Hungerkrise in Südsudan
Hungerkrise in Südsudan

31.03.2017

"Aktion Deutschland hilft" zur Hungersnot im Südsudan "Die Kinder essen Blättersuppe"

Seit Jahren herrscht im Südsudan Bürgerkrieg. Die Bevölkerung leidet unter Gewalt und Hunger. Die "Aktion Deutschland hilft" versucht, die Not zu lindern. Unter großer Gefahr, wie Mitarbeiterin Kai Mirjam Kappes im Interview berichtet.

domradio.de: Sie sind gerade erst aus dem Südsudan zurückgekehrt. Da sind die Eindrücke noch frisch...

Kai Mirjam Kappes (Mitarbeiterin der "Aktion Deutschland hilft", einem Bündnis von Hilfsorganisationen): Wir haben eine katastrophale Situation vorgefunden. Das Land ist durch die vielen Kriege momentan am Boden und braucht große Hilfe. Es gibt kaum Infrastruktur, es gibt nur eine asphaltierte Straße, es gibt keine Stromnetze und keine Wasserleitungen. Aber was die Situation gerade besonders schlimm darstellt, ist die Hungersnot. Der Hunger breitet sich überall aus. Die Hilfsprojekte versuchen, dagegen zu arbeiten. Deshalb gibt es auch noch nicht in allen Bundesstaaten eine offiziell ausgerufene Hungersnot. Aber man merkt, dass sich das Problem weiter verschärft - vor allem jetzt in der Regenzeit, wo es schwieriger wird, den Menschen Hilfe zukommen zu lassen.

domradio.de: Kann man denn sagen, wie der Alltag der Menschen aussieht? Gibt es Schulen, Krankenhäuser und etwas, das als "normaler Alltag" bezeichnet werden kann?

Kappes: Es gibt innerhalb des Landes ganz viele Kämpfe. Die Menschen fliehen vor den Gefechten. Sie müssen von heute auf morgen ihre Kinder packen und ins nächste Camp fliehen. In den Camps selber kommt es ganz stark auf die Infrastruktur an. Es existieren Camps mit Schulen und medizinischer Versorgung, je nachdem, welche Hilfsorganisationen da vor Ort sind. Es sind da auch viele Organisationen von der "Aktion Deutschland hilft" vertreten. In den ländlichen Gebieten ist es aber eher so, dass es kleinere Hütten gibt, in denen sich die Leute dann angesiedelt haben. Im Bundesstaat Unity, wo es wirklich schwierig ist, an Hilfe zu kommen, haben sich die Menschen in Sümpfe zurückgezogen, um sich dort vor den Kämpfen in Sicherheit zu bringen. Dort unterstützen die Hilfsorganisationen aus der Luft heraus.

domradio.de: An ein Alltagsleben ist also nicht zu denken?

Kappes: Nein. Das haben wir kaum vorgefunden. Die Stärke der Menschen dort ist es, dass sie es trotz der widrigen Umstände schaffen, einen geregelten Tagesablauf auf die Beine zu stellen, indem sie schauen, wie sie ihre Kinder durchbringen und satt bekommen. Wir waren bei einer Familie zu Besuch, die wir gefragt haben, was denn die Mutter macht, wenn nichts zu essen da ist. Sie ist dann vor ihre Hütte gegangen und hat Blätter von einem Baum gepflückt, hat ein Feuer gemacht, ein bisschen Wasser aufgesetzt, die Blätter reingeworfen und dann gab es für alle Kinder Blättersuppe zu essen. Das war das Einzige, was die Kinder an dem Tag bekommen haben.

domradio.de: Das Land ist seit Jahren durch den Bürgerkrieg geprägt. Was zum politischen Kalkül gehört, ist, dass auch Entwicklungshelfer von den verschiedenen Konfliktparteien angegriffen werden. Jetzt waren Sie selber als Entwicklungshelferin im Land. Hat man davon etwas mitbekommen?

Kappes: Wir hatten hohe Sicherheitsstandards. Es gab eine oder zwei Situationen, die ein wenig mulmig waren. Ich habe mit einem Helfer gesprochen, der schon zwei Mal angeschossen wurde. Der musste auch fünf Mal operiert werden, bis alle Kugeln aus seinem Körper entfernt waren. Es ist jedem Helfer bewusst, dass er ein Risiko eingeht. Aber es ist richtig und wichtig, dass wir in diesem Land sind und die Zivilbevölkerung, die unverschuldet in Not geraten ist, nicht im Stich lassen und Kinder vor dem Verhungern schützen. Dieser Helfer hat auch gesagt, er sei der erste, der für diese Menschen da ist, für sie einsteht und ihnen Kraft und Mut gibt. Diese Menschen würden für ihn in den Tod gehen. Das war ganz offensichtlich, dass er dasselbe auch für diese Menschen tun würde.

domradio.de: Ein beeindruckendes Bild. Jetzt arbeiten sie für die "Aktion Deutschland hilft", die die verschiedenen Hilfseinsätze der Organisationen koordiniert. Was muss da am dringendsten getan werden? Wo fehlt es am meisten?

Kappes: Wir brauchen vor allem Spenden, um schauen zu können, wie wir diese Gelder am effektivsten einsetzen und welche Hilfsorganisation für welches Projekt welche Spenden benötigt. Wir haben ganz unterschiedliche Hilfsprojekte. Was das Thema Hunger angeht, gibt es Schulspeisungen, Nahrungsmittellieferungen oder Spezialnahrung für unterernährte Kleinkinder. Wir haben Saatgut, das wir verteilen und landwirtschaftliche Schulungen, damit die Menschen sich wieder selbst versorgen können und auch das Wissen, wie man eigentlich ein Feld bestellt, weitergetragen wird. Ansonsten gibt es medizinische Versorgung und Hygienemaßnahmen. Wir bauen Latrinen und Brunnen. Für all das wird einfach Geld benötigt. Und das nicht nur im Südsudan, sondern gerade in vielen Ländern Afrikas, weil wir dort zahlreiche Hungerkatastrophen verzeichnen müssen.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(dr)

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