, Verschiedenheit zu einem Motor, zu einer Dynamik zu entwickeln, die uns alle gemeinsam voranbringt? Was muss in der Wahrnehmung und in der Empfindung von Menschen beachtet werden?

Wir können nicht nur politische Positionen aufeinanderprallen lassen, sondern es braucht ein Grundvertrauen, dass der andere einem nichts Böses will. Es braucht eine Haltung der Versöhnung im Umgang mit der eigenen Vergangenheit. Es braucht auch eine Empathie für Menschen, die aus Kriegsgebieten kommen, für Flüchtlinge. Es braucht eine Grundhaltung, die Integration möglich macht und auch gewollt sein lässt. Frederik de Klerk ist eine Persönlichkeit, die über Jahrzehnte in diesem Prozess gewirkt hat. Wir erwarten uns von ihm ein deutliches, ein starkes Signal, auch in die Dresdner Gesellschaft hinein.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(dr)

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